E-Learning und Videos statt Schule im Jahr 2020. Ein ungewöhnliches Schuljahr ist zu Ende. Die NÖN fragte Direktoren, Lehrer, Schüler und Eltern, wie es ihnen ergangen ist.

Von Melanie Baumgartner und Birgit Kindler. Erstellt am 08. Juli 2020 (04:59)
Die Euphorie bei den Schülern der VS Purkersdorf nach der Zeugnisübergabe war groß.
Melanie Baumgartner (2)

Das Schuljahr 2020 wird vermutlich vielen in Erinnerung bleiben. Vor allem die vergangenen Wochen waren von E-Learning, Homeschooling und ungewöhnlichen Schulzeiten geprägt. Während des Lockdowns setzten die Lehrer überwiegend auf Videotelefonie.

Mauerbach: Schachteln vor die Schule gestellt

Manuela Dundler-Strasser, die ab nächstem Schuljahr Leiterin der Volksschule Purkersdorf ist, hat mit ihren Schülern etwa virtuelle Stadtrundgänge gemacht. „Ich habe den Schülern über Videotelefonie über die Städte erzählt. Um auch Bilder zu haben, habe ich ihnen parallel dazu Fotos von den Städten geschickt“, erzählt Dundler-Strasser.

Falls der Schichtbetrieb auch im September weitergeführt werden soll, wird die VS Purkersdorf auf ein anderes System setzen, nämlich: ein Tag Schule, ein Tag frei. Das Ziel ist es, den Lernfluss der Kinder so wenig wie möglich zu unterbrechen.

Die Schüler der 4D der Volksschule Purkersdorf mit ihren Zeugnissen.
NOEN

Auch in der Kaiser Franz Josef Jubiläumsvolksschule Mauerbach würde man, wenn es im nächsten Schuljahr wieder einen Schichtbetrieb geben sollte, auf ein anderes System setzen.

Genauso wie in Purkersdorf ist man mit der neuen Situation in Mauerbach aber gut zurechtgekommen. „Wir haben Schachteln vor die Schule gestellt, wo die Eltern und Schüler die Möglichkeit hatten, Dinge, wie etwa korrigierte Hefte, hineinzulegen aber auch abzuholen. Sonst ist eigentlich sehr viel online gelaufen“, sagt Direktorin Maria Grafendorfer.

So haben die Lehrer für ihre Schüler etwa Lernvideos gedreht, um auch schwierige Inhalte möglichst einfach näher zu bringen. Außerdem wurden für die Kinder Wochenpläne erstellt.

„So war aus schulischer Sicht gesehen jeder Tag strukturiert und eingeteilt. Eine eigene Einteilung hätten die Kleinen vermutlich nicht geschafft. Das war aber auch für die Eltern eine große Erleichterung“, sagt die Direktorin der VS Mauerbach.

NOEN

Eine besondere Herausforderung war die Schließung für die Schüler und Lehrer der Allgemeinen Sonderschule Purkersdorf, kurz ASO. Der Unterricht basiert unter anderem etwa auf persönlichem Kontakt, wie Matthias Hesse, Direktor der ASO, erzählt.

„Kontinuität und Regelmäßigkeit, sowie klare Strukturen, Stabilität und zeitlich intensive Betreuung sind Gelingensbedingungen für unseren Unterricht. Das E-Learning hat uns daher vor die Aufgabe gestellt, für jedes einzelne Kind individuell zu überlegen, in welcher Form wir zuhause unterstützen können. Das reichte von dem Einsatz bereits bekannter Lernplattformen und Videokonferenzen bis hin zur Verwendung und persönlichen Auslieferung von Arbeitsmappen und Lernmaterialien.“

„Psychosozialen Folgen nicht unterschätzen“

Auch den Eltern hat die Situation viel abverlangt. Trotzdem ist es wichtig, für die Kinder Ruhe und Zuversicht auszustrahlen. „Ich glaube, die psychosozialen Auswirkungen werden wir zeitverzögert spüren und sollten nicht unterschätzt werden. Sie können manchmal eine ebenso reale Bedrohung sein wie die rein physischen Auswirkungen und die gesundheitlichen Konsequenzen einer Infektion“, meint Hesse.

Aus Elternsicht war die Doppelbelastung mit Home-Office und Homeschooling herausfordernd, weiß Andreas Steinbichler vom Elternverein der Volksschule Purkersdorf. „Als Abenteuer haben die Kinder am Anfang die Situation gesehen – bis sie realisiert haben, dass sie ihre Freunde nicht treffen können“, sagt Steinbichler.

Das Homeschooling sei von Klasse zu Klasse unterschiedlich abgelaufen. „Einige Lehrkräfte haben täglich Videos für die Schüler gestaltet, andere den Arbeitsauftrag für eine Woche verteilt“, so Steinbichler. Es sei aber nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt worden. Er befürchtet, dass das nächste Schuljahr so beginnen könnte, wie das letzte aufgehört hat. „Man wird sehen, was über die Sommermonate passiert. Wir können nur hoffen, dass der Schulbetrieb im Herbst normal weitergeht“, so Steinbichler.

„Uns ist zugute gekommen, dass wir ein großes Haus haben. Für jede Klasse gab es einen eigenen Gang.“Thomas Pölzl, Direktor der Mittelschule Pressbaum

Unaufgeregt abgelaufen sind das Homeschooling und der Schichtbetrieb an der Mittelschule Pressbaum. „Uns ist zugute gekommen, dass wir ein großes Haus haben. Für jede Klasse gab es einen eigenen Gang“, berichtet Direktor Thomas Pölzl. Die fünf Klassen wurden aufgeteilt, die größte Gruppe hatte elf Schüler.

Mehr oder weniger fleißig hätten die Jugendlichen gelernt. „Wie auch im normalen Schulunterricht“, sagt Pölzl. Die Eltern seien regelmäßig per Mail über den Stand der Dinge informiert worden. Wie es nach den Sommerferien weitergeht, weiß Pölzl noch nicht: „Momentan wird aber alles ‚normal‘ geplant.“

Was er aus der Coronakrise mitgenommen hat ist, dass die Lehrkräfte mit entsprechender Ausrüstung versorgt werden sollten. „Wenn alle einheitliche Laptops haben, dann können die auch einheitlich konfiguriert werden. Das erleichtert die Arbeit. Hinzu kommt der finanzielle Aspekt“, so Pölzl.

Umfrage beendet

  • Schulstart im Herbst: Haltet ihr einen Normalbetrieb für realistisch?