Analoges & Digitales: Fotografie-Künstler im Interview. Robert Zahornicky fotografiert nicht nur schöne Sachen. Es geht ihm um Inhalt und Aussage.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 08. November 2019 (11:13)
Nadja Büchler

Robert Zahornicky ist freischaffender Künstler. Nach seiner vierjährigen Lehre als Schriftsetzer im Pressehaus (Kronenzeitung, Express und die Presse) war er fast 20 Jahre in diversen Druckereien tätig. Anfang der 80er-Jahre hat seine künstlerische Laufbahn begonnen.

Zeitgleich ging es mit dem Berufsstand der Schriftsetzer bergab und die Kunst gewann die Oberhand. Sein Zuhause in Pressbaum ist Mischung aus Arbeitsstätte, Archiv, Erholungsort und Familienglück. Seine Frau Kati und Sohn Tristan sind nicht nur Unterstützer seiner Kunst, sondern auch in seinen Arbeiten zu finden.

NÖN: Wie kamen Sie zur Fotografie?
Robert Zahornicky: Über einen Freund. Wir waren gemeinsam auf Santorin, und dort ist der Funke übergesprungen. Durch befreundete Künstler war ich bereits damals in Künstlerkreisen unterwegs. Dort habe ich viele Fotografen und Künstler kennengelernt.

Zahornickys Fotoserie „Wildnis“ zeigt wild wachsende Pflanzen in verschiedenen Realitätsebenen.
Nadja Büchler

Wie haben Sie das Handwerk Fotografie erlernt?
Zahornicky: Learning by doing, mithilfe vieler Freunde und auch Mitarbeitern von Fotofachgeschäften. Und bei verschiedenen Symposien über Fotografie im Forum Stadtpark in Graz. Von Johannes Faber habe ich viel erfahren. Er hat „Unorte“ an der Wiener Außengrenze fotografiert und betreibt seit vielen Jahren eine Fotogalerie in Wien. Und ganz wichtig ist das eigene Experimentieren. Gerade in der Analogfotografie muss man viel ausprobieren.
Ich habe viele Jahre Ausstellungen von Kunstbetrieben und Künstlern fotografiert. Zum Beispiel für Alfred Hrdlicka oder das Arnulf Rainer Museum.

Sie fotografieren analog und digital. Wovon hängt die Entscheidung ab, für welche Variante Sie sich entscheiden?
Zahornicky: Das digitale Fotografieren geht viel schneller und ist kostengünstiger. Statt einer Dunkelkammer verwendet man Bildbearbeitungsprogramme – die finde ich persönlich nicht so spannend wie die Arbeit mit Entwickler und Fixierer. Ich arbeite sehr gerne daheim in der Dunkelkammer und höre dabei laut Musik mit dem Kassettenrecorder. Bei der analogen Fotografie muss im Vorfeld viel mehr überlegt und entschieden werden. Es ist ein langsameres Arbeiten. Es ist nicht nur eine Zeitfrage, sondern vor allem eine Kostenfrage. Das Material ist nicht billig.

Sie sind Mitglied von einigen Interessensgemeinschaften für bildende Kunst, wie zum Beispiel dem „Künstlerhaus Wien“ oder der „Münchner Secession“. Gibt es in Niederösterreich auch eine künstlerische Plattform für Fotografie?
Zahornicky: Vor 30 Jahren entstand die Idee zur Gründung eines Vereins zur Förderung der Fotografie. Im Dezember 1989 wurde der Verein „FLUSS – NÖ Initiative für Foto- und Medienkunst“ gegründet. Seit 1991 befindet sich der Vereinssitz im Schloss Wolkersdorf. FLUSS präsentiert, erforscht und hinterfragt die Bedeutung der künstlerischen Fotografie. Seit einigen Jahren auch unter Einbeziehung der Neuen Medien. Es gibt Workshops, Ausstellungen, Kooperationsprojekte mit europäischen Partnerorganisationen und die jährlich stattfindenden Weinviertler Fotowochen im Schloss Wolkersdorf. 2008 wurde FLUSS mit dem „Anerkennungspreis des Landes Niederösterreich – Präsentation und Vermittlung zeitgenössischer bildender Kunst (Non-Profit-Galerien)“ ausgezeichnet.

Sie haben im Oktober ihr neues Buch „Polaroid Poems“ herausgebracht. Erzählen Sie uns etwas darüber.
Zahornicky: Das Buch wurde bei der Frankfurter Buchmesse präsentiert. Zu sehen sind „Polaroid Fotogramme“ aus einer vierteiligen Serie. Sie stammen aus den Jahren 1988, 1996, 2008 und 2019. Abgebildet sind Blüten, Wiesenblumen und Gräser. Die Objekte werden im Dunkeln arrangiert, und durch die kurze Belichtung wird das Motiv auf das Sofortbild belichtet. Wie man es von den alten Polaroidkameras kennt, wird das Bild erst nach einem mehrminütigen Entwicklungsprozess sichtbar. Die Bilder aus dem Jahr 1988 habe ich mit einem Polaroid SX-70 Film gemacht, 1996 mit dem Trennbildfilm Fuji FP-100C. Bei den Bilder von 2008 wurden die Objekte während der Belichtung bewegt – dadurch sind helle und dunkle Schatten entstanden. 2019 habe ich den neuen Polaroid SX-70 Film verwendet.

Gibt es weitere Bücher von Ihnen?
Zahornicky: In Zusammenarbeit mit dem in Pressbaum lebenden Kunstwissenschaftler, Kurator und Autor Hartwig Knack wurde 2017 das Buch „Art this way“ herausgebracht. Es gibt einen Überblick meiner Arbeiten aus mehreren Jahrzehnten.

In diesem Buch habe ich gelesen, dass Sie von Manfred Willmann, dem Herausgeber der Zeitschrift „Camera Austria“, schriftlich zu „mehr Ernsthaftigkeit beim Fotos Machen“ ermahnt wurden.
Zahornicky: Das stimmt. Er kam wohl mit meinem Humor nicht klar. Ich fotografiere nicht nur die schönen Dinge des Lebens. Mich interessiert auch das Hässliche, Unangenehme, die Schattenseiten des Lebens. Ich betrachte meine Objekte gerne in einem zeitlichen Verlauf und manche verwende ich auch in späteren Arbeiten wieder. Menschen dagegen fotografiere ich nicht so gerne.

Die Präsentation Ihres Buches in Wien findet noch statt. Wo und wann?
Zahornicky: Am 14. November in der Galerie Jünger, Paniglgasse 17A im vierten Bezirk. Start ist um 19 Uhr.