Herbstferien: Atempause oder Ablenkung?. Eltern und Pädagogen sehen Neuerungen kritisch. Organisation der Betreuung ist größtes Fragezeichen.

Von Lisa-Maria Seidl. Erstellt am 14. Februar 2019 (04:56)
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Einheitliche Herbstferien in allen Schulen sollen die Organisation der Ferienbetreuung für Eltern erleichtern. Viele sind davon aber nicht begeistert.

Die Herbstferien sollen vor allem eines sein, eine Erleichterung für die Eltern, die dann Betreuung und Urlaube besser planen können. Immer wieder wurde über sie diskutiert. Nun scheint ein Ende der Debatte gekommen zu sein. Bundeskanzler Sebastian Kurz bestätigte kürzlich die Einführung von bundesweit einheitlichen Herbstferien von 26. Oktober bis 2. November. Dafür entfallen die schulautonomen Tage. Diese Regelung gefällt aber nicht allen.

Auch als es noch die Möglichkeit gab, schulautonome Tage zu Herbstferien zusammenzufassen, ist an der Purkersdorfer Schöffelschule die Entscheidung immer gegen Herbstferien gefallen. „Aus pädagogischen Gründen“, erklärt Direktorin Margarethe Koncki-Polt . Diskussion zu diesem Thema hätte es zwar gegeben, der Tenor aber war, dass eine Atempause durch einige Feiertage im Herbst genug ist. „Die Zeit von September bis Dezember sollte möglichst kontinuierlich verlaufen, da diese die intensivste Zeit zum Lernen darstellt“, erklärt Koncki-Polt. „Eine längere Unterbrechung nur zwei Monate nach Schulbeginn ist geradezu widersinnig – noch dazu in der kalten Jahreszeit Ende Oktober, Anfang November.“ Sinnvoller sei es, die Fenstertage im Mai und Juni generell für schulfrei zu erklären, denn diese würden die Schulzeit ohnedies immer unterbrechen. „Berufstätige Eltern nützen diese Feiertage gerne für Kurzurlaub. Damit wäre allen gedient“, so die Direktorin.

„Eine längere Unterbrechung nur zwei Monate nach Schul- beginn ist geradezu widersinnig, noch dazu in der kalten Jahreszeit.“ Margarethe Koncki-PoltDirektorin der Schöffelschule

Dass es schwierig ist, bei diesem Thema eine Einigung zu erzielen, zeigt sich auch in den Elternvereinen. „Eine allgemeine Stellungnahme im Namen aller Eltern ist schwierig. Das Thema Herbstferien wird derzeit heftig diskutiert. Einig sind sich die Eltern allerdings nicht“, erklärt Luana Baumann-Fonseca, stellvertretende Vorsitzende des Elternvereins der Volksschule Purkersdorf.

„Ein wichtiger Punkt bei jeder Diskussion über Ferien und schulfreie Tage ist die Ferienbetreuung“, so Baumann-Fonseca. Viele Eltern würden eine Unterbrechung zwischen Schulbeginn und den ersten regulären Ferien zu Weihnachten gut finden. Eine Sorge sei aber, dass es für berufstätige Eltern schwieriger ist, sich mehrere Tage am Stück freizunehmen, als einzelne Tage über das Jahr verteilt. Es gäbe oft einen Mangel an guter und dabei leistbarer Betreuung. „Viele sind dann auf Familienangehörige angewiesen, die sich um die Kinder in den Ferien kümmern können“, berichtet die Elternvertreterin. „Unverhältnismäßig bleibt die Gegenüberstellung von cirka 72 schulfreien Tagen und 25 Urlaubstagen der Eltern.“

Vereinheitlichung ist sicher sinnvoll

Für sinnvoll erachtet wird aber die Vereinheitlichung von schulfreien Tagen. „Die momentane Situation – schulautonome Tage – stellt vor allem Familien mit mehreren Kindern an unterschiedlichen Schulen oftmals vor betreuungstechnische Herausforderungen“, so Baumann-Fonseca. Als Alternative zu den Herbstferien nennt sie eine regionale Lösung, bei der Volksschulen, Mittelschulen und Gymnasien in der gleichen Region sich absprechen und auf einheitliche freie Tage einigen.

„Die derzeitige Regelung mit den schulautonomen Tagen führt dazu, dass Eltern mit Kindern an verschiedenen Schulen nicht selten vor kniffelige Probleme gestellt werden“

Dem stimmt auch Kerstin Schneiderbauer, Obfrau-Stellvertreterin des Elternvereins am Wienerwaldgymnasium, zu. Eine bundesweit einheitliche Ferien-Regelung sei jedenfalls zu begrüßen. „Die derzeitige Regelung mit den schulautonomen Tagen führt dazu, dass Eltern mit Kindern an verschiedenen Schulen nicht selten vor kniffelige Probleme gestellt werden“, meint Schneiderbauer.

Gegen Herbstferien spreche, dass die Kinder kurz nach den Sommerferien wieder aus dem Schulalltag gerissen werden. Schularbeiten und Tests würden sich dadurch in noch kürzerer Zeit ballen. Betreuungsangebote für berufstätige Eltern seien ebenfalls nicht vorhanden. Zudem handle es sich um eine unattraktive Zeit. Argumente für die Herbstferien seien eine zusätzliche Erholungsphase für die Schüler, eine bessere Planbarkeit für die Eltern, weniger geballte freie Tage im Sommersemester und eine bessere Nutzbarkeit für Urlaube. Auch „als besonders unnötig empfundene“ freie Tage wie Osterdienstag und Pfingstdienstag würden wegfallen.

„Allerdings entsteht bei der Herbstferien-Diskussion schon der Eindruck, dass von den eigentlichen und wesentlich dringenderen Problemen in unserem Bildungssystem abgelenkt werden soll“, findet Schneiderbauer. Sie schlägt zudem vor, weitere freie Tage zu streichen - etwa den Landesfeiertag - und die Sommerferien zu verkürzen.

„Wir sehen allerdings schon, dass es kaum möglich sein wird, es allen recht zu machen. Insofern müssen die Entscheidungsträger Mut zeigen, bei diesem Thema schnell eine Entscheidung treffen und dann sofort die wichtigeren bildungspolitischen Themen angehen“, meint Schneiderbauer.