Weinburg

Erstellt am 05. Februar 2019, 05:43

von Nadja Straubinger und Lisa-Maria Seidl

„Kinder kommen durch Herbstferien aus Lerntakt“. Eltern und Pädagogen sehen Neuerungen kritisch. Schwierigkeiten gibt es bei Organisation der Betreuung.

Einheitliche Herbstferien in allen Schulen soll Organisation für Eltern erleichtern. Viele sind davon aber nicht begeistert.  |  Shutterstock.com/Ksenon

Die Herbstferien sollen vor allem eines sein, eine Erleichterung für die Eltern, die dann Betreuung und Urlaube besser planen können. Immer wieder wurde über sie diskutiert. Nun scheint ein Ende der Debatte gekommen zu sein. Bundeskanzler Sebastian Kurz bestätigte kürzlich die Einführung von bundesweit einheitlichen Herbstferien von 26. Oktober bis 2. November. Dafür entfallen die schulautonomen Tage, und das gefällt nicht allen.

Weinburgs Vizebürgermeister Michael Strasser ist Vater von zwei Kindern und kein Fan der Herbstferien. Er engagiert sich aktiv im Elternverein, der aktuell die Wünsche der Eltern zu dieser Thematik erhebt.

„Im Vorjahr war es in unserem Schulsprengel so, dass Volksschule und Mittelschule unterschiedliche freie Tage hatten. Das hat zu Betreuungsproblemen bei den Eltern geführt“, berichtet Strasser. Einheitliche Herbstferien seien aber auch nicht die Lösung: „Ich habe mit vielen Lehrern gesprochen, die mir bestätigt haben, dass die Kinder so aus dem Lerntakt kommen.“

Der Meinung schließt sich auch die Obfrau des Elternvereins der Mittelschule Ober-Grafendorf Manuela Lechner an. Zwar sei der Herbst eine besonders anstrengende Zeit für Schüler, der Erholungsfaktor in Herbstferien sei aber gering.

„Es ist für arbeitende Eltern ein Irrsinn, acht Wochen nach den Sommerferien wieder Betreuung zu organisieren.“ 
Peter Kärcher, NMS-Direktor

Beide sehen eine Alternative in einheitlichen freien Fenstertagen. „Ich hatte selbst einmal drei Kinder an drei verschiedenen Schulen mit unterschiedlichen freien Tagen“, berichtet Lechner. Um die Planung für berufstätige Eltern zu erleichtern, schlägt Strasser vor, die Tage schon ein Jahr im Voraus festzulegen. Der Pfingst- und der Osterdienstag könnten so erhalten werden. „Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber ich bin ein Sonnenkind, ich habe lieber frei, wenn es schön und warm ist“, schließt Strasser.

Auch Ober-Grafendorfs Mittelschuldirektor Peter Kärcher bekam schon Anrufe erboster Eltern. „Es ist für arbeitende Eltern ein Irrsinn, acht Wochen nach den Sommerferien wieder Betreuung für den Nachwuchs zu organisieren“, betont er und hebt hervor, dass Pädagogen kein Mitspracherecht bei der Entscheidung hatten. Auch er würde eine einheitliche Regelung begrüßen.

„Ich könnte mir da gut, sich ergebende Zwickeltage‘ vorstellen, welche auch in vielen Firmen ebenfalls für ein verlängertes Wochenende genutzt werden“, so Kärcher. Zwei bis drei verlängerte Wochenenden unter dem Schuljahr seien leichter zu händeln als eine zusätzliche Ferienwoche. Auch vonseiten der Pädagogen werden laut Kärcher die Herbstferien sehr kritisch betrachtet. Die Schüler werden nach kurzer Zeit wieder aus dem Lernrhythmus gerissen. „Die freien Tage müssen großteils zum Lernen verwendet werden, da Prüfungen noch komprimierter stattfinden. Das heißt, der Erholungsfaktor ist sehr gering.“

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