Walter Wegger: „Ich ging meinen Weg“. Walter Wegger erzählt über sein künstlerisches Schaffen.

Von Monika Närr. Erstellt am 15. Juli 2019 (07:21)

Walter Wegger ist renommierter Tiermaler, hingebungsvoller Vater und Tullnerbacher aus Leidenschaft. Er öffnete seinen wilden Garten auf der Lawies und gab der NÖN Einblicke in die Schatztruhe seines bunten Lebens.

NÖN: Als Sie sich bei Oswald Oberhuber an der Akademie der bildenden Künste bewarben, meinte dieser, sie hätten nichts mehr zu lernen. Wie kam er zu der Aussage?
Walter Wegger: Ich bin Autodidakt, ging meinen eigenen Weg, ohne Vorgaben. Ich hatte eine schwierige Kindheit, bin isoliert aufgewachsen. Zeichnen und Malen war mein Ausbruch, das hat mich immer wieder neu inspiriert. Mit 15 war ich dann auf dem Niveau eines Hochschulstudenten.

Sie haben viel von der Welt gesehen. Wie hat sie das beeinflusst?
Ich bin durch Asien, Afrika, Nord- und Südamerika gereist. In Los Angeles wollte ich Rockstar werden, in Kanada habe ich in einer Band gespielt, was ich übrigens auch heute noch als Hobby mache. Ich spiele Bass in der Band „Rusty Nails“. Die Welt hat sich mir geöffnet, danach konnte mein Geist seinen Schaffensdrang leben.

"Ich bin Autodidakt, ging meinen eigenen Weg, ohne Vorgaben."

Wie spiegelt sich das in ihren Werken wider?
Ich muss mich beim Malen nicht anstrengen, das kommt aus mir heraus, das kann ich. Egal ob ich Tierbilder schaffe, Bühnenbilder gestalte oder Instrumente bemale. Ich lebe seit 25 Jahren zur Gänze von der Malerei.

Sie haben in Wien, in der Otto-Bauergasse im 6. Bezirk, Atelier und Galerie. Wie sieht ihr Alltag aus?
Ich bin von Montag bis Freitag dort. Untertags kommen viele Stammkunden vorbei, aber auch immer wieder neue Laufkundschaft. Dann unterbreche ich meine Maltätigkeit auch gerne für einen Plausch und einen Kaffee.

Welche Auftragswerke gestalten Sie?
Häufig mache ich Wandmalereien für Schulen oder Geschäftslokale. Oft auch nach Themenvorgaben. Es macht Spaß, sich auf Leute einzustellen und ist eine gute Abwechslung, wenn man tagelang Tierhaare gemalt hat.

Gibt es Partner, mit denen Sie regelmäßig zusammenarbeiten?
Ich kooperiere immer wieder gerne mit Tierschutzorganisationen wie WWF, Vier Pfoten oder dem Schönbrunner Zoo sowie dem Zoologischen Institut. Ich lerne viel über die Natur, weil ich dauernd mit Biologen unterwegs bin und selbst viel beobachte. Mein malerischer Schwerpunkt sind Großkatzen.

"Ich lerne viel über die Natur, weil ich dauernd mit Biologen unterwegs bin und selbst viel beobachte"

Welche Hobbies haben Sie als hauptberuflich kreative Persönlichkeit?
Meine Band, mit der ich einmal im Monat auftrete. Als Hobby-Ornithologe genieße ich auch die Vogelpracht in meinem teil-verwunschenen Garten und meine eigenen weißen Tauben. Und ich liebe es, Scheunentore zu bemalen. Unser Haus habe ich nach Inspirationen aus dem Jemen gestaltet – mit rötlichem Verputz und weißen Ornamenten.

Was ist Ihnen für ihre Kinder besonders wichtig?
Meine Kinder sind 8, 12 und 16. Meiner Frau Ursula Labres und mir ist eine stressfreie Kindheit das Wichtigste. Allen soll Lernen Spaß machen. Daher gehen alle drei in alternative Mehrstufenklassen: Lilli in der Tullnerbacher Volkschule, Lukas im Purkersdorfer Gymnasium und Kiki besucht ein entsprechendes Gymnasium in Wien. Wir sprechen daheim auch englisch, da bekommen sie Übung und gleich einen Mehrwert für’s Leben.

Wie integrieren Sie sich selbst in Tullnerbach?
Von Anfang an nehme ich jährlich im Herbst am Wochenende „Kreatives Tullnerbach“ teil, heuer findet es am 11. und 12. Oktober im Gemeindezentrum statt. In der Volksschule habe ich Malkurse für Kinder gehalten oder Wandmalereien mit Schülern, Eltern und Lehrern gestaltet. Ich mag diese Verbindung von professionellem Zugang und freier Kreativität. Auch Bühnenbilder für`s Schultheater sind unter meiner Anleitung entstanden.

Warum sind Sie nach Tullnerbach gezogen?
Es ist der Höhepunkt meines Lebens, dass ich hier, an diesem Ort, leben darf. Seit zehn Jahren ist hier mein Lebensplatz. Wir kannten unseren Ort schon, als wir hierherzogen. Wir wohnten davor in Hadersdorf-Weidlingau und haben uns Tullnerbach damals erwandert. Und schon lange davon geträumt, einmal hier sesshaft zu werden.