Ein großes Herz für den Naturpark Purkersdorf. Gabriela Orosel lebt von klein auf eng mit der Natur und seit 19 Jahren für den Naturpark.

Von Monika Närr. Erstellt am 04. April 2020 (04:11)
Gabriela Orosel 2018 im Rahmen einer Reise in British Columbia, Canada. Gabriela Orosel
Gabriela Orosel 2018 im Rahmen einer Reise in British Columbia, Canada.

Ihre Töchter Anna und Emma haben das Leben in und mit der Natur so vermittelt bekommen, wie sie selbst es mit ihrem Großvater erleben durfte: Gabriela Orosel erkundete mit ihrem Opa, einem Oberförster der Bundesforste, viele Sommer die Traunsee-Region rund um Ebensee und studierte später Landschaftsplanung und –gestaltung an der Bodenkultur. Sie schrieb ihre Diplomarbeit über Österreichs Naturparke und leitet seit nunmehr 19 Jahren den Naturpark Purkersdorf, dessen Herz und Seele sie ist.

NÖN: Haben Sie ein spezielles Lebensmotto?
Gabriela Orosel: Ich habe das Glück, dass ich beruflich ausüben kann, was ich von Herzen gerne mache. Ich kann leben, was und wer ich bin und muss mich nicht verdrehen. Ich gehe meinen Weg und darin auf.

Die Liebe zur Natur ist zentraler Fokus Ihres Lebens. Wie wurde das durch Ihre Wohnsituationen gefördert?
Durch die vielen Aufenthalte als Kind bei meinen Großeltern im Salzkammergut wurde es mir in die Wiege gelegt. Mein Vater, Reginald Arthur Orosel, war ja Gemeindearzt in Pressbaum und Tullnerbach. Damals lebten wir im früheren Haus von Rosette Anday in der Rosette Anday-Straße, in dem heute Joni Madden wohnt. Ich konnte zu Fuß zu allen meinen Freunden in der Siedlung und am Karriegel gehen. Wir waren viel im Wald, haben Bäche aufgestaut und sind zwischen Bäumen durchgerodelt. Privat leben wir heute in Gablitz in einem weitläufigen Mehrparteienhaus, dessen Garten ein kleines Refugium ist.

Ich habe das Glück, dass ich beruflich ausüben kann, was ich von Herzen gerne mache

Was bedeutet es für Sie, Geschäftsführerin des Naturparks zu sein?
Bis 2012 war ich gleichzeitig neben dem Naturpark Purkersdorf auch für den ältesten Naturpark Österreichs in Sparbach zuständig. Nach meiner Karenz 2015 haben meine Kollegin und ich uns die Agenden aufgeteilt. Seither bin ich geschäftsführend in Purkersdorf tätig und für ein Landschaftsschutzgebiet von 77 Hektar zuständig, in einem der kleinsten der 20 Naturparke in Niederösterreich. Wir kooperieren mit dem Verband der Naturparke Österreichs, dem Verein der Naturparke Niederösterreichs, als auch eng mit der Stadtgemeinde Purkersdorf. Wir arbeiten mit dem Förster mit Zehnjahresplänen zusammen, in denen festgelegt wird, welche Zonen und Waldbereiche auf Grund ihrer Altersstruktur wie kultiviert und gepflegt werden.

Sie sind auch im Bereich Waldpädagogik sehr aktiv.
Ja, ich bilde mich laufend fort und habe vor fünf Jahren auch die Ausbildung zur Agrarpädagogin an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik absolviert. Als Waldpädagogin muss ich mich ebenfalls alle fünf Jahre rezertifizieren. Ehrenamtlich bin ich im Vorstand des Vereins der Waldpädagogik in Österreich tätig, der sich als Sprachrohr aller österreichischen Waldpädagogen versteht.

Wie verknüpfen Sie dieses Wissen konkret mit dem Naturpark?
Mein Wissen und Können fließt dann beispielsweise auch beim jährlichen Naturparkfest im Herbst - heuer am 19. September - ein, das für Kinder und Erwachsene informativ, aktiv, lustig und spannend gestaltet wird. Insgesamt bieten wir jährlich zwischen 30 bis 40 Veranstaltungen an. Generell sind gerade auch Waldausgänge für Schüler und Kindergärten sehr gefragt.

Heuer planen wir als Novum auch einen Enkelkinderwandertag. Wir holen Kinder und Großeltern auf zwei Seiten ab, sie können in langsamem Tempo, das für beide gesund ist, ihre Strecken absolvieren.

Wie kommt der Naturpark bei Ihren eigenen Kindern an?
Emma ist sieben, sie ist gerne beim Naturparkzentrum in Deutschwald mit den Wildschweinen, Rehen und Hirschen aber auch auf der Kellerwiese bei den Schafen, Ziegen und Eseln. Anna – sie ist 22 und studiert Astrophysik – liebt es, alleine im Wald spazieren zu gehen. Da ist was von mir hängen geblieben. Sie hat auch eine ganz leichte Hängematte, die sie dann im Wald zwischen Bäumen spannt. Auch mir selbst geht es ja immer gut im Wald.

Egal, ob wir unsere Urlaube in Österreich oder im Ausland verbringen - es ist immer auch ein Naturteil dabei

Sie haben auch eine Bürogemeinschaft mit Ihrem Lebenspartner Hubert Ortner.
Das hat sich aus Ressourcengründen vor vier Jahren so ergeben. Wir suchten ein kleines Büro in Naturparknähe und sind nun Untermieter bei meinem Partner. Die Arbeitsbereiche sind aber getrennt. Er ist in einem ganz anderen Segment tätig, macht Trainings, Coachings und Produktschulungen im Automotivbereich.

Spielen die Natur und der Wald auch in Ihrer Freizeitgestaltung eine große Rolle?
Egal, ob wir unsere Urlaube in Österreich oder im Ausland verbringen - es ist immer auch ein Naturteil dabei. Ich war bereits in einigen Naturparks in den USA, der Schweiz oder Deutschland sowie vergangenen Sommer in Tirol im Naturpark Kaunergrat. Mein Ziel ist es, alle 46 heimischen Naturparke kennenzulernen, derzeit bin ich bei gut der Hälfte. Auch in der freien Zeit mache ich viele naturaffine Dinge, wie laufen oder Rad fahren.

Wie wird der Naturpark in der derzeitigen Situation frequentiert?
Immer wieder fragen Besucher an, ob sie kommen dürfen. Sie dürfen – unter Beachtung der allgemeinen Verhaltensvorschriften. Letzte Woche waren die Mistkübel dementsprechend voll. Auch viele Wiener sind herausgepilgert.