Chris Norman: „Das mit Bohlen war nicht so mein Ding“. Weltstar Chris Norman spielt in Purkersdorf seine größten Hits und hat auch neue Songs im Gepäck.

Von Lisa-Maria Seidl. Erstellt am 25. Mai 2019 (03:24)
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Chris Norman kommt am 15. Juni nach Purkersdorf. Mit der NÖN sprach er vorab über seinen Auftritt.

Das Highlight des Purkersdorfer Open Air Sommers ist heuer das Konzert von Chris Norman, dem ehemaligen Sänger und Gitarristen der britischen Erfolgsband Smokie. Er wird am 16. Juni den Hauptplatz zum Beben bringen. Im Gepäck hat der 68-jährige Vollblutmusiker neben neuen Songs auch seine größten Hits der Vergangenheit.

NÖN: Was werden Sie beim Open Air Sommer zum Besten geben?
Chris Norman: Es wird eine Mischung aus zirka 50 Prozent Smokie-Songs und 50 Prozent Chris-Norman-Songs. Es kommt auch darauf an, was dem Publikum gefällt. Ich werde mit neueren Sachen beginnen, in der Mitte einen Acoustic-Teil einbauen und am Ende wird es rockig. Auf jeden Fall wird es eine rasante Show. Auch von meinem neuen Album „Don‘t knock the rock“ werden ein bis zwei Songs dabei sein.

Letztes Jahr ist Suzi Quatro in Purkersdorf aufgetreten. Ihr Duett mit ihr war damals ein Riesenerfolg. Werden Sie den Song spielen?
Ich wusste nicht, dass Suzi Quatro letztes Jahr hier gespielt hat, aber ja, ich werde „Stumblin‘ In“ auf jeden Fall spielen.

„Es ist immer ein Auf und Ab. Ich denke, so geht es jedem im Musikbusiness. Mit der Zeit lernt man aber, die Balance zu halten.“ Chris Norman

Können Sie sich an Ihren letzten Auftritt in Purkersdorf erinnern? Das war 2007.
Das ist schon so lange her und ich war in der Zwischenzeit an so vielen Orten... Ich war aber schon öfters in Österreich und Wien. Sehr gut erinnere ich mich noch an das Donauinselfest vor ein paar Jahren.

privat
Zuletzt war Chris Norman 2007 in Purkersdorf, wo Niki und Brigitte Neunteufel den Musiker in Empfang nahmen.

Woran arbeiten Sie im Moment gerade?
Ich bin derzeit auf Tour in Großbritannien und habe hier noch etliche Shows zu spielen bis 11. Juni. Dann habe ich einige Tage frei bevor ich nach Wien fliege. Zwischendurch schreibe ich Songs und nehme auf für zukünftige Projekte. Ich plane aber im Moment nichts Konkretes.

Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Musik?
Oh, das ist ganz unterschiedlich. Meistens setze ich mich mit der Gitarre hin und spiele einige Akkorde, bis ich eine Idee für eine Melodie habe, die mir gefällt. Das kommt oft aus dem Nichts. Dann beginne ich damit einige Worte dazu zu singen und entwickle daraus eine Geschichte. Jeder Song erzählt in irgendeiner Form eine Geschichte, ob es nun ein Liebeslied ist oder etwas anderes. Und wenn ich traurige Songs schreibe, dann muss das nicht unbedingt heißen, dass ich traurig war. Das entsteht einfach aus der Musik.

Ich habe 1968 begonnen, Musik zu machen. Seitdem gab es sehr viele Höhepunkte, aber auch viele Tiefpunkte

In Ihrer langen Zeit im Musikbusiness haben Sie sicher viele Höhepunkte und Tiefpunkte erlebt?
Ich habe 1968 begonnen, Musik zu machen. Seitdem gab es sehr viele Höhepunkte, aber auch viele Tiefpunkte. Zu Anfang war es sehr hart. Bis man den Durchbruch schafft, muss man viele Enttäuschungen einstecken. Dann, wenn der erste Erfolg kommt, ist man natürlich sehr glücklich. Nach einiger Zeit beginnt der Erfolg wieder ein wenig zu schwinden. Höhepunkte sind sicherlich, wenn eine Platte ein Nummer-1-Hit wird oder wenn man ein tolles Konzert gespielt hat. Es ist immer ein Auf und Ab. Ich denke, so geht es jedem im Musikbusiness. Mit der Zeit lernt man aber, die Balance zu halten. Ich finde es wichtig, ausgeglichen zu bleiben, so kann man auch mit Misserfolgen besser umgehen. Ich konzentriere mich auf meine Arbeit, und die ist schreiben, aufnehmen und performen. Grundsätzlich hatte ich aber sehr viel Glück, da ich mehr Höhepunkte hatte als Tiefpunkte.

Das Musikbusiness ist nicht vorhersagbar. Die meisten Menschen wünschen sich von ihrem Beruf Stabilität

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um in diesem Business zu bestehen?
Das Musikbusiness ist nicht vorhersagbar. Die meisten Menschen wünschen sich von ihrem Beruf Stabilität. Sie machen denselben Beruf ein Leben lang, haben geregelte Arbeits- und Urlaubszeiten. Als Musiker hat man keine Ahnung, was als Nächstes passieren wird. Man muss schon ein bestimmter Typ Mensch sein.

Können Sie sich vorstellen, etwas anderes als Musiker zu sein?
Nach der Schule habe ich viele Jobs gemacht, sogar elf verschiedene in zwei Jahren. Keiner davon hat mir gefallen. Ich glaube, es gibt nicht sehr viel anderes, was ich hätte tun wollen. Ich wäre sicher im Entertainment-Bereich gelandet, vielleicht auch im Theater, oder Künstler geworden. Sicher in einem Job, bei dem ich frei und kreativ sein kann.

Sie wurden also dazu geboren, Musiker zu sein?
Meine Eltern und Großeltern waren auch schon im Showbusiness. Vielleicht liegt es mir ja wirklich im Blut? (lacht)

Meine Eltern und Großeltern waren auch schon im Showbusiness. Vielleicht liegt es mir ja wirklich im Blut?

Hat sich Ihr Musikstil im Laufe der Jahre verändert?
Eigentlich nicht wirklich sehr viel. Ich habe mit Rock‘n‘Roll begonnen, ein großes Vorbild für mich war Elvis Presley, in den 60ern kamen dann die Beatles dazu. Das sind auch heute noch meine größten Einflüsse. Natürlich hatte ich unterschiedliche Phasen. In den 80ern habe ich einige Alben gemacht, die mehr dem Trend gefolgt sind. Das waren mehr kommerzielle Projekte. Heute mache ich nur mehr die Musik, die mir auch selbst gefällt. Und ja, technisch hat sich sicher einiges geändert.

In den 80ern hatten Sie mit „Midnight Lady“ eine Zusammenarbeit mit Dieter Bohlen?
Ja genau, das war 1986. Und einige Jahre später habe ich noch einmal etwas mit ihm gemacht. Aber das war auch das letzte Mal, das ich ihn gesehen habe. Das war nicht so ganz mein Ding.

Ich habe gelesen, dass Sie auch ein wenig Deutsch sprechen. Stimmt das?
Mehr oder weniger, ich kann mich in Geschäften und Restaurants mit ein paar Brocken verständigen, aber wenn jemand dann eine Gegenfrage stellt, ist man meistens ertappt (lacht). Auf der Bühne rede ich gerne ein bisschen Deutsch und sage zum Beispiel einmal einen Song auf Deutsch an. Aber richtig flüssig sprechen kann ich es nicht. Als ich 1975 das erste Mal in Deutschland war, konnte ich gerade einmal „Ja“, „Nein“ und „Danke“ sagen. Ich habe es mir so mit der Zeit angeeignet.