Frauen in der Politik: Akzeptanz muss jeder erarbeiten. Politikerinnen aus der Region sind auf allen Ebenen vertreten. Aber noch nicht überall sind sie gleich akzeptiert.

Von Mario Kern, Nadja Straubinger und Thomas Werth. Erstellt am 05. März 2019 (03:57)
Max Steiner
Eva Prischl

Eines haben die befragten Mandatarinnen aus der Region gemeinsam: Sie betonen, dass es in der Politik nicht darauf ankommt, welches Geschlecht man hat. Egal, ob auf Gemeinde-, Landes- oder Bundesebene, Politikerinnen sehen ihre große Gemeinsamkeit im Willen, die Rahmenbedingungen für die Bevölkerung mitzugestalten.

NOEN

„Im Gemeinderat mache ich Politik mit den Menschen der Region, im Bundesrat versuche ich, die Politik der Region in die Bundespolitik zu integrieren“, erläutert die Wilhelmsburger Gemeinderätin und Bundesrätin Eva Prischl. Für die St. Margarethner Landtagsabgeordnete Doris Schmidl ist nicht wesentlich, ob Männer oder Frauen politisch aktiv sind. „Es zählt nur, für einander einzutreten und etwas zu bewirken.“ Das können derzeit auf kommunaler Ebene sechs Bürgermeisterinnen und sieben Vizebürgermeisterinnen sowie fast 270 Gemeinderätinnen.

Zwei Vizebürgermeisterinnen kommen aus dem Ausgaben-Gebiet der Pielachtaler NÖN: Brigitte Thallauer aus St. Margarethen und Andrea Kotmiller aus Ober-Grafendorf. „Mein politischer Start war in einem sehr stark Männer dominierten Gemeinderat, das war nicht ganz leicht. Aber es wurde der Einsatz geschätzt und gefördert“, so Thallauer. In den Jahren hat sich der Frauenanteil geändert, derzeit sind 40 Prozent der Mandatare weiblich.

„Die Akzeptanz in der Gemeinde, in der Bevölkerung muss sich, egal ob Mann oder Frau, jeder selbst erarbeiten“, davon ist Thallauer überzeugt. Das sieht auch Kotmiller so. „Ich fühle mich ernstgenommen und habe keine Probleme mit den Männern im Gemeinderat.“ In den Jahren als Mandatarin habe sie sich von der normalen Gemeinderätin zur Vizebürgermeisterin vorgearbeitet.

„Die Akzeptanz in der Gemeinde, in der Bevölkerung muss sich, egal ob Mann oder Frau, jeder selbst erarbeiten“

Die längstdienende Mandatarin der Stadt ist SP-Stadträtin Renate Gamsjäger. Aus ihrer Sicht hat sich seit ihren Anfängen vor 21 Jahren viel geändert: „Früher haben viele nach meinem Mann gefragt, manche gar geglaubt, er sei der Mandatar und ich vertrete ihn.“

Jeweils eine Gemeinderätin sitzt für die VP und die FP im St. Pöltner Gemeinderat. Dass nur mehr eine der neun VP-Mandatare weiblich ist, spiegele den Willen der Wähler wider, erklärt Vizebürgermeister Matthias Adl.

„Wir hatten einen Vorzugsstimmenwahlkampf und Christina Veit landete als beste Frau auf dem neunten Platz.“ Jennifer Köhler von der FP ist St. Pöltens jüngste Gemeinderätin. Sie betont, dass sie sich als Frau nicht „durchkämpfen“ musste, sondern wie alle Kollegen ihr politisches Interesse zu zeigen hatte. „Bei mir wurde nie ein Unterschied gemacht. Aber nicht alle jungen Frauen haben dieses Glück, weil viele Männer Frauen immer noch nicht für voll nehmen.“

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