Dirndl-Blüte hat im Pielachtal bereits eingesetzt. Über eine Woche früher tragen die Dirndlstauden erste Frühlingsboten. Dass die Frucht nicht nur vielfältig, sondern anpassungsfähig ist, erklärt Steinschalerchef Johann Weiß.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 25. Februar 2020 (04:36)
Bei einer gemütlichen Wanderung durchs Pielachtal stößt man bereits auf die ersten Dirndlblüten des Jahres.
weinfranz

Der milde Winter, bedingt durch den Klimawandel, bleibt auch im Pielachtal nicht ohne Folgen: Es blüht früher als gewöhnlich. Das hat Auswirkungen auf die wichtigste Frucht der Region: die Dirndl. Mitte letzter Woche haben bereits die ersten Dirndlsträucher, die in der regionalen Mundart als „Dirndlstauden“ bezeichnet werden, zu blühen begonnen.

Ob Marmelade, Likör oder ein pikanter Dirndlaufstrich: Die Bandbreite der Verarbeitungsmöglichkeiten der Dirndl ist mannigfaltig.
NOEN

Johann Weiß, Betreiber des Steinschalerhofs in Warth und des Steinschalerdörfls in Frankenfels, stolzer Besitzer von rund 2.000 Dirndlstauden, blickt dennoch positiv ins heurige „Dirndl“-Jahr. „Die Blüte ist zwar durch die milde Witterung ein wenig früher eingetreten, aber diese Pflanze ist robust“, stellt er fest.

Normalerweise sind erst Ende Februar/Anfang März die ersten zarten gelben Blüten zu sehen. Rund 60.000 Dirndlsträucher gibt es im Pielachtal, dass sie sämtliche Umwelteinflüsse relativ schadlos überstehen, beweist ihr hohes Alter. Die älteste Dirndlstaude der Region ist beachtliche 800 Jahre alt und befindet sich beim Eisenstein. „Ob 30 Grad plus oder 15 Grad minus, die Dirndl wirft nichts so leicht aus der Bahn“, weiß der Experte für Dirndlprodukte. Bis aus der gelben Blüte aber erntereife Früchte werden, dauert es bis frühestens Mitte August. Ab hier ist Erntezeit bis Ende September.

Älteste Dirndlstaude der Region ist beachtliche 800 Jahre alt

Die Ernte erfolgt mit Netzen, die die Dirndl „auffangen“ und das Einholen der kleinen Früchte erleichtern. Der Ertrag uralter Dirndlstauden ist immens. Da können schon zwischen 50 und 100 Kilo Früchte geerntet werden. Weiß erzählt von der so genannten „Weana Häusldirndl“ in Hofstetten. „Diese hat in einem Jahr bis zu 310 Kilo Ertrag gebracht.“ Mittlere Stauden tragen rund 20 bis 30 Kilogramm Früchte pro Jahr. Die Farbe der schmackhaften Dirndl kann zwischen hellgelb und schwarz differieren.

„90 Prozent sind aber Rottöne“, führt Weiß aus. Dennoch betont er, dass Dirndlproduktion „kein Leistungssport“ ist. Im Gegenteil: Das Wachstum ist eine Wildform, wo die Natur im Vordergrund steht. Dirndlstauden bieten wertvolle Nahrungsquelle für Wildbienen, Hummeln, Singvögel und andere Tiere.

Wer mehr über die Dirndl erfahren möchte, kann an einer Tour mit einem „Dirndltaler Naturführer“ teilnehmen. Sehenswert ist auch die „Servus“-TV-Dokumentation „Heimatleuchten“ übers Dirndltal am 10. Juni. Zehn Tage davor gibt es im Festsaal des Steinschalerhofs dazu die Premiere. Im Lokal kann man überdies laufend verschiedenste Dirndlvariationen von süß bis pikant verkosten.