130 Jahre SPÖ: „SPÖ muss linke Volkspartei sein“. Kürzlich feierte die Sozialdemokratie ihr Jubiläum. Die Partei hat schon bessere Zeiten erlebt. Wie sieht die Basis die Zukunft?

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 16. Januar 2019 (03:39)
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Karl Schlögl sieht die Partei nun auf einem guten Weg. Michael Häupl ist Ehrenbürger Purkersdorfs und steht voll hinter der neuen Parteichefin.

„Der Arbeit die Ehr; Dem Manne die Wehr; Dem Sänger die Lust; So tön’s aus freier Brust“ steht auf der Vereinsfahne des 1907 gegründeten Arbeitersängerbundes geschrieben, die heutzutage noch im Purkersdorfer Stadtmuseum zu besichtigen ist. Der Gesangsverein ist nur ein Beispiel für die vielen Vereine, die um diese Zeit in der Region Purkersdorf gegründet wurden. Naturfreunde und Kinderfreunde sind weitere Beispiele. 18 Jahre davor wurde die heutige SPÖ gegründet. Doch was blieb von alldem übrig und wie schätzen ehemalige Spitzenpolitiker der SPÖ die Situation der Partei ein? Die NÖN fragte nach.

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Karl Schlögl sieht die Partei nun auf einem guten Weg.

Eines haben Michael Häupl und Karl Schlögl seit Kurzem gemein, sie sind ehemalige SPÖ-Bürgermeister. Doch das ist nicht das Einzige, das die beiden verbindet. Bereits in der frühen Studienzeit gehörten sie dem VSSTÖ (Verband sozialistischer Studenten Österreichs) an und waren fasziniert von Bruno Kreisky, der die Partei einst zu einer Blütezeit führte. „Der war für uns junge Sozialisten eine extrem prägende Persönlichkeit, über die wir auch den Zugang zur Ideologie der Sozialdemokratie gefunden haben“, sagt Häupl und hebt auch die alleinige Regierungsverantwortung der SPÖ in dieser Zeit als Höhepunkt hervor. Dem stimmt auch Karl Schlögl zu: „Positiv war die Erreichung des allgemeinen und freien Wahlrechtes auch für Frauen und nach 1945 der Wiederaufbau Österreichs in Kooperation mit der ÖVP.“

Derzeit durchläuft die SPÖ aber schwere Zeiten, die Wahlergebnisse der letzten Nationalratswahlen sind alles andere als prickelnd. „Es stand bei der letzten Wahl jemand an der Spitze, der selbstverliebt und arrogant war. Er nahm keine Rücksicht auf die Partei und auf die Bedürfnisse der Menschen“, übt Schlögl harte Kritik an Christian Kern.

Wie soll eine Trendumkehr eingeläutet werden? – „Die SPÖ wird dann eine Zukunft haben, wenn die sich ihrer Ideologie und ihres historischen Auftrages besinnt. Der lautet aufzutreten für die sozial Schwächeren in der Gesellschaft und für soziale Gerechtigkeit“, sieht hier Häupl die große Chance für die SPÖ. „Wenn man ein Mimikry macht (eine kleinere Version von etwas, Anmerkung der Redaktion) und glaubt, man sei der kreativere Konservative, dann geht das schief“, so Häupl. Schlögl geht weiter ins Detail: „Man muss versuchen die Themen, die die Menschen bewegen zu eruieren und entsprechende Initiativen setzen. Projekte wie Wohn- und Schulausbau angehen und die Probleme alleinerziehender Eltern aufgreifen. Die SPÖ muss versuchen, eine linke Volkspartei zu sein.“

Auch bei über die Qualitäten der neuen SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner sind sich beide Ex-Stadtchefs einig. „Ich kann das reinen Herzens sagen, weil ich wirklich von ihr überzeugt bin. Sie ist eine sehr gute Wahl.“

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