Beate Reim möchte "die Branche neu erfinden". Irenentalerin Beate Reim geht hinsichtlich touristischer Konzepte neue Wege.

Von Monika Närr. Erstellt am 04. Oktober 2020 (03:11)
Die Tullnerbacher Fastenleiterin Beate Reim und der Geschäftsführer des Klosters Pernegg, Klaus Rebernig, vor dem Viktor-Frankl- Brunnen in einem kleinen Klosterhof.
Monika Närr

„Der klassische Tourismus ist tot“, konstatiert Klaus Rebernig, Geschäftsführer des Klosters Pernegg. Und weiter: „Der Tourismus muss sich neu erfinden, er braucht neue Konzepte.“ Mit ihm gemeinsam geht die Irenentalerin Beate Reim schon seit fünf Jahren den Weg des Fasten-Tourismus. Fazit: Die 14.000 Nächtigungen im Waldviertler Nonnenkloster aus dem 11. Jahrhundert werden heuer höchstwahrscheinlich gehalten werden können. Trotz Corona, trotz erneut verschärfter Bestimmungen und trotz zehn Wochen Lockdown im Frühjahr und zur stets ausgebuchten Osterzeit.

„Man erkennt zusehends, dass der Fastentrend keine modische Erscheinung ist“, so Beate Reim. Und führt weiter aus: „Der Körper kann mit Nahrungsverzicht leichter umgehen als mit einem Zuviel an allem. Meine Kurse in Pernegg – wie etwa ‚Fasten und Stille‘, ‚Ballast über Bord‘ oder ‚aktiv-bewusst-selbst‘– sind immer gut gebucht, auch mit vielen Stammgästen. Denn fasten kann so viel mehr als abzunehmen.“

Unterschiedliche Beweggründe

Die Beweggründe der solcherart Erholung suchenden Teilnehmer sind unterschiedlich, aber dennoch ähnlich. Der eine sucht Stille, der andere will sein psychisches Gleichgewicht wiederfinden, der Dritte liebt das hormonell bedingte Fastenhoch, wieder andere lösen Blockaden oder können plötzlich vieles befreiter betrachten. „Eine Woche Fasten ist nachhaltiger als ein zweiwöchiger, noch so entspannter, Urlaub“, weiß Reim zu berichten. „Man sieht es am Glanz der Augen, die Leute werden abgeklärter und zufriedener“, so die Gattin des Purkersdorfer Notars Andreas Reim.

Auch dieser ist Fasten-Fan geworden. In seiner fordernden Profession sucht auch er zweimal im Jahr „Abstand zu gewinnen, Kraft zu tanken und sich kurzfristig aus dem Alltag rauszunehmen.“ Meist wählt er eine Gruppe, die Fasten mit Wandern verbindet, das entspricht seiner optimalen Vorstellung von Erholung. Und auch Beate Reim selbst war zuletzt gegen Sommerende als Teilnehmerin in Pernegg, „um meine Batterien wieder aufzuladen.“

Fastenkurse sind ein Superprodukt

„Fastenkurse sind ein Superprodukt“, so Hausherr Rebernig, „nach dem Lockdown kamen heuer viele Sommergäste, die Leute blieben in Österreich“, erläutert der gelernte Touristiker. Für ihn braucht es künftig eine klare Zielgruppenorientierung, eine wieder analogere Kommunikation mit dem Gast, eine stärkere Orientierung an den wirklichen Bedürfnissen der Kunden, aber vor allem auch die Besinnung auf die Stärken und das Branding einer Region. „Wir schafften es, ein Produkt zu finden, das extrem gut in unsere Gegend passt“, so Rebernig. Und weist noch ein Stück weiter in die Zukunft: „Das Sinnthema des Lebens wurde durch Corona aufgerissen, es ist stark im Kommen. Beim Fasten kommen die Leute zu sich, nach unserem Stille-Tag hier gehen bei vielen neue Seite auf.“ So wird, beispielsweise durch sichtbar gemachte Zitate und Gedanken des Logotherapeuten Viktor Frankl auch viel für die Psyche getan.

Für seine eigene Psyche fastet Rebernig zwei- bis dreimal im Jahr mit einer seiner Gruppen. Und stellt erfreut fest: „Es ist toll, wenn man selbst erlebt, wie dieses Thema funktioniert.“ Dazu weiß auch der frühere Primar und Mediziner mit Mehrfach-Qualifikation Peter Fester (Name auf Wunsch von der Redaktion geändert) etwas beizutragen: „Ich bin Stammgast in Pernegg und liebe es, wie Beate die Gruppen führt. Für mich ist es jedes Mal eine Freude und angenehmes Erlebnis, in dieser Woche nur Säfte und Suppen zu mir zu nehmen. Beate schafft es mit ihrem Programm, dass ich keinen Hunger habe.“ Zudem ist der Fachmann über den Gesundheitsaspekt am eigenen Leib mehr als erfreut. Hat er doch etwa 30 inoperable Divertikel im Darm. „Seit ich regelmäßig faste, haben sie sich nicht mehr entzündet“, freut er sich.