Erstellt am 11. März 2018, 10:39

von Martin Gruber-Dorninger

Schriftzug am Haus des Meeres: Bezug zu Weltkrieg fehlt. Schriftzug soll verschwinden. Proteste wegen Missverständnis. Ehemaliger Präsident Jörg Ott klärt darüber auf.

Der Schriftzug soll an der Vorderseite des Flakturms einem Zubau weichen. Dies löste Proteste aus, allerdings aus einem Missverständnis heraus. Der Künstler selbst hätte nichts gegen eine Entfernung und Wiederrichtung an anderer Stelle.  |  NOEN, hausdesmeeres/prod/temedia

Jörg Ott ist nicht nur emeritierter Professor für Ökologie an der Uni Wien und ehemaliger Gemeinderat in Wolfsgraben, er ist auch der ehemalige Präsident des Haus des Meeres und als solcher noch eng mit dem Haus verbunden. In den letzten Wochen kam eine Diskussion auf, die eine neue Fassadengestaltung des Flakturms betrifft.

Diese würde den Schriftzug „Smashed to Pieces - (In the still of the night) des Künstlers Lawrence Weiner an der Vorderseite des Flakturms betreffen. Dieser Plan hat Proteste aus der Wiener Kunstszene ausgelöst und wurde sogar als „Barberei“ bezeichnet. Jörg Ott bezieht nun in der NÖN dazu Stellung.

„Mit dem Haus des Meeres ist Leben in dieses graue Sinnbild des Todes eingezogen“

Flaktürme sind Überbleibsel aus den grauenvollen Kriegstagen und ragen nach wie vor, weil nicht entfernbar, als Mahnmale aus dem Wiener Stadtbild. Ein anderes Schicksal ist dem Turm im Esterhazy-Park widerfahren. „Mit dem Haus des Meeres ist Leben in dieses graue Sinnbild des Todes eingezogen“, sagt Jörg Ott. Anstatt militärischer Befehle und Geschützlärm erklinge nun Kinderlachen in den Räumen des ehemaligen Flakturms und symbolisiere damit die Überwindung von Grauen, Gewalt und Tod durch Leben, Vielfalt und Buntheit.

Stadt Wien steht voll hinter Plänen

Über 600.000 Besucher jährlich machen das Haus des Meeres zu einer der Top-10-Attraktionen Wiens. „Und das ohne öffentliche Förderung – der Zoo erhält sich und finanziert seinen Ausbau allein aus den Besucher-Einnahmen“, erklärt Ott. Seit 2015 ist das Haus des Meeres selbst Eigentümer des Flakturms. „Die Stadt Wien war froh, das Gebäude und dessen kostspielige Erhaltung los zu werden“, erinnert sich Ott.

Im Zuge des Zubaus würde nun der Teil der Aufschrift an der Vorderseite des Turmes verschwinden. Und das im Gedenkjahr 2018. Dies stößt einigen sauer auf. „Der Schriftzug nimmt jedoch keineswegs Bezug auf den II. Weltkrieg, sondern entstand im Eindruck des Bürgerkrieges im zerfallenden Jugoslawien“, klärt Ott auf. Weiner selbst wäre mit einer Entfernung und Wiedererrichtung an anderer Stelle einverstanden. Die Stadt Wien steht auch hinter den Plänen.