Weinzinger-Abschied ohne Fest: „Bissl Wehmut ist dabei“. Viktor Weinzinger hätte als Purkersdorfer FF-Chef heuer sein letztes Fest eröffnet. Das Coronavirus macht ihm einen Strich durch seine Abschiedsveranstaltungen.

Von Birgit Kindler. Erstellt am 15. Juli 2020 (05:32)
Bei der Eröffnung des Feuerwehrfestes im Jahr 2001: Kommandant Viktor Weinzinger, der damalige Kommandant-Stellvertreter Werner Schmatz, der damalige Bürgermeister Karl Schlögl und Vizebürgermeister Josef Fuchs.
FF Purkersdorf

Es wäre sein allerletztes Feuerwehrfest als Kommandant der Stadtfeuerwehr Purkersdorf gewesen. Am kommenden Wochenende hätte das Feuerwehrkulinarium stattfinden sollen und Viktor Weinzinger hätte es als Feuerwehrchef traditionell eröffnet.

Doch das fällt jetzt ins Wasser. „Mehrere tausend Leute sind oft dabei, ein Fest wäre einfach nicht möglich gewesen“, erklärt Weinzinger. Neben dem finanziellen Verlust für die Feuerwehr ist es für den Kommandanten auch persönlich ein bisschen schmerzhaft.

„Es gab keinen Tag der offenen Tür, kein Maibaumaufstellen, keinen Abschnittsfeuerwehrtag, keinen Feuerwehrausflug und jetzt kein Feuerwehrfest. Das Coronavirus macht mir bei sämtlichen Abschiedsveranstaltungen einen Strich durch die Rechnung“, so Weinzinger und setzt nach: „Ein bisschen Wehmut ist schon dabei, auch wenn ich weiterhin Feuerwehrmann bleibe.“

„Damit haben wir eine Nische gefunden“

An 25 Feste als Kommandant und vorher an Events als junger Feuerwehrmann erinnert er sich gerne zurück. Zehn Jahre war er auch Chef der Bar. „Bei uns hat es immer schöne Veranstaltungen gegeben. Gewechselt haben die Schauplätze. Zu Beginn waren es Volksfeste mit Tagada beim Sportplatz, auf der Fläche des jetzigen Stadtsaals und beim Spar“, erzählt Weinzinger.

Seit einiger Zeit findet das Feuerwehrkulinarium vor dem Feuerwehrhaus statt. „Damit haben wir eine Nische gefunden, die sehr erfolgreich ist. Die Besucher freuen sich auf das gute Essen.“ Gerne erinnert er sich an ein Fest zurück, bei dem der Spielmannszug aus Bad Säckingen anreiste. Jedes Jahr freut sich Weinzinger auch auf das Plaudern mit den Gästen, die er jahrelang kennt.

Für immer in sein Gedächtnis eingebrannt hat sich aber das Feuerwehrfest im Jahr 2001. Mitten während des Veranstaltungsbetriebes am Samstag wurden die Kameraden zum Zugsunglück beim Bahnhof Unterpurkersdorf gerufen. Zwei Zuge waren frontal zusammengestoßen. Über 20 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. „Eine Frau hat ihren Unterschenkel verloren“, erinnert sich Weinzinger zurück.

Hat sich ins Gedächtnis eingebrannt. Das Zugsunglück in Unterpurkersdorf 2001 während des Feuerwehrfestes, bei dem zwei Züge frontal aufeinander prallten.
FF Purkersdorf

Im Stadtsaal wurde ein Lazarett eingerichtet. „Für uns war das damals eine enorme Stresssituation. Aber alle haben zusammengeholfen. Private Gäste haben zu kellnern begonnen“, so Weinzinger. In dieser Nacht im Juli ist er nach dem Einsatz um vier Uhr früh schlafen gegangen. „Um fünf Uhr hat schon wieder das Telefon geklingelt. Und wir haben mit Sicherungsarbeiten weitergemacht“, berichtet Weinzinger.

Eine kleine Feier soll es für den Kommandanten trotzdem geben: „Wir unterstützen die Gemeinde bei der Flurreinigung und danach setzen wir uns zusammen.“