Ärztin brennt für Kerzen. Gerlinde Maria Gruber hat ein gefragtes Hobby, das großen Anklang finden.

Von Monika Närr. Erstellt am 16. Juni 2019 (02:41)
privat/Gruber
Gerlinde Maria Gruber beim Anfertigen ihrer sehr gefragten Kerzen, links eine Hochzeitskerze.

Sie leuchtet mit ihren Kerzen um die Wette. Gerlinde Maria Gruber hat eine besondere Strahlkraft, wie sie nur Menschen umgibt, die auch die Tränenseite des Lebens kennen. Mit Trauer ist die Fachärztin für Anatomie in ihrer Arbeit naturgemäß umgeben. Aber auch mit viel Freude, die sie beruflich vor allem mit ihren interessierten Studenten erlebt, die sie am Seziertisch der Medizinischen Universität Wien mit viel Verve unterrichtet.

Mit dem Skalpell ist die Pressbaumerin so vertraut, dass sie auch in ihrer Freizeit zum Schnitzmesser greift. Hier lebt sie ihre künstlerisch-kreative Leichtigkeit zumeist für freudige Anlässe aus. „Seit 2012 habe ich alle Osterkerzen für die Pfarre Pressbaum anfertigen dürfen. Kleinere Exemplare verziere ich nach individuellen Wünschen für Taufen, Erstkommunion, Hochzeiten und manchmal auch für Trauerfeiern“, so die Mutter von vier Kindern zwischen vier und 21 Jahren.

Hobby entflammte bei der Bastelecke

Sie entdeckte dieses Hobby vor mehr als 20 Jahren aus Verlegenheit. Da sie keine passende Taufkerze für ihren Sohn Dominik fand, ging sie schnurstracks in die Bastelecke des Pressbaumer Allround-Kaufhauses Rudroff. Und fand Wachs, Kerzen und Bücher mit Anleitungen. Danach wollten auch ihre Freundinnen Kerzen-Unikate und weil es ihrer kreativen Ader entgegenkam, entwickelte sich daraus ein erfüllendes Hobby.

„Derzeit kann ich mich neben meinem Beruf in Forschung und Lehre und meinem Familienleben kaum vor Aufträgen retten“, freut sie sich gleichermaßen wie sie es bedauert, nicht allen Anfragen nachkommen zu können. In den letzten eineinhalb Jahren hat sie auch einen neuen Trend festgestellt: „Mittlerweile wollen auch Paten Erinnerungskerzen und so kommt es immer öfter vor, dass ich für Taufen zwei bis drei Kerzen anfertige“, erklärt Gruber. Zwischen Mai und August gestaltet sie vor allem Hochzeitskerzen, auch hier werden seit fünf Jahren mehrere Exemplare nachgefragt. Und auch Lebenskerzen werden wiederentdeckt, wie sie früher vor allem bis zur Volljährigkeit üblich waren.

Eine Frau mit vielen Begabungen

Nach ihrer Ausbildung zur Kindergärtnerin im Sacre Coeur studierte Gruber erst Biologie mit Schwerpunkt Anthropologie, Humanmedizin schloss das Energiebündel erst als zweites Studium ab. Eigentlich wollte sie ursprünglich Gitarre am Konservatorium absolvieren und bereitete sich bereits auf die Aufnahmeprüfungen vor. Die musische Ader ist es wohl auch, die ihr einen raschen Zugang zu ihren Kunden ermöglicht: „In Vorgesprächen versuche ich herauszufinden, was sich mein Gegenüber wünscht. Dabei bekomme ich recht schnell eine Vorstellung von der passenden Umsetzung. Im Durchschnitt arbeite ich vier bis fünf Stunden an einer Kerze, aufwendige Exemplare beanspruchen mich aber bis zu 13 Stunden“, so die lebensfrohe Künstlerin, die in ihrer Freizeit auch noch als Hobbyfotografin tätig ist. Vor allem liebt sie es, Pflanzen im richtigen Licht abzubilden und diesen als Biologin auch die lateinischen Ausdrücke zuzuordnen.