Kurt Wittmann: „Mehr Platz für Kinder“

Rabensteins Bürgermeister Kurt Wittmann spricht über die Veränderungen in der Bevölkerung durch Corona und die geplante Erweiterung des Kindergartens.

Nadja Straubinger
Nadja Straubinger Erstellt am 16. September 2021 | 04:04
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Kurt Wittmann im Gespräch über die ersten eineinhalb Jahre der aktuellen Amtsperiode.
Foto: Straubinger

Bürgermeister Kurt Wittmann stellte sich den Fragen der NÖN beim Sommergespräch. Er zieht eine erste Bilanz über die aktuelle Periode, spricht über die Herausforderungen der Corona-Krise und über Aktivitäten von Rabenstein für den Klimaschutz.

NÖN: Rund eineinhalb Jahre sind seit der Wahl vergangen. Welche Bilanz ziehen Sie?
Kurt Wittmann: Durchwachsen. Nach der anfänglichen Aufbruchstimmung hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. Alles ist zum Stillstand gekommen. Die Veranstaltungen fehlen. Da hat man den Eindruck, es tut sich nicht so viel, aber die Dinge laufen im Hintergrund weiter.

Wie hat sich Corona auf dieGemeinde ausgewirkt?
Wir mussten uns aus finanziellen Gründen massiv einbremsen. Das hat uns schwer getroffen. Verzögerungen sind die Folge. Wir hätten vorgehabt, den Oggersheimer Platz zu gestalten, Straßenbau-Maßnahmen wurden verschoben und viele kleine Dinge auch.

Wir mussten uns aus finanziellen Gründen massiv einbremsen. Das hat uns schwer getroffen

Wie ist die Gemeinde als Arbeitgeber mit der Pandemie umgegangen?
Von Beginn an sehr amikal und verständnisvoll. Im Lockdown haben wir das zum Teil mit Sonderurlauben gelöst. Die Mitarbeiter können nichts dafür und sind sehr engagiert. Zum Teil wurde im Homeoffice gearbeitet und dabei wurden oft eigene Geräte verwendet. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten partnerschaftlich miteinander umgehen.

Wie hat Corona die Bevölkerung verändert?
Die Anfangszeit war von Angst geprägt. Jetzt werden die Leute zunehmend verständnisloser und aggressiver. Das merkt man im täglichen Umgang. Ich habe wenig Verständnis, dass sich die Leute nicht besser im Griff haben, aber es ist eine selbst gemachte Entwicklung. Über Jahrzehnte hat man ihnen die Eigenverantwortung abgenommen. Das sieht man im Katastrophenfall, in dem sich viele zurücklehnen und sagen, das muss eh jemand richten. Das sieht man auch bei Corona bei den Themen Testen und Impfen. Den Menschen ist nicht bewusst, dass wir in einem Staat leben. Da gilt es, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Ich bin auch dafür verantwortlich, wie es den anderen geht. Das muss man ihnen wieder beibringen.

Die Anfangszeit war von Angst geprägt. Jetzt werden die Leute zunehmend verständnisloser und aggressiver.

Wie ist die Wirtschaft mit der Situation umgegangen?
Stark gelitten hat die Gastronomie. Wir haben aber viel Kleingewerbe, da hat sich die Krise relativ wenig ausgewirkt – bis auf die Tatsache, dass die Unternehmen keine Mitarbeiter finden. Es ist für mich unverständlich, wenn ich die Arbeitslosenzahlen sehe: Jeder zweite Unternehmer bei uns sucht Arbeitskräfte. Selbst im Gemeindeamt haben wir dringend Verstärkung gebraucht. Die Leute sagen dir ins Gesicht: „Warum soll ich arbeiten gehen. Mir geht es so auch gut.“

Was sind die wichtigsten Projekte der nächsten Monate?
Oggersheimer Platz, Kaiserparkplatz und Kindergarten. Der Kindergarten ist ein sehr großes Projekt. Wir haben zwei Gruppen in der Volksschule. Die Genehmigung für das Provisorium läuft im Schuljahr 22/23 aus, bis dahin müssen wir den Kindergarten erweitern. Wir haben bereits eine Vorstudie durchgeführt. Jetzt nach den Ferien werden wir mit dem Architekten weitermachen.

Jeder zweite Unternehmer bei uns sucht Arbeitskräfte

Gibt es für die Platzgestaltung schon Ideen?
Es gibt Vorstudien. Auch das wollen wir im Herbst vorantreiben. Fachleute sind derzeit schwer zu bekommen. Ich hoffe, dass wir das entsprechend über die Bühne bekommen. Denn nächstes Jahr haben wir den Dirndlkirtag und da sollte alles fertig sein.

Die Hangwasserstudie ist schon einige Zeit her. Was ist darausgeworden?
Wir waren bei der Studie federführend dabei. Wir nutzen sie für die Raumplanung. Deshalb weiß ich relativ genau über die Problematik Bescheid. Ein Projekt müsste man eigentlich 14 Tage nach dem Hochwasser umsetzen. In Zeiten, in denen keine unmittelbare Gefahr besteht, ist das Verständnis der Grundbesitzer nicht so groß. Wie tragisch so was enden kann, hat man in Deutschland gesehen.

Wie hat sich die LoitzenbachVerlegung ausgewirkt?
Das hab‘ ich mir genau angesehen, als es in zwei Tagen 100 Liter pro Quadratmeter geregnet hat. Das hat super funktioniert. Jetzt fehlt nur noch die Vegetation, die muss erst wachsen.

Thema öffentlicher Verkehr und Radwege. Wie ist Rabenstein aufgestellt?
Radwege werden derzeit gut gefördert. Das wollen wir nützen. Etwa in Steinklamm. Alle Unterlagen dafür sind bereits beim Land. Wir haben ein Hol-Bring-System mit dem Hoi-mi-Raben. Das läuft jetzt an, sonst ist der Zug top.

Radwege werden derzeit gut gefördert. Das wollen wir nützen

Was tut Rabenstein für den Klimaschutz?
Wir haben seit vielen Jahren eine Fernwärmegenossenschaft. Alle Gemeindegebäude werden mit Nahwärme versorgt. Außerdem wurde und wird die Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt. Wir konzentrieren uns auf die Klimawandelanpassung: Der Klimawandel ist da. Schutzmaßnahmen wirken sich irgendwann aus, Anpassungen bekommt man schneller mit. Besonders gefällt mir das Projekt mit dem Landesjagdverband: Ein aufgelassener Steinbruch wird rekultiviert.

Was fehlt in Rabenstein?
Es geht uns grundsätzlich gut. Wir brauchen großes Verständnis der Bevölkerung für geänderte Situationen. Die werden noch ganz gravierend werden. Ich war nie ein Freund der Globalisierung, sondern bin ein Verfechter der Regionalisierung. Das ist jetzt vorrangig, das Aufeinander-Zugehen. Das Verständnis brauchen wir nach Corona ganz intensiv.