Gewichtheben als große Leidenschaft. Gablitzerin Katrin Storka und der Pressbaumer Roman Lehner wollen mehr Werbung für das Gewichtheben machen.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 29. März 2020 (03:34)
Katrin Storka ist Mitglied des Heeresportvereins Langenlebarn und sporltiche Leiterin der Gewichtheber.
Nadja Büchler

Die Gablitzerin Katrin Storka und der Pressbaumer Roman Lehner sind Gewichtheber aus Leidenschaft. Beide wollen ihre Sportart mehr ins Rampenlicht stellen und setzen sich bei der Nachwuchssuche ein. Gemeinsam besuchen sie Schulen und erklären Kindern und Jugendlichen die Wichtigkeit von Krafttraining für die eigene Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Viele der Schüler zeigen sich vom Gewichtheben begeistert.

NÖN: Wie sind Sie zum Gewichtheben gekommen?
Katrin Storka: 2005, da habe ich meinen jetzigen Mann Marcus kennengelernt. Er hat bereits zwei Jahre beim KSV Pressbaum gehoben, und ich begleitete ihn viele Jahre zu den Wettkämpfen, unterstützte ihn und habe beim Her- und Wegräumen geholfen. Zu dem Zeitpunkt war ich noch aktiv im Turniersport und Profi-Trainerin. 2012 ist unsere Tochter auf die Welt gekommen und ein Jahr später stellte ich den aktiven Turniersport und das Unterrichten ein. Danach begann ich mit dem Kraftsport. Zuerst trainierte ich ein Jahr Crossfit und dann bin ich auf das Gewichtheben umgestiegen und ebenfalls beim KSV Pressbaum Vereinsmitglied geworden.

Roman Lehner: Mit 15 Jahren haben mich Freunde zum Bodybuilding überredet. Wir fuhren nach Wien in ein Fitness-Center. Es hat mir von Anfang an Spaß gemacht, und die ersten Erfolge stellten sich rasch ein. Bald suchte ich eine Trainingsmöglichkeit in der Nähe von Pressbaum. So kam ich zum Kraftsportverein Pressbaum (KSV). Die ersten Jahre versuchte ich mich im Kraftdreikampf. Die Stemmer-Kollegen habe ich in der Zeit beobachtet und ab und zu aus Spaß das Gewichtheben ausprobiert. Letztendlich hat mich eine Wette zum Gewichtheber gemacht. Einer der Kraftdreikämpfer und ehemaliger Gewichtheber hat mir ein Schnitzel versprochen, wenn ich es schaffe, 70 kg zu Reißen. Das konnte ich. Und weil es mir gelang, 90 kg zu stoßen, gewann ich noch eine Runde Bier für mich und zwei Freunde. 14 Tage später hatte ich meinen ersten Kampf als Gewichtheber.

Mit welchem Alter haben Sie mit dieser Sportart begonnen?
Storka: Mit 32 Jahren begann ich mit dem Gewichtheben. Eigentlich sehr spät für den Kraftsport. Die Muskelfasern, die man für den Schnellkraft-Sport braucht, sind beim Erwachsenen schwer nachzubilden, und man muss schon sehr konsequent und hartnäckig sein, um den Anschluss zu finden.

Lehner: Ich war 18 Jahre alt. Mein Sohn Bastian hat mit 13 Jahren begonnen. Wir brauchten unbedingt einen zusätzlichen Gewichtheber für die Mannschaft. Mir war das anfangs gar nicht recht. Ich wollte lieber, dass er weiter Fußball spielt. Aber er kam immer öfter zum Einsatz und ist Teil des Teams geworden.

Was macht die Faszination dieser Sportart aus?

Storka: Krafttraining ist wichtig für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Es sollte im Gesundheits- und Breitensport viel mehr Aufmerksamkeit bekommen und bereits im Kindesalter damit begonnen werden. Die Muskulatur führt unsere Bewegungen durch und ist verantwortlich für unsere Körperhaltung. Ich bin eine Verfechterin für Krafttraining schon ab dem Kindesalter. Dabei wird kein Gewicht, sondern nur die Aluminiumhantel eingesetzt. Es geht um die technische Ausführung und um den Reiz auf den Sehnen- und Knochenapparat. Krafttraining ist die beste Verletzungsprävention. Das wollen wir den Eltern näher bringen. Training mit Gewichten gibt es frühestens mit 13 Jahren.

Lehner: Mir hat der Bewegungsablauf, die Schnelligkeit und die dafür notwendige Technik irrsinnig gut gefallen. Der Kraftdreikampf war irgendwann zweitrangig und mir zu langweilig.

Bei welchem Verein sind Sie?
Storka: Ich habe beim KSV Pressbaum begonnen, bin aber bald zum Heeressportverein Langenlebarn (Bezirk Tulln) übergewechselt. Mit dem dortigen Trainer konnte ich viele Erfolge erringen.

Lehner: Ich war und bin immer noch beim KSV Pressbaum. Es gab auch Angebote von anderen Vereinen, die ich ausgeschlagen habe. Mein Berufsleben war und ist mir sehr wichtig. Ich arbeite bei der Wiener Berufsfeuerwehr und konnte dort auch wie ein Vollprofi trainieren.

Wie oft trainieren Sie?
Storka: Erwachsene trainieren drei- bis fünfmal in der Woche. Das kommt auf das Engagement und die Berufstätigkeit an. Ich persönlich trainiere viermal in der Woche Gewichtheben und zusätzlich eine Einheit mit einer anderen Sportart.

Lehner: Ich trainiere hauptsächlich im 24-Stunden Feuerwehrdienst. In der beschäftigungsfreien Zeit habe ich die Möglichkeit, in einer gut ausgestatteten Einrichtung der Feuerwehr zu trainieren. Meistens drei- bis viermal, und noch einmal im Verein.

Haben die Vereine Probleme beim Nachwuchs?
Storka: Dem HSV Langenlebarn ist Nachwuchsarbeit sehr wichtig und auch seine Stärke. Wir sind im Vergleich zum KSV mit 40 Jahren ein junger Verein. Daher haben wir eine ganz andere Historie. Bei uns trainieren auch viele Mädchen und Frauen. Bei der Landesmeisterschaft in Stockerau am 29. Februar sind diesmal von unserem Verein sechs Gewichtheberinnen und ein Gewichtheber angetreten.

Lehner: Ja, haben wir. Fitnesscenter und Crossfit bieten Kraftsportlern viele Trainingsmöglichkeiten. Die Wenigsten wollen nämlich einen „Vereinszwang“.

Was machen Sie dagegen?
Storka: Ich betreue seit zwei Jahren mit zwei Trainer-Kollegen ein Schulprojekt in Tulln. In der Sportmittelschule trainieren wir mit den Kindern und Jugendlichen im Rahmen des Unterrichts Kraftsport. Das ist ein Herzensprojekt von mir. Unser großes Vorbild ist Leopold Höller. Er ist das Urgestein bei der Nachwuchsarbeit im Gewichtheben, und er hat dieses Projekt ins Leben gerufen. Seit einem Jahr bin ich auch mit Roman gemeinsam an Schulen im Pressbaumer Raum unterwegs.

Lehner: Wir gehen in Schulen und stellen den Jugendlichen das Gewichtheben vor. Beim Ausprobieren sehe ich, wie viel Spaß die Schüler dabei haben. Es ist erstaunlich, wie viel man ihnen in einer Stunde beibringen kann.

Was bedeutet Ihr Einsatz im Sport für eure Familien?
Storka: Mein Mann Marcus hat vor zwei Jahren, nach einer verletzungsbedingten Pause, ebenfalls zum HSV Langenlebarn gewechselt. Es kommt natürlich vor, dass wir gemeinsam trainieren. Unsere Tochter Marlene ist acht Jahre alt und macht seit drei Jahren Kraftsport. Angepasst an ihr Alter selbstverständlich.

Lehner: Manchmal kommt es zu Terminkollisionen. Aber unterm Strich leben wir als Familie gut damit und werden auch immer unterstützt.

Wie und wo trainiert ihr in der Zeit der Ausgangsbeschränkung und Social Distancing?
Storka: Zuhause. Vor drei Jahren bauten wir einen Hebe-Raum. Der lag lange Zeit brach und wurde jetzt reaktiviert und zusätzlich mit temporären Leihgaben vom HSV Langenlebarn bestückt.

Lehner: Bastian und ich konnten uns dank des KSV Hanteln und Scheiben ausborgen. Wir trainieren jetzt zuhause im Keller. Es ist zwar ungewohnt und die Qualität leidet etwas, aber ich bin froh, dass wir diese Möglichkeit haben. Wegen der Schulschließung kommt Bastian mehr zum Trainieren, und ich bin sicher, er erreicht beim Heimtraining die nächste Bestleistung.