Pielachtaler Bauer ließ 13 Kälber verhungern. Amtstierarzt fand verendete Jungrinder auf. Entsetzung und Fassungslosigkeit im Tal. Behörde weist auf Hilfsangebote hin.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 06. Januar 2021 (04:17)
Wochenlang waren die Kälber ohne Futter. Bis sie verendeten. Nur ein Kalb überlebte. Es wurde verkauft.
Shutterstock.com /William Edge

Die Fassungslosigkeit ist groß. Wenn man die sozialen Medien verfolgt, erschütterte dieser Vorfall Tierfreunde im In- wie Ausland. Sie teilten die Medienberichte eines unfassbaren Falls von Tierquälerei mitten im Pielachtal, den die NÖN aufzeigte.

Ein erst 26-jähriger Landwirt ließ seine Jungkalbinnen verhungern. Dem Amtstierarzt wie auch der Exekutive bot sich beim Lokalaugenschein auf dem abgelegenen Anwesen am Berg ein erschütterndes Bild: Die Tiere lagen verwest in ihren eigenen Exkrementen, der Mist soll rund einen halben Meter hoch gewesen sein. 13 von 14 Kühen waren tot, ein Rind konnte in erbärmlichem Zustand, angehängt im Ständer, umgeben von Bergen an Mist, aufgefunden werden.

„Wie kann so etwas passieren?“

Sowohl das Ausmisten als auch das Füttern der Tiere hatte der junge Bauer zuerst gröblich vernachlässigt und dann sichtlich gar nicht mehr durchgeführt. Er soll, da er noch einen anderen Beruf ausübt, „überfordert“ gewesen sein. Der Mann wird wegen Tierquälerei angezeigt.

„Wie kann so etwas passieren?“ Das fragen sich viele Menschen in der Region und darüber hinaus. Sie sind entsetzt, darunter auch andere Landwirte, die ihrer Profession mit Leidenschaft nachgehen. Der Mann sei kein Neuling im Bereich der Landwirtschaft, umso mehr seien sie erschüttert. Das Schreien der hungrigen Rinder hätte man sicher gehört.

„Wichtig ist es, dass uns Verdachtsfälle gemeldet werden. Nur dann können wir zeitgerecht agieren“

Auch der Bürgermeister der betroffenen Gemeinde ist betrübt: „Wir sind erschüttert, dass so etwas passiert. Eigentlich kannte ich ihn als sehr netten, hilfsbereiten Mann.“ Dieser sei im Ort präsent gewesen, nicht negativ aufgefallen und hätte sich gut eingebracht. Dass er immer gerne bei diversen Arbeiten mitgeholfen hätte, erzählen auch andere. Umso schockierter sei man. Erschüttert gibt sich auch Bezirkshauptmann Josef Kronister, denn der Fall sei „nur zufällig durch die stichprobenartige Kontrolle des Amtstierarztes entdeckt worden“, wie er auf NÖN-Anfrage bestätigt.

„Wichtig ist es, dass uns Verdachtsfälle gemeldet werden. Nur dann können wir zeitgerecht agieren“, appelliert er an die Zivilcourage von Bürgern. Es gehe hier auch um Unterstützung, wenn Menschen in ihrer Lebenssituation schwer überfordert sind. „Es sind derzeit keine Rinder mehr am Hof. Wir werden uns seitens der Behörde die soziale Struktur ansehen. Hier ist dringend Hilfe von Nöten“, sagt er. Oft scheitere es daran, dass sich Menschen trauen, Hilfe anzunehmen, dies sei aber keine Schande: „Wir bieten seitens der Behörde Unterstützung, aber auch die Bauernkammer kann helfen“, sagt er.