Spezialisten auf vier Pfoten. Die Spezialisten auf vier Pfoten sind die Leidenschaft von Ulrike Kellner.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 23. Oktober 2019 (03:32)
Nadja Büchler

Ulrike Kellner hat vier Hunde. Zwei davon sind Bluthunde (englisch „Bloodhound“). Die Herkunft des Namens ist nicht ganz geklärt. Der wahrscheinlichste Ursprung liegt in der Jagd. Diese Hunde haben die Fähigkeit, die Blutspur von verletztem Wild zu verfolgen – die sogenannte „Schweißspur“. Dem Bluthund wird nachgesagt, die beste Hundenase weltweit zu haben. Auch unter ungünstigen Bedingungen kann er oft noch eine Tage alte Spur aufnehmen und verfolgen.

NÖN: Sie sind mit Hunden aufgewachsen und haben in ihrem Leben selbst schon viele Hunde an ihrer Seite gehabt. Woher kam das Interesse mit Ihnen zu arbeiten und Ihre Freizeit in den Dienst der Personensuche zu stellen?
Ulrike Kellner: Den ersten Hunde-Kontakt hatte ich daheim. Mein Vater hatte einen Jagdhund. Mich hat die Jagd aber nicht interessiert. In der Volksschule hatte ich eine Schulkollegin, deren Vater einen Lawinensuchhund besaß. Das Thema hat mich fasziniert, und ich durfte mit zu einem Training kommen – da war ich acht oder neun Jahre alt. Ich wusste sofort, in die Richtung möchte ich auch einmal etwas machen.

Sie haben viel Zeit in Ausbildungen investiert um auf dem heutigen Niveau arbeiten zu können. Was haben Sie alles gemacht?
Ich war natürlich mit meinem ersten eigenen Hund, einem Jagdhund, in der Hundeschule und habe dort auch die Ausbildung zum Kursleiter gemacht. In der Hundeschule habe ich Kontakt zum Verein der ÖGV Rettungshunde bekommen und auch in deren Arbeit hineingeschnuppert. Die Prüfung hat nicht ganz geklappt. Mein damaliger Hund hat sich zu sehr ablenken lassen. Ein Jahr später, das war 2007, habe ich vom Mantrailing gehört und mich im Internet darüber informiert.

Auf der Suche nach einer Ausbildung in diesem Bereich wurde ich in Oberösterreich fündig. Dort habe ich ein Seminar bei Jürgen Konrad gemacht. Er ist ein langjähriger Polizeihundeführer und Mantrailing-Ausbildner aus Deutschland. Das war mein Einstieg in meine heutige ehrenamtliche Tätigkeit. Danach folgte eine dreijährige Ausbildung bei Kevin Kocher.

Es gibt verschiedene Ansätze bei den Ausbildungen. Was macht die Methode von Kevin Kocher aus?
Seine Ausbildung funktioniert über positive Motivation und Nutzung der natürlichen Instinkte. In den USA hat sich diese Arbeitsweise durchgesetzt und viele Ausbildungsmethoden basieren mittlerweile auf seinen Erfahrungen.

Uns ist der Begriff Fährtenhund geläufig. Was ist der Unterschied zu einem Mantrailer?
Dem Fährtenhund wird beigebracht, Bodenverletzungen auszuarbeiten. Das funktioniert im Gelände gut. In der Stadt oder in Gebäuden aber nicht. Den Mantrailer kann ich auch in diesen Bereichen einsetzen. Jeder Mensch hat einen Individualgeruch. Mit diesem wird beim Mantrailing gearbeitet. Mithilfe eines Gegenstandes, der mit dem Geruch der gesuchten Person behaftet ist, kann der Hund die richtige Geruchsspur aufnehmen und von den anderen Gerüchen unterscheiden.

Was für eine Rolle spielt der Mensch am anderen Ende der Leine?
Der ist auch sehr wichtig. Die Einheit Hund und Mensch funktioniert nur als gut eingespieltes Team. Der Hundeführer muss in der Lage sein, die Zeichen seines Hundes zu verstehen. Das wird in vielen Trainingssituationen geübt. Daher kann ein Hund auch nicht an einen anderen Hundeführer für eine Personensuche verliehen werden.

Sie haben nicht von Anfang mit Bluthunden Ihre Ausbildungen und Trainingseinheiten gemacht. Wie sind Sie zu den Bluthunden gekommen?
Ich habe die Personensucharbeit mit meinem Hovawart begonnen und 2011 eine Instruktorenausbildung bei Jörg Weiß gemacht. Er ist ein ehemaliger Polizeihauptmeister und gibt Seminare in einigen europäischen Ländern. Mit meinem Hovawart hat das nicht so gut geklappt. Jörg Weiß wollte dann wissen, ob ich nicht einen anderen Hund hätte. Über eine Zucht in Deutschland bin ich dann zu meinem ersten Bluthund gekommen. Nach einigen Jahren habe ich mir noch einen zweiten Bluthund genommen.

Wie ist das Training mit den Bluthunden weitergegangen?
Ein großer Wunsch von mir war, bei der NBAS (National Bloodhound Association of Switzerland) weitere Erfahrungen und Ausbildungen machen zu können. Mit meinem damaligen Wissensstand und meinem Bluthund habe ich den Mut gefunden, mich dort als Mitglied zu bewerben. Das ist mir gelungen. In weiterer Folge konnte ich drei weitere Prüfungen ablegen, und ich mache dort auch die jährlichen Einsatzüberprüfungen. Diese dienen zur Qualitätssicherung bei Einsätzen.

Sie haben heuer im Frühling den Verein „Suchhund“ gegründet. Was ist seitdem passiert?
Wir sind ein kleiner Verein, bestehend aus fünf Personen. Das sind vier Hundeführer mit insgesamt fünf Hunden und einem Helfer. Wir sind ein unabhängiger, gemeinnütziger Verein, der auf die Suche nach vermissten Personen spezialisiert ist. Wir arbeiten für Privatpersonen und können auch von Institutionen angefordert werden.

Neben den Einsätzen kümmern wir uns um die interne Ausbildung der Suchhunde und der Hundeführer. Die externen Ausbildungen werden ebenfalls bei der NBAS absolviert. Qualität ist uns sehr wichtig. Wir bieten unsere Dienste in Niederösterreich und Wien an. Mittlerweile kennt man uns und unser Angebot.

Was ist die Aufgabe eines Helfers?
Der Helfer betreut während eines Einsatzes das Team. Ein Bluthund kann bis zu 15 km laufen, ohne müde zu werden. Er trinkt allerdings sehr viel. Der Helfer hat daher immer zwei bis drei Liter Wasser für den Spürhund im Gepäck dabei.