Samstag-Kobler: „Jeder Tag ist neue Herausforderung“. Isabella Samstag-Kobler zieht Bilanz über 20 Jahre Geschäftsstellenleitung der Wirtschaftskammer Purkersdorf.

Von Monika Närr. Erstellt am 15. Juli 2020 (04:55)
Isabella Samstag-Kobler strahlt beim NÖN-Interview. Am Tag nach ihrem Pensionsantritt wurde sie erstmals Oma.
Birgit Kindler

Am 1. Juli ging die Tullnerbacherin Isabella Samstag-Kobler als Geschäftsstellenleiterin der WK-Außenstelle Purkersdorf in Pension, am 2. Juli wurde sie erstmals Oma.

Der NÖN verriet sie ihre Pläne für den Ruhestand und zog Bilanz über ihre berufliche Tätigkeit. Diese blieb mit Kammerwahl und Corona-Herausforderungen bis zum letzten Tag spannend.

NÖN: Wie haben sich Ihre letzten Wochen in der Wirtschaftskammer gestaltet?

Isabella Samstag-Kobler: Ich habe alle Verabschiedungen genossen. Man hat mir eine tolle Feier in der WK St. Pölten bereitet. Und zum Abschied bekam ich von meinen Kollegen eine Fotocollage über 20 Jahre Betriebsbesuche. Bildlich sieht man die Zeitspanne dann besonders. Es war eine sehr schöne, aber auch oft sehr fordernde Zeit.

Wie würden Sie Ihre Berufsjahre kurz zusammenfassen?

Samstag-Kobler: Das hat mich auch unsere neue Referentin Katharina Bauer gefragt. Es ist nicht so, dass einen das, was man hier erlebt, kalt lässt. Jeder Tag ist eine neue Herausforderung. Man ist unmittelbar mit Problemen, aber auch wieder mit viel Dank konfrontiert, aus dem man neue Kraft schöpft. Gerade in der Corona-Zeit hatte ich auch das Gefühl, etwas zu bewirken. Man kann Menschen in ihrer Existenz und bei wirtschaftlichen Anliegen helfen.

Ich bin aus der Gegend, ich kenne hier ja viele Leute und komme mit ihnen leicht ins Gespräch. Manche warfen mir Unterlagen und Anträge auch ins private Postkastl.

Wie haben Sie Ihren Arbeitsalltag erlebt?

Samstag-Kobler: Begonnen habe ich im April 2000 in einem kleinen Kammerl am Purkersdorfer Hauptplatz. Es ist ein sagenhaftes Glück, dass wir seit ein paar Jahren dieses tolle Gebäude beim Purkersdorfer Bad haben. Und wir waren ein Superteam. Vor allem die speziellen Anliegen der Ein-Personen-Unternehmen – das sind 83 Prozent unserer Mitglieder – nehmen viel Raum ein. Als ich begann, hatten wir in unserer Region drei Prozent Unternehmer, heute sind es fünf Prozent der Gesamtbevölkerung.

Gleich am zweiten Pensionstag wurden Sie Oma…

Samstag-Kobler: Ja, mein Sohn Laurenz und Schwiegertochter Corina haben einen kleinen Jacob bekommen. Oma zu sein ist ein sehr schönes, ganz tolles Gefühl. Ich bin froh, dass ich meine Kinder und Familie als Rückhalt habe. Meine älteste Tochter Sophie lebt in der Schweiz, Johanna wohnt in Tullnerbach im selben Haus wie ich und Laurenz und seine kleine Familie sind in Pressbaum daheim.

Sie waren immer eine berufstätige Mutter…

Anfangs war das schwierig, man ließ es Frauen spüren, wenn sie mit Kindern ganztags arbeiteten. Diese Einstellung hat sich Gott sei Dank geändert. Ich habe meine Kinder immer privat gut versorgen können, habe mir nicht einen Tag Pflegefreistellung nehmen müssen.

Was sind Ihre Pläne für die Pension?

Es war immer mein Grundsatz: „Es gibt für alles eine Zeit.“ Jetzt muss ich einmal schauen, dass die Pension langsam zur Normalität wird. Ich habe ja auch Schafe, Ziegen und Hühner. Vielleicht werde ich etwas mit tiergestützter Therapie starten. Und mit Kindergärten, Schulen und Altersheimen zusammenarbeiten. In der Corona-Krise traf mich die Anfeindung älterer Leute besonders. Ich möchte mich ein bisschen um sie kümmern, vielleicht mit Besuchsdiensten.

Was hilft Ihnen abzuschalten?

Wenn ich meine Gummistiefel anziehe, meist, um die Tiere zu versorgen, bin ich in einer anderen Welt. Das war schon bisher so.