S 34 bis in letzte Instanz. Asfinag rechnet nach Diskussion der Punkte mit Einspruch bei Bundesverwaltungsgericht. Damit könnte sich Baustart auf Ende 2021 verschieben.

Von Thomas Werth. Erstellt am 22. Januar 2019 (04:00)
NÖN
Die S34 soll die B20 entlasten

Links knapp 20 Mitarbeiter der Asfinag, vorne ein Tisch mit Vertretern des Verkehrsministeriums und dem Sachverständigen-Team, rechts knapp ein Dutzend Gegner: Der Panorama-Saal der Hypo NOE ist dieser Tage ein riesiger Verhandlungssaal. Bis heute, Dienstag, diskutieren die Protagonisten vor Publikum die verschiedenen Themenbereiche des UVP-Gutachtens zur Traisental-Schnellstraße S 34. Manche der bisherigen Verhandlungstage dauerten über zehn Stunden.

Die Meinungen zur Umweltverträglichkeit des Projekts könnten nicht unterschiedlicher sein. Nicht nur jene der Asfinag sowie der Initiativen und Grundstückseigentümer, sondern auch jene der zahlreichen Redner, die sich zu Wort meldeten. Dafür sprach sich St. Pöltens SP-Bürgermeister Matthias Stadler aus: „Für viele Anrainer entlang der B 20 ist die Verkehrssituation unzumutbar. Ich kenne keine andere Stadt in dieser Größe, die nur eine Nord-Süd-Anbindung hat.“ Der Lilienfelder VP-Bundesrat Karl Bader trat ebenfalls für den Bau der S 34 ein: „Für die Zukunft des Lilienfelder Bezirks ist eine Verbesserung der Anbindung nach St. Pölten wichtig.“

Für den Ober-Grafendorfer SP-Bürgermeister Rainer Handlfinger ist die S 34 hingegen eine Farce: „Als Gemeinde wird man angehalten, steuerschonend zu arbeiten und Flächen zu reduzieren – und dort baut man einen Knoten in der Dimension eines Voralpenkreuzes.“

Landwirte sorgen sich um das Grundwasser

Während sich am ersten Tag der Verhandlung auch aktuell verkehrsgeplagte St. Pöltner zu Wort meldeten, gehörten die anderen Tage großteils künftig betroffenen Anrainern und Landwirten. Vor allem die Grundwasser-Situation beschäftigt viele. Denn zahlreiche Brunnen werden im Zuge des Baus trocken gelegt.

Landwirte befürchten Dürreschäden und große finanzielle Einbußen, wenn sie künftig Wasser vom öffentlichen Netz beziehen müssten. Großes Thema war auch der Grundstücksverlust und der Rückgang der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche. „Es bleibt ein großes Misstrauen, viele Bedenken der Anrainer wurden von den Experten einfach abgetan“, beklagt Bezirksbauernkammer-Obmann Anton Hieger, der 40 Grundstückseigentümer vertritt.

Nach der UVP-Verhandlung werden die Sachverständigen nun alle Beschwerden und Anträge prüfen. Die Asfinag rechnet mit einem Baubescheid im Frühjahr – mit vermutlich neuen Auflagen.

Asfinag-Projektleiter Leopold Lechner spricht von einer sehr fairen, angeregten Diskussion. „Ich verstehe jeden einzelnen Landwirt. Die Situation der Betroffenen wird klarer, wenn sie sehen, dass wir eine faire, attraktive Ablöse zahlen. Normalerweise haben wir zum Schluss immer eine sehr gute Zustimmung.“ Lechner rechnet aber trotzdem damit, dass nach dem UVP-Bescheid die letzte Instanz, das Bundesverwaltungsgericht, angerufen wird. „Das wird uns dann noch einmal ein Jahr kosten“, glaubt Lechner. Damit würde sich der Start der ersten Bauphase auf Ende 2021 verschieben.