Region Purkersdorf spricht sich gegen „Pool-Steuer“ aus. Gebühren reichen für Stadtchefs aus. Wasserknappheit an heißen Tagen.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 25. April 2019 (04:32)
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Schön war das Osterwochenende, fast schon heiß. Den einen oder anderen hat es bestimmt schon gereizt ins Bad zu gehen oder zumindest seine Zehen ins kalte Wasser zu tauchen. Manch einer ist sogar in der glücklichen Lage und hat seinen eigenen Pool im Garten. Und der eine oder andere hat wohl auch schon das Wasser eingelassen. Machen das zu viele Poolbesitzer gleichzeitig, dann kann das zu Wasserknappheit führen.

In der obersösterreichischen Gemeinde Eberschwang beschloss der Gemeinderat daher eine „Poolsteuer“ einzuführen, zuzüglich zu den Wassergebühren. Poolbesitzer werden demnach, je nach Größe ihres Bassins, um bis zu 100 Euro zusätzlich gebeten. Das Geld wird dann für Ausbau und Wartung der bestehenden Wasserleitungen verwendet. Die NÖN fragte bei den Stadtgemeinden Purkersdorf und Pressbaum nach, ob ein ähnliches Modell auch für sie in Frage komme.

„Nein, definitiv nicht“, antwortet Purkersdorfs Vizebürgermeister Viktor Weinzinger kurz und knapp. Es sei schon richtig, dass an heißen Frühlingswochenenden das Wasser manchmal knapp würde, „es geht sich aber immer aus“, sagt Weinzinger. Für ihn stehe sich außerdem der Aufwand für die Gemeinde nicht dafür. „Wir müssten erheben, wer aller einen Pool hat und mit wie viel Wasser der gespeist werden muss. Das ist wohl zu viel Aufwand“, so Weinzinger.

Für eine kleinere Gemeinde wäre das noch möglich (Eberschwang hat über 3.000 Einwohner; Anmerkung der Redaktion), für Städte um die 10.000 Einwohner wäre der Aufwand zu groß, so der Vizebürgermeister.

„Wir müssten erheben, wer aller einen Pool hat und mit wie viel Wasser der gespeist werden muss. Das ist wohl zu viel Aufwand.“ Viktor Weinzinger, Purkersdorfs Vize-Stadtchef und FF-Abschnittskommandant

Auch in Pressbaum denkt man nicht an eine „Poolsteuer“ nach Vorbild von Eberschwang. Und das obwohl es im Gemeindegebiet etwa 220 bis 250 Pools gibt. „Nein, das wird ganz normal über die Wassergebühren abgerechnet und soll auch so bleiben“, versichert Pressbaums Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner.

Manche Poolbesitzer der Region greifen auch gerne tiefer in die Tasche, wenn es um das Befüllen des eigenen Pools geht. Die Freiwillige Feuerwehr Purkersdorf bietet beispielsweise ein Pool-Füll-Service an. „Wir füllen unseren Tankwagen damit auf und fahren zu der gewünschten Adresse, um den Pool aufzufüllen“, erklärt Viktor Weinzinger, der auch Abschnittskommandant der Freiwilligen Feuerwehr ist. Das würde aber deutlich teurer als die 100 Euro kommen, die in Oberösterreich verlangt würden.

Frisches eigenes Trinkwasser, in dieser Qualität ist in der Region Purkersdorf übrigens noch gar nicht so lange selbstverständlich. Erst in den 1990er Jahren wurden Teile der Region an das Wiener Hochquellwasser angeschlossen. In Pressbaum wurde in den letzten Jahren viel in die Wasserleitung investiert. Die Ortsteile Engelkreuz und Kaiserbrunn wurden zuletzt angeschlossen und über eine Verbindungsleitung wurde auch die Wasserversorgung in Haitzawinkel verbessert.

In Gablitz und Mauerbach verkaufte bereits 2009 die Wasserleitungsnetze an die EVN. Dadurch wurde auch die teure Instandhaltung an den Energieversorger abgegeben.

„Wir haben zwar an heißen Wochenenden, an denen die Pools gefüllt werden, Engpässe, aber eine zusätzliche Gebühr kommt für uns nicht in Frage.“

Bei der EVN zeigt sich Pressesprecher Stefan Zach gegenüber einer Pool-Gebühr nicht aufgeschlossen. „Wir haben zwar an heißen Wochenenden, an denen die Pools gefüllt werden, Engpässe, aber eine zusätzliche Gebühr kommt für uns nicht in Frage.“ Vielmehr wird an die Kunden appelliert nicht gleichzeitig die Pools zu füllen. „Das könnte bei einigen auch über die Abend- und Nachtstunden erfolgen, damit diese Spitzen ausgeglichen werden“, so Zach. In Niederösterreich sei es auch generell ein Problem, dass die Wasserverteilung über das Bundesland nicht gleichmäßig sei. Um Knappheit zu vermeiden, sollte die Poolbefüllung also besser abgestimmt sein. Und sollte der Pool noch nicht bereit sein, dann ist ein Besuch der neuen Schwimmbäder der Region sicher auch einmal eine nette Abwechslung.

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