Traude Eripek: „Dinge nicht mehr vorstellbar“. Die NÖN sprach mit Politikerinnen der Region über ihre Erfahrungen mit ihrem Amt.

Von Martin Gruber-Dorninger und Marlene Trenker. Erstellt am 06. März 2019 (03:27)
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Traude Eripek war Bürgermeisterin in Purkersdorf.

 Im 21. Jahrhundert ist die Frau in der Politik nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel – sollte man meinen. In der Region gibt es eine einzige Frau am Bürgermeistersessel. Im Purkerdorfer Gemeinderat befinden sich 27,27 Prozent Frauen, in Pressbaum sind es 30,30.

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Claudia Bock ist seit 2006 Bürgermeisterin von Wolfsgraben und damit die längst dienende im Bezirk St. Pölten-Land. „Ich war schon immer politisch interessiert und bin deshalb auch seit 1992 im Gemeinderat tätig. Das Bürgermeisteramt hat sich dann ergeben, als mein Amtsvorgänger zurückgetreten ist. Ich war damals Vizebürgermeisterin und sollte ihm nachfolgen“, schildert Bock ihre politische Karriere. Sie selbst habe niemals Probleme gehabt, als Frau in der Politik ernst genommen zu werden. „Bei meinen Amtskolleginnen hört man aber schon immer wieder, dass sie sehr hart kämpfen mussten, um diese Topposition zu erreichen“, so Bock.

Kaffee und Kuchen waren Frauensache

Seit 1975 war Traude Eripek im Purkersdorfer Gemeinderat. „Damals wurde mein Mann gefragt, ob ich mein Mandat annehmen darf“, erinnert sie sich an frühere Zeiten, in denen es nicht selbstverständlich war, dass Frauen in der Politik vertreten sind. In ihren Anfangsjahren wurde sogar erwartet, dass sie bei Sitzungen Kaffee und Kuchen mitbringt. „Das sind Dinge, die heute einfach nicht mehr vorstellbar sind“, so Eripek. Von 1997 bis 2000 war sie sogar Bürgermeisterin der Stadtgemeinde und folgte hier Karl Schlögl nach, der in dieser Zeit Innenminister war.

„Früher hörte man oft den Satz ,Was sollen Frauen überhaupt in der Politik?‘. Ich habe damals Kurse abgehalten, um sie zu motivieren“, erzählt Eripek. Obwohl sich die Zeiten gebessert haben, gibt es immer noch Luft nach oben. „Die Situation ist wesentlich besser geworden im Vergleich zur Vergangenheit. Sonst hätten wir heute keine Landeshauptfrau“, so Eripek.

Die Purkersdorfer Richterin Claudia Bandion-Ortner wechselte nach dem BAWAG-Prozess auf die große politische Bühne. Von 2009 bis 2011 war sie Justizministerin. Ihrer Erfahrung nach werden Frauen in der Politik mehr nach ihrem Äußeren bewertet. „Da wird sehr darauf geachtet, ob die Kleidung passt“, so Bandion-Ortner. Auch wenn es darum geht, den Politik-Beruf mit der Familie zu vereinbaren, werde mit zweierlei Maß gemesen. „Mein Sohn hatte damals mit der Volksschule begonnen, und es wurde thematisiert, wie ich den Ministerjob und die Mutterrolle unter einen Hut bringe. Bei einem Mann wäre das in genau derselben Situation nie hinterfragt worden“, erinnert sich Bandion-Ortner.