Gablitzer findet 138 Millionen Jahre alte Haifischzähne. Alexander Lukeneder entdeckte Haifischzähne im 138 Millionen Jahre alten Kalkstein.

Von Birgit Kindler. Erstellt am 12. August 2020 (04:39)
So sehen die 138 Millionen Jahre alten Zähnchen der zirka 20 Zentimeter lange Haie aus.
NHM Wien

Durch Zufall entdeckte der Gablitzer Wissenschafter Alexander Lukenender einen Saurierzahn, und auch jetzt sorgte er wieder für einen Sensationsfund: Er stieß auf neue Arten fossiler Haifische in Österreich.

Lukeneder, der als Paläontologe am Naturhistorischen Museum in Wien arbeitet, nahm vor zehn Jahren dutzende Kilogramm an Gesteinsproben für geologische Untersuchungen in den Nördlichen Kalkalpen nahe Ternberg in Oberösterreich.

„Die Stelle der Funde ist so entlegen, da will man eigentlich gar nicht hin“, schmunzelt der Gablitzer, der damals eigentlich ein Ammoniten-Massenvorkommen studierte und deshalb die Kalke in Essigsäure und Ameisensäure aufgelöst hat. „Und siehe da, auf einmal habe ich hunderte Zähnchen von Haifischen im 138 Millionen Jahre alten Kalkstein entdeckt“, berichtet Lukeneder.

Die Zähne seien winzig und aus diesem Grund sehr gut erhalten. Sie entpuppten sich als Zähnchen und Schuppen von bisher unbekannten Tiefsee-Haien des kreidezeitlichen Tethys-Ozeans.

Der Tethys-Ozean verschwand zum größten Teil, als Afrika und Indien mit Eurasien kollidierten. „Das Besondere ist auch, dass es sich um eine sehr diverse Fauna handelt, die es sonst nur an zwei weiteren Fundstellen weltweit gibt, also aus der frühen Kreide-Zeit, der Stufe des Valanginiums“, berichtet Lukeneder.

Neue Arten und bekannte Vertreter

Bis vor Kurzem dachte man, dass diese Spezies beim großen Massenaussterben am Übergang der beiden Erdzeitalter Perm und Trias ihr Ende fand. Nun tauchte sie aber auch in den weit jüngeren Funden aus den Alpen auf – und zwar in Tiefsee-Ablagerungen. „Es scheint also so zu sein, dass diese Haie dazu gezwungen waren, das ‚flachmarine Milieu‘ zu verlassen, um in der Tiefsee erfolgreich zu überleben. Neben den neuen und bekannten Arten konnte das Forschungsteam aufgrund der Hautschuppen auch auf das einstige Vorhandensein von Grauhai- und Dornhaiartigen, sowie Vertretern der Meerengel und der Stierkopfhaie schließen“, erklärt der Wissenschafter.

Die Haie waren höchstens 20 Zentimeter lang. Die Funde würden sehr urtümliche Arten zeigen und bereits moderne Varianten, die den Ammenhaien oder Grundhaien zuzuordnen sind.

Der Gablitzer hat den Fund zuerst nach England zum Bestimmen geschickt. „Daraus ist aber nichts geworden“, so Lukeneder. Erst Studienleiterin Iris Feichtinger, ebenfalls vom Naturhistorischen Museum, hat sich der Zähnchen angenommen. Insgesamt konnten fünf neue Haifischgattungen mit sechs neuen Arten dieser Knorpelfische entdeckt werden. Neben perfekt erhaltenen Zähnen gab die Probe eine Vielzahl unterschiedlicher Hautschuppen der Räuber preis. Diese Hautschuppen können keiner bekannten Art zugeordnet werden und dürften zu noch unentdeckten Arten gehören. Eine derart hohe Diversität an kreidezeitlichen Tiefsee-Haien war in Österreich bisher nicht bekannt.