Weg ist das Ziel: Mit Rad in zwölf Tagen nach Kroatien. Der Tullnerbacher Andreas Pitsch fuhr mit seinem Fahrrad in zwölf Fahrtagen bis nach Kroatien.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 16. Oktober 2019 (04:00)
Andreas Pitsch
Auch an seinen freien Tagen macht Andreas Pitsch längere Ausfahrten mit dem Rad. Entweder alleine oder in der Gruppe. Es gibt viele organisierte Touren von Gruppen oder Institutionen in der Radszene.

Es ist noch nicht so lange her, da hat Andreas Pitsch seine Liebe entdeckt. Die Liebe zum Fahrradfahren. Der Wunsch, wieder mehr Bewegung in den eigenen Alltag zu bringen, war der Startschuss für einige Änderungen in seinem Alltag. Anfangs waren es Kleinigkeiten wie Treppen statt dem Lift oder der Rolltreppe zu nutzen. Immer mehr ist es geworden – nur ins Fitnesscenter wollte er nicht gehen. Das Fahrrad vereint viele Vorteile. Da wäre die Bewegung, die Mobilität, der Spaßfaktor und nicht zu vergessen die Umweltfreundlichkeit. Mittlerweile fährt Pitsch ganzjährig mit dem Fahrrad in die Arbeit, und in seiner Freizeit auch schon mal nach Kroatien.

NÖN: Sie sind diesen Sommer mit dem Fahrrad durch Italien und Kroatien gefahren. Dabei haben Sie eine Gesamtstrecke von 1.380 Kilometern und 10.294 Höhenmetern in zwölf Fahrtagen zurückgelegt. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?
Andreas Pitsch: Ich habe vor etwa dreieinhalb Jahren begonnen Rad zu fahren. Mich interessieren dabei mehrere Facetten, nicht nur die Bewegung. Da wäre das Bikepacking und auch meine Leidenschaft für alte Rennräder. Mittlerweile habe ich 18 gebrauchte Fahrräder zuhause. Qualität bedeutet auch Nachhaltigkeit. Ich repariere und serviciere alle meine Räder selbst – das ist für mich Entspannung. Gleichzeitig passt es zu meiner Lebensphilosophie umweltbewußt und achtsam zu leben. So war meine Reise als Bikepacker ein logischer Entwicklungsschritt. Es war die erste große Reise mit meinem Reiserad „Hulk“.

Mittlerweile habe ich 18 gebrauchte Fahrräder zuhause

Was ist ein Bikepacker, und wie schaut die Ausrüstung für so eine Reise mit dem Fahrrad aus?
Bikepacker fahren Touren mit ihrem Rad. Der Unterschied zum üblichen Fahrradtouring ist die Ausrüstung. Wir packen nur essentielle Dinge ein – dadurch haben wir weniger Gewicht und können größere Strecken pro Tag zurücklegen.
Bei der Reise hatte ich ein ultraleichtes Zelt, Werkzeug, eine spezielle Radpumpe, ein Navigationssystem für den Lenker und Radgewand mit. Das Rad selbst hat einen Stahlrahmen - der ist im Fall der Fälle leichter reparieren zu lassen - und schlauchlose Reifen. Das Gesamtgewicht betrug 109 Kilogramm, davon kamen 12 Kilogramm auf das Rad und 24 Kilogramm auf das Gepäck.

Andreas Pitsch

Sie waren im Sommer unterwegs und mussten mit Temperaturen bis zu 38 Grad zurechtkommen. Wie geht das beim Fahrradfahren?
Auf die richtige Kleidung kommt es an. Sie sollte eng anliegen. Der Schweiß darunter kühlt und gleichzeitig trocknet der Fahrtwind. Ganz wichtig ist diszipliniertes Trinken, und das regelmäßig und nicht nur bei Durstgefühl. Ich habe dafür einen Trinkbeutel im Rucksack. Der fasst zweieinhalb Liter und wird mit einem Schlauch direkt zum Mund geführt.

Was war das Anstrengendste auf Ihrer Fahrt?
Es gab einige Strecken mit sehr starkem Verkehr und engen Straßenverhältnissen. Da war volle Konzentration angesagt, und es gab auch zwei gefährliche Situationen. Ich habe dann versucht, auf eine andere Strecke auszuweichen.
Schlafmangel ist auch ein großes Problem. Bei meiner ersten Nacht im Freien war eine Kuhherde in der Nähe. Die Kühe haben die ganze Nacht lang gemuht. Oder einmal haben auf einem Campingplatz meine Nachbarn die ganze Nacht lang Party gefeiert.

Beim Radfahren lernt man leicht andere Menschen kennen

Können Sie uns einen Tagesablauf schildern?
Ich bin meist erst gegen Mittag losgefahren. Das werde ich das nächste Mal anders machen. Gegen 15 Uhr wurde ich hungrig. Allerdings ist zu dieser Zeit in Italien Siesta. Da gab’s keine Pasta und kein Cola. Der Bedarf an Kalorien ist doch recht hoch. Während des Fahrens habe ich Bananen, Müsliriegel oder Schokolade gegessen. Unterwegs habe ich Ausschau nach Lebensmittelgeschäften und Esslokalen gehalten. Spätestens, wenn es dunkel wurde habe ich mein Lager aufgeschlagen.

Hatten Sie Kontakt zu anderen Bikepackern oder Einheimischen?
Beim Radfahren lernt man leicht andere Menschen kennen. Ich bin auf sehr viel Gastfreundschaft gestoßen. Ich wurde zum Essen und Trinken eingeladen und auch zu einer Feier. Dabei habe ich ein Pärchen kennengelernt. Die Frau konnte als einzige Englisch und wurde daher von den anderen dazu bestimmt, mit mir zu kommunizieren. Ich durfte sogar die Nacht bei den Zweien in ihrem Haus verbringen. Mein Zelt habe ich auf ihrer Terrasse aufgebaut und mein Rad „Hulk“ stand im Haus. Unterwegs habe ich mich ab und zu anderen Fahrern angeschlossen. Ich habe interessante Lebensgeschichten erzählt bekommen. Manche waren sehr berührend.

Andreas Pitsch
Zu diesem Fest wurde Andreas Pitsch spontan eingeladen. Gastfreundschaft hat er auf seiner Reise sehr oft erlebt.

Was haben Sie für sich von dieser Art des Reisens mitgenommen?
Ich hatte 25 positive Begegnungen mit Menschen. Ich habe versucht so CO2-frei wie nur möglich zu fahren und zu leben. Das war und ist mir sehr wichtig. Und, der Weg ist das Ziel – mit der Monotonie des Radfahrens entschleunigen. Das hat sehr gut funktioniert.

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