Hundehaltegesetz: „Hunde werden aggressiv“. Neue Regelung stößt im Bezirk auf Kritik. Maßgeblich ist, sein Tier als Hundebesitzer zu kennen.

Von Melanie Baumgartner und Thomas Werth. Erstellt am 13. November 2019 (03:41)
Seiner Hündin Lea will Bezirkshauptmann Josef Kronister nicht ständig einen Beißkorb umhängen. In gewissen Situationen sei die Maßnahme aber vertretbar.
Thomas Werth

Für ein Aufjaulen sorgt das neue vom Landtag beschlossene Hundehaltegesetz. Kritik hagelt es vor allem für die verstärkte Beißkorbpflicht „bei größeren Menschenansammlungen“. Gesammelt werden nun sogar Unterschriften für eine Volksbefragung. Die NÖN hörte sich in der Region um, wie dort die verschärften Bestimmungen für Vierbeiner ankommen.

„Ich glaube kein Hundeplatz ist ist über die Gesetzesänderung begeistert, damit züchtet man sich aggressive Hunde“, ist Silvia Thoma-Schwarz, Obfrau der Hundeschule ÖGV-Pressbaum, überzeugt. Wichtiger ist ihrer Meinung nach, die Welpen schon von klein auf an die Öffentlichkeit zu gewöhnen. „Wichtig ist, dass die Bindung zum Menschen schon im Welpenalter gestärkt wird und dass man mit ihnen in die Öffentlichkeit hinaus geht. Es ist nicht normal, dass Hunde immer einen Beißkorb tragen. Ich glaube nicht, dass sich durch das Gesetz jetzt alles bessert“, sagt Thoma-Schwarz.

Auch Kathrin Heun, Leiterin der Tierklinik Purkersdorf, sieht das Gesetz kritisch. „Ich glaube prinzipell, dass jeder Hund daran gewöhnt sein sollte, einen Beißkorb zu tragen. Wichtig ist aber, dass jeder Hundehalter seinen Hund kennt und ihn auch einschätzen kann, um in heiklen Situationen richtig handeln zu können. Wichtig ist ein respektvoller und rücksichtsvoller Umgang miteinander. Wenn ich weiß, dass man Hund ängstlich ist, dann wäre es rücksichtsvoll, wenn er in der Umgebung von vielen Menschen einen Beißkorb trägt. Das trifft aber nicht auf alle Hunde zu.“ Sie glaubt, dass das neue Gesetz nicht den gewünschten Erfolg bringen wird, denn „selbst wenn es das Gesetz jetzt gibt, wird es vermutlich Hundehalter geben, die sich darüber hinwegsetzen“, meint Heun.

Auch Bezirkshauptmann Josef Kronister, selbst seit über sechs Jahren Besitzer der Entlebucher Sennenhündin Lea, appelliert an die Hundehalter, sich intensiver mit dem Tier auseinanderzusetzen. „In gewissen Situationen ist ein Beißkorb vertretbar, dauerhaft aber nicht. Viel wichtiger ist es, dass der Besitzer geschult ist, wie er mit seinem Tier in unterschiedlichen Situationen umgehen muss“, ist Kronister überzeugt.

Auch wenn vor kurzer Zeit in Kapelln ein Fall für Aufsehen sorgte, bei dem ein dreijähriges Mädchen beim Spazierengehen von einem unbekannten Mischlingshund in den Oberarm gebissen wurde, gab es in den vergangenen Jahren in der Region keine statistischen Auffälligkeiten. Mit der erhöhten Zahl an Hundebissen ist niederösterreichweit das Nachbessern im Hundehaltegesetz begründet worden.

Bei der Polizei wurden heuer bislang 56 Hundeattacken im Bezirk St. Pölten registriert, im Vorjahr 75. Die Bezirkshauptmannschaft bekam über Ärzte und Krankenhaus heuer 108 Hundebisse gemeldet, 2018 waren es insgesamt 121. In der Landeshauptstadt gab es laut Polizei heuer fünf Hundebisse (2018 waren es drei), der Magistrat berichtet von bisher 31 Bissverletzungen heuer, genau so viele wie im Jahr 2018.

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