Radler brauchen Geduld. Nachfrage ist hoch, durch Krise ist Angebot aber eingeschränkt. Gemeinden arbeiten währenddessen an der Infrastruktur.

Von Kristina Veraszto. Erstellt am 07. April 2021 (04:00)
Franz Reitmeier erledigt allerhand Reparaturaufträge. 
Veraszto

Durch die Corona-Pandemie ist das Radfahren weiterhin beliebt. Die Nachfrage ist hoch. Durch die Krise kommt es aber auch zu Engpässen bei den Lieferungen. „Es ist schwierig, Nachschub zu bekommen. Wir könnten viel mehr verkaufen, wenn sie mehr liefern würden“, sagt etwa Franz Reitmeier, der in Gablitz auf der Linzerstraße sein Geschäft betreibt. 2020 hat er 15 bis 20 Prozent mehr Räder verkauft als im Jahr vor der Pandemie. Zurzeit sind seine Verkaufsräume wieder gut gefüllt. Neue Räder zu bestellen sei aber schwierig. Viele würden erst 2022 geliefert werden. Dasselbe Problem gebe es auch bei Ersatzteilen. Gerade bei Rädern, die lange nicht gefahren wurden, sind oft Gangschaltungen oder Bremsen zu tauschen.

„Viele haben ihr Fahrrad aus dem Keller geholt und es reparieren lassen“, erzählt Reitmeier. Heuer im Februar sei das Geschäft gut angelaufen, der neuerliche Oster-Lockdown werde die Zahlen aber dämpfen, meint Reitmeier: „Es ist noch durchwachsen.“

„Es ist schwierig, Nachschub zu bekommen. Wir könnten viel mehr verkaufen, wenn sie mehr liefern würden“

Eine ungewöhnlich große Nachfrage merkt der Gablitzer bei Jugendrädern, aber auch E-Bikes sind in Gablitz sehr beliebt.

Dem Elektrorad-Trend die notwendige Infrastruktur zu geben, daran arbeitet derzeit die Kleinregion „Wir 5 im Wienerwald“, bestehend aus den fünf Gemeinden Purkersdorf, Gablitz, Mauerbach, Tullnerbach und Wolfsgraben. Im Rahmen des Projektes „eBike-Kompetenzregion“ werden demnächst für jede Gemeinde moderne Radständer angekauft.

Bezahlt werden diese vom 10.000 Euro-Preisgeld, das die Kleinregion durch den Ideenwettbewerb „clever mobil“ für sich gewinnen konnte. „Bei uns in Gablitz wird es sie bei der Schule, beim Gemeindeamt und beim Schwimmbad geben“, erklärt Bürgermeister und Obmann Michael Cech. Zudem soll bald mit der Gastronomie Kontakt aufgenommen werden. Die Kleinregion will in Kooperation mit den Betrieben eine gewisse Basisausstattung für E-Räder schaffen, wie zum Beispiel Ladestationen. In Wolfsgraben sollen Mitte April die Vermessungsarbeiten für den neuen Radweg in Auftrag gegeben werden. Dieser rund 500 Meter lange Abschnitt wird von der Liesinger Straße bis zur Wehrer Straße führen. „Das ist alles auf Schiene“, berichtet Bürgermeisterin Claudia Bock. Parallel werde am Radweg zwischen Wolfsgraben und Laab im Walde (Bezirk Mödling) gearbeitet. „Da werden noch weitere Besprechungen notwendig sein“, sagt die Ortschefin.

Pressbaum: Neuer Radweg beschlossen

Ein definitiver Beschluss für einen neuen Geh- und Radweg wurde vergangene Woche im Pressbaumer Gemeinderat gefällt. Das erste Teilstück, das errichtet wird, befindet sich zwischen dem Rekawinkler Bahnhof und dem Gasthaus Mayer. 320.000 Euro werden von der Stadt investiert. 70 Prozent der Kosten bekommt Pressbaum durch das kommunale Investitionsprogramm des Bundes zurück. Die restlichen 30 Prozent wird die Stadt tragen, die dazu einen Teil eines Darlehens verwendet wird, das schon 2020 aufgenommen worden ist.

Die Arbeiten sollen noch im Frühjahr starten. „Ich denke, dass die Straßenbauabteilung im April beginnen wird. Der Weg wird dreieinhalb Meter breit sein“, erklärt Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner.

Für die Radlobby Pressbaum, die sich im Herbst 2020 gegründet hat, ist die Umsetzung des Radwegs eine gute Nachricht, es gebe aber noch einiges zu tun. „Radfahrtechnisch ist Pressbaum für seine Größe beschämend rückständig. Wir haben uns sehr intensiv mit dem Radbasisnetz, das die Gemeinde durchziehen soll, auseinandergesetzt und konnten unsere Ideen einbringen. Schwierig wird die Kreuzung der Bahnlinie. Hier fehlt es an einer dringenden zeitgemäßen Untertunnelung der B 44 im Bereich Kindergarten Pressbaum II. Neben Radfahrern würden auch der Kindergarten und alle Pressbaumer von einer soliden Lösung profitieren. Die steht aber zum Leid der Bevölkerung seit Jahren aus. Momentan arbeitet die Gemeinde auch schon am Abschnitt Unterführung Haitzawinkel–Kreisverkehr Dürrwien, was wir sehr begrüßen“, sagt Gruppenverantwortlicher Wolfgang Kreutzer. Es brauche aber auch versperrbare Abstellanlagen am Bahnhof Pressbaum.

„Hier sind wir mit der ÖBB in Kontakt“, sagt Kreutzer. Und die Radlobby macht sich auch für ein sekundäres Radwegenetz stark, das kostengünstig und einfach umzusetzen wäre, meint der Gruppenverantwortliche: „Entsprechende Pläne hat die Radlobby bereits der Gemeinde vorgelegt. Was wir noch planen: mehr Fahrrad-Abstellanlagen in der Gemeinde sowie eine Attraktivierung der Einkaufsfahrten für Radler.“

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