„Nicht geschimpft ist auch gelobt“. Die St. Margarethner Landtagsabgeordnete Doris Schmidl über ihren abwechslungsreichen Alltag.

Von Nadja Straubinger und Markus Glück. Erstellt am 18. August 2014 (11:08)
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Doris Schmidl ist Abgeordnete zum Landtag und leitet seit 26 Jahren ihren Bauernhof. Wie sie Familie, Job und Politik unter einen Hut bringt erzählt Schmidl beim sechsten Dirndltaler Sommergespräch.

NÖN: Sie haben einen Bauernhof und sind 2013 in den Landtag eingezogen. Wie schwierig ist es Familie, Beruf und Politik zu vereinen?

Doris Schmidl: Momentan ist es sehr schwierig. Unser Junior macht das Wieselburger Josephinum und ist derzeit auf Auslandpraxis in Deutschland. Unsere Tochter studiert in Krems. Jetzt haben wir uns jemanden geleistet, der uns hilft. Ansonsten wäre die viele Arbeit alleine nicht zu schaffen.

Wo liegt die Schwierigkeit?

Schmidl: Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich soviel unterwegs bin. Besonders, wenn es schön ist, wäre ich gern zu Hause, aber das ist leider oft nicht möglich. Und mein Mann schafft es alleine nicht. Wir haben ja jeder einen Betrieb und ich auch noch meine Mutter mit 83 Jahren.

Wie kommt das?

Schmidl: Wir sind beide Hofnachfolger und haben daher jeder einen eigenen Betrieb. Die Höfe liegen vier Kilometer auseinander. Miteinander sind wir lebensfähig.

Wie schwierig ist es für eine Frau, heute Familie und Karriere zu meistern?

Schmidl: Nach dem Krieg haben die Frauen den Hof machen müssen, weil die Männer nicht zu Hause waren. Das war auch bei mir am Hof so. Meine Oma hat mit Mägden den Betrieb geleitet. Danach haben wieder die Männer die Arbeit übernommen. Seither hat sich nichts geändert, außer der Ablauf.

Die Landwirtschaft im 21. Jahrhundert: Wo sehen sie Herausforderungen und Schwierigkeiten?

Schmidl: Im Fortschritt. Wer nicht jedes Jahr investiert, wer nicht jedes Jahr schaut, wie es weiter geht, bleibt hinten und kommt unter die Räder.

Es sollen auch intensive Kontrollen zu Problemen führen. Ist das bei Ihnen auch so?

Schmidl: Wir haben in der letzten Zeit, Gott sei Dank, wenig mit Seuchen zu tun gehabt. Österreich ist dafür bekannt, dass es viele Kontrollen gibt. Ich bin froh, dass wir dieses System haben. Bei manchem denkt man sich schon: Ist das notwendig?

Wann zum Beispiel?

Schmidl: Etwa mit den vielen Aufzeichnungen, ob der Stall gewaschen worden ist, oder die Tiere umgesperrt worden sind. Da muss ich ehrlich sagen, darüber lässt sich streiten.

2013 sind Sie als Abgeordnete in den Landtag eingezogen. Wie ist es dazu gekommen?

Schmidl: Ich würde sagen, ich habe mich nie vor Arbeit gescheut. Ich war vorher lange im Gemeinderat, war Bauernbundobfrau und bei den Bäuerinnen aktiv. Der Durchbruch, also dass man auf mich geschaut hat, war 2005. Da habe ich in St. Margarethen eine Hackschnitzelheizung gebaut. Das hat man mir damals nicht zugetraut. Als eine Genossenschaft von 13 Bauern beliefern wir ganz St. Margarethen – alle öffentlichen Gebäude sind angeschlossen. Da hab ich mir gedacht: ,Yeah‘, jetzt hat es einen Sinn, dass ich in die Politik gegangen bin.

Was waren Ihre ersten Eindrücke im Landtag?

Schmidl: Zu Beginn, denkt man sich, das gibt’s gar nicht. Die Bauern haben mich sehr gut unterstützt, aber auch andere, wie der ÖAAB und der Wirtschaftsbund, sind hinter mir gestanden. Alleine hat man keine Chance, dass man es schafft. Gleich bei der ersten Landtagssitzung musste ich eine Budgetrede halten, das hat mich sehr gefordert. Um ehrlich zu sein, wenn ich da hätte sagen können, ich gehe wieder heim, wär’s mir lieber gewesen. Man weiß ja vorher nicht, ob man dem gewachsen ist, wenn man dann wirklich vorne steht. Aber wenn man es dann geschafft hat, ist es ein tolles Gefühl. Mir taugt’s.

Gab es einen Moment, in dem Sie den Schritt in die Landespolitik bereut haben?

Schmidl: Wenn ich einen Weg eingeschlagen habe, dann mach ich es. Bei mir gibt es keine halben Sachen, wie während einer Periode aufzuhören, außer wegen Krankheit.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht, wo Sie sagen, „da habe ich mich weiterentwickelt“?

Schmidl: Im sozialen Umgang. Ich bin ja für den Familienbund zuständig. Vorher habe ich nicht geglaubt, dass das soziale Anliegen in Niederösterreich so groß ist. Die Kluft zwischen reich und arm wird doch erkennbar größer. Wir haben Besuchsbegleitung und unterstützen etwa, wenn ein Elternteil im Gefängnis ist. Da sieht man so einiges.

Sie haben ja ein großes Zuständigkeitsgebiet von Neulengbach bis Schwarzenbach. Wie schwierig ist es da, Termine zu koordinieren und sich auf die Situationen vor Ort einzustellen?

Schmidl: Ich muss ehrlich sagen, ich bin ein sehr bodenständiger Mensch und oft mit Dirndl unterwegs, das passt sehr oft. Ich komme oft zu sehr bodenständigen Veranstaltungen, obwohl mich Kunst und Kultur genauso interessieren. Ich habe auch schon einige Ausstellungen eröffnet. Einteilen lasse ich mich vom Büro des Landeshauptmanns aber zu maximal drei Terminen pro Tag, sonst wird es zu viel.

Wie gehen Sie mit Anfragen von Bürgern bei Veranstaltungen um?

Schmidl: Es ist Teil unseres Jobs, dass wir uns die Anliegen anhören. Wir sollen diese weiterleiten, da ist es mir ein Bedürfnis, in das Herz der Leute hineinzuhören und zu erfahren, was deren Anliegen sind. Derzeit wichtige Anliegen sind die Eisenbahnkreuzungen im Pielachtal und der Völtendorfer Flugplatz. Das fordert mich sehr.

Welche Probleme gibt es beim Flugplatz und den Eisenbahnkreuzungen?

Schmidl: Die Bauern haben Angst, dass sie ihre Gründe verlieren. Weil die Stadt St. Pölten die Gründe kaufen will und sie durch die Umfahrung viel ihres Bodens verlieren und um ihre Existenz fürchten. Bei den Eisenbahnkreuzungen haben wir die bereits bestehenden Verträge von Bauern schon aufgelöst. Über das Anrufen bei einer Querung bin ich noch nicht glücklich. Man muss sehen, ob man nicht eine bessere und sichere Lösung finden kann.

Wie kann man sich Ihre Arbeit im Landtag vorstellen?

Schmidl: Also die erste Arbeit, die ich in der Früh mache: Ich gehe in den Stall (lacht). Das taugt mir, meine ,Viecha‘ haben so eine Ruhe. Außer wenn Geburten anstehen oder die Ferkel weggenommen werden, dann ist Unruhe. Ich rede oft mit den Tieren und finde viele Ideen im Stall, weil mich dort niemand anredet und ich nachdenken kann. Manchmal sitze ich mit den Hunden zusammen im Stroh und denke nach. Um neun Uhr bin ich dann im Landtag. Dann sind die Sitzungen und danach widmet man sich seinen Bereichen: Bei mir sind das Soziales, Familie, Kultur und Landwirtschaft natürlich auch. Derzeit sind wir mit der Bauordnung, die im September neu verabschiedet wird, beschäftigt. Die war ein großer Brocken, dann kommt die Raumordnung. Mir ist es wichtig, dass die alten Vierkanter erhalten bleiben. Da muss uns aber klar sein, dass nicht nur landwirtschaftliche Betriebe dort sein werden.

Viele Menschen haben ein negatives Bild von Politikern. Bekommen Sie das auch zu spüren?

Schmidl: Ich merke davon nichts, wenn ich offen auf die Leute zugehe und eine Gesprächsbasis suche. Sicher gibt es auch kritische Stimmen. Aber ich denke mir: Nicht geschimpft ist auch gelobt genug.

Sie kommen aus einer sehr politischen Familie. Ist da die Politik auch Thema bei Familienfeiern?

Schmidl: Nein, das ist kein Thema, da sind wir sehr konsequent. Mein Schwager ist Bürgermeister in Pyhra, mein Onkel war Nationalrat und die Vizebürgermeisterin in St. Margarethen ist meine Schwägerin – wir sind drei Personen und haben sicher andere Meinungen über politische Themen (lacht).

Welche Ziele haben Sie noch in dieser Periode?

Schmidl: Das Thema kirchliche Lieder in Schulen darf kein Thema sein, auch das Kreuz in der Klasse. Das gehört zur Kultur seit vielen Jahren und es kann nicht sein, dass man das so verkommen lässt.