Thema „Sucht“ soll enttabuisiert werden. Fünf von acht Gemeinden im Pielachtal arbeiten bei der „Suchtprävention Pielachtal“ zusammen. Erste Erfolge sind sichtbar.

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 13. Oktober 2014 (09:44)
Vorzeigeprojekt: Jugendberater Lutz Köllner, Rabensteins Bürgermeister Kurt Wittmann, Pielachtal-Regionalmanagerin Melanie Scholze-Simmel, der diplomierte Sozialarbeiter Manfred Jeitler, Gemeinderätin Edith Sommerauer, Karin Peter die Kleinregionsbetreuerin für NÖ-Mitte, und der fachliche Leiter der Abteilung Suchtvorbeugung Markus Weißensteiner informierten zum Thema Suchtprävention im Pielachtal.
NOEN, Nadja Straubinger
Noch immer stark Tabu-behaftet ist das Thema Sucht. Diesem gesellschaftlichen Zustand entgegenwirken will man in der Kleinregion Pielachtal mit dem Projekt „Suchtprävention Pielachtal“. Fünf der insgesamt acht Tal-Gemeinden sind seit Oktober 2013 bei diesem Vorzeige-Projekt mit dabei.

Problematik mit illegalen Substanzen nicht das Kernthema

Begonnen hatte alles mit einem Bürgerrat: „Da brachten zufällig ausgesuchte Personen das Thema Sucht als Thema ein“, erklärt Kleinregionsmanagerin Melanie Scholze-Simmel. Um die Suchtprävention in der Region voranzutreiben, wurden drei Gemeindeteams gebildet (je eines für Rabenstein und Kirchberg sowie ein Team für Weinburg, Schwarzenbach und Frankenfels).

„Auslöser für die Auseinandersetzung mit der Thematik waren Drogengeschichten“, erklärt Rabensteins Bürgermeister Kurt Wittmann. Rasch mussten die Teilnehmer erkennen, dass die Problematik mit illegalen Substanzen nicht das Kernthema trifft.

„Auch beim Rauchen und mit Alkohol ist man schnell in der Sucht“, so Wittmann und gibt zu: „Bei mir ist es etwa das E-Mail-Bearbeiten am Handy, da bin ich selbst in einer Schieflage.“

„Sucht und Abhängigkeit sind Erkrankungen. Damit wird
klar, dass eine Behandlung notwendig ist. So kommt man
aus dem Tabu heraus.“
Markus Weißensteiner,
Leiter der Suchtvorbeugung

„Ich finde es wirklich toll, dass die Region diese Thematik aufgreift. Sie hat damit eine Vorreiterrolle“, zeigt sich der Leiter der Abteilung Suchtvorbeugung Markus Weißensteiner begeistert. Worauf es aber ankommt: „Sucht und Abhängigkeit sind Erkrankungen. Damit wird klar, dass eine Behandlung notwendig ist. So kommt man aus dem Tabu heraus.“

In der Suchtprävention wird aber vorrangig mit gesunden Menschen gearbeitet. Im Kindergartenalter beginnend, quer durch alle Altersstufen. „Und es wird zielgruppenspezifisch gearbeitet.“

So werden für die Kindergartenkinder die Pädagoginnen entsprechend im Bereich Lebenskompetenzförderung geschult. Im Fokus sind dabei das Kennenlernen des Gegenübers und der Umgang mit Konflikten. „Das sind für Kinder große Herausforderungen“, so Weißensteiner.

Teilweise wurden Ideen schon umgesetzt – etwa beim Fest der FF Weinburg, bei dem eine neue Getränkekarte mit antialkoholischen Alternativen zu fairen Preisen angeboten wurde. In Rabenstein ist eine pädagogisch geführte Weinkost für Jugendliche geplant. Witmann ist überzeugt: „Wir sind definitiv auf einem guten Weg, weil wir mit dem Projekt begonnen haben.“