Geschlossen gegen Großprojekt rund um das Haus Bartberg. Trotz hitzigen Themas und und starker Emotionen, bewahrten Diskutanten kühle Köpfe.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 19. Juni 2019 (04:07)
NOEN
Thomas Tweraser, Elisabeth Szerencsics, Irene Wallner-Hofhansl, Irene Heise, Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner, Sprecher des Anrainer-Kernteams Daniel Fasch, Gabriela Radinger und Werner Panhauser (v. l.) beim Bürgerstammtisch.

Das geplante Projekt rund um das Haus Bartberg schlägt weiterhin hohe Wellen. Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner und sein Team luden anlässlich der vielen Reaktionen und der schriftlichen Stellungnahme engagierter Anrainer zu einem „Bürgerstammtisch spezial“ ins Gasthaus Brentenmais ein.

Der Andrang war groß, und einige Besucher mussten sogar mit Stehplätzen vorliebnehmen oder sogar im Gastgarten ausharren. Die Hitze war enorm, dennoch hielten alle ihre erhitzten Gemüter im Zaum, und es entstand eine informative Diskussion.

Enormer Andrang bei Bürgerstammtisch

Einerseits war es Schmidl-Haberleitner, andererseits dem Sprecher des Kernteams der Anrainer Bartberg, Daniel Fasch, zu verdanken, dass durch die sachliche Berichterstattung und dem respektvollen Umgangston eine emotionale Aufladung gar nicht erst nötig war. Bürgermeister Schmidl-Haberleitner brachte Informationen zu den gewünschten Änderungen der Raumordnung am Bartberg mit.

Es geht dabei um ein Privatgrundstück und zwei angrenzende Grundstücke der Bundesforste. Besagtes Privatgrundstück und das 470 m² große Grundstück der Österreichischen Bundesforste weisen eine Flächenwidmung für Bauland Sondergebiet „Fremdenverkehr“ auf.

Josef Schmidl-Haberleitner erläutert: „Der Eigentümer der Liegenschaft wollte vor einiger Zeit auf seinem Grundstück ein Projekt im Rahmen ,Betreutes Wohnen’ umsetzen. Der Vorschlag dieser Nutzung kam seitens des Landes. Allerdings hat das Land diese Idee dann doch nicht bewilligt.“ Deshalb habe sich der Eigentümer um eine andere Nutzung seines Grundstückes umgesehen.

„Wir sind froh, dass die Politik geschlossen hinter den Anrainern und der Umwelt steht und sich über die Parteigrenzen hinweg klar gegen dieses Projekt ausgesprochen hat.“ Daniel Fasch, Sprecher des Kernteams der Anrainer

„Wir werden bei der nächsten Gemeinderatssitzung (fand am Montag, 17. Juni, nach Redaktionsschluss der NÖN statt; Anm. der Redaktion) einen Dringlichkeitsantrag einbringen, um diesem Bauprojekt im Sinne der Anrainer entgegenzuwirken“, versprach Schmidl-Haberleitner. Die anwesenden Vertreter aller Parteien im Gemeinderat bestätigten die Unterstützung dieser Vorgehensweise.

„Es ist uns aber wichtig, eine gute Lösung für alle Beteiligten zu finden“, sagt Schmidl-Haberleitner und hofft auf weitere konstruktive Gespräche mit allen Betroffenen.

„Es ist uns aber wichtig, eine gute Lösung für alle Beteiligten zu finden“

Daniel Fasch, Gabriela Radinger und Werner Panhauser bilden das Kernteam der besorgten Anrainer am Bartberg. Sie haben bereits Gespräche mit Schmidl-Haberleitner, Vize-Bürgermeister Alfred Gruber, Umweltgemeinderat Fritz Brandstetter, dem jetzigen Grundstücksbesitzer geführt.

In einer schriftlichen Stellungnahme an die Gemeinde haben die Anrainer ihre Wünsche und Sorgen dargelegt. Diese entstanden mitunter, nach Gesprächen mit potenziellen Käufern, die grob darlegten, was sie auf dem neu geschaffenen Grundstück errichten wollten. Darunter wären Lärmbelästigung wegen damit verbundener Veranstaltungen, eine dann nicht ausreichende Infrastruktur wie Kanal, Wasserdruck oder Verkehr sowie ein erhöhtes Verkehrsaufkommen.

„Der Bürgerstammtisch hat gezeigt, wie groß und berechtigt die Sorgen der Anrainer am Bartberg sind. Wir sind froh, dass die Politik geschlossen hinter den Anrainern und der Umwelt steht und sich über die Parteigrenzen hinweg klar gegen dieses Projekt ausgesprochen hat“, zeigt sich Fasch erleichtert.

„Der Bürgerstammtisch hat gezeigt, wie groß und berechtigt die Sorgen der Anrainer am Bartberg sind"

Die NÖN hat auch bei den Bundesforsten nachgefragt und sich über den aktuellen Stand der Dinge erkundigt. Pressesprecherin Pia Buchner erläutert: „Es gibt für die 470 m² große Fläche mit der Widmung Bauland Sondergebiet ,Fremdenverkehr’ einen Vertrag mit dem Projektbetreiber. Dieser ist zeitlich befristet und wurde auf zwei Jahre abgeschlossen. Der Vertrag gilt bis Sommer 2021. Darüber hinaus gibt es aktuell keine weiteren Verträge mit den Projektbetreibern.“

Grund für die zweijährige Verpachtung, so Buchner, ist der notwendige Stellplatznachweis der Projektbetreiber für die Dauer der Sanierung des Altbestandes auf dem Privatgrundstück. Ein Rodungsbescheid für diese Fläche wurde bereits von der Bezirkshauptmannschaft genehmigt.

„Wir weisen darauf hin, dass in diesem Bereich Bäume vom Borkenkäferbefall betroffen sind und, unabhängig von diesem Projekt, zumindest eine Rodung der befallenen Bäume unerlässlich ist“, sagt die Pressesprecherin.

Der Wunsch, seitens der Projektbetreiber, eine im Besitz der Bundesforste rund 5.000 m² große Fläche von Wald auf Erholungswald umzuwidmen, stehe als Idee im Raum. „Ob diese Fläche von den Österreichischen Bundesforsten zur Verfügung gestellt wird, ist von der weiteren Projektentwicklung und dem öffentlichen Interesse abhängig“, erklärt Buchner.