Wolfgang Ecker: Von der Votivkirche bis Schloss Hof

Region Purkersdorf: WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker erzählt aus seinem Leben als Steinmetz auf den Spuren historischer Baumeister.

Monika Närr Erstellt am 18. September 2021 | 04:49
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Eckers Herz hängt am Gnadenhof Wolfsgraben. Hier entspannt er am liebsten.
Foto: Rooobert Bayer

Seine neun Jahre als Vizebürgermeister von Wolfsgraben, seine Landes- und Bundes-Funktionen als Innungsmeister, Spartenobmann sowie Außenstellen-Obmann der Purkersdorfer Wirtschaftskammer sind in unserer Region bestens bekannt. Nun gibt Wolfgang Ecker, seit Mai 2020 Präsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ), Einblicke in sein Steinmetzunternehmen, das auf Restaurierungen spezialisiert ist. Viele historische Bauten der Ostregion werden von seinen 120 Mitarbeitern runderneuert. Oftmals mit beträchtlichem Aufwand und unter sehr speziellen Herausforderungen.

NÖN: Ihr Steinmetz-Betrieb ist gerade an der Restaurierung von Parlament und Votivkirche beteiligt, Sie haben davor in Wien schon Rathaus, Hofburg oder Stephansdom verschönert. In Niederösterreich haben Ihre Mitarbeiter das Stift Klosterneuburg oder Schloss Hof in neuem Glanz erstrahlen lassen. Wie ergab sich diese Spezialisierung auf Denkmalpflege?
Wolfgang Ecker: Schon meine Eltern waren in dieser Nische tätig. In der Erzdiözese Wien waren sie Haus- und Hofsteinmetze und pflegten seit meinem Geburtsjahr 1965 gute Geschäftsbeziehungen dorthin. Nach meiner Übernahme des Betriebs 1992 wuchsen und spezialisierten wir uns schrittweise weiter.

Seit vier Jahren gehört auch der burgenländische Steinbruch St. Margarethen zu Ihrer Unternehmensgruppe. Wie hat sich das ergeben?
Der Steinbruch ist im Besitz der Familie Esterhazy, wir betreiben ihn als Pächter. Durch unsere Verankerung in der Restaurierung waren wir langjähriger Kunde. Als sich die frühere Pächterin zurückzog, wurde uns ihre Nachfolge angeboten. Diese Chance nutzte ich und schloss dann einen neuen Vertrag mit den Esterhazys.

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Wolfgang Ecker mit Tochter Katharina, Ehefrau Petra und Tochter Alena (v. l.). Seine Gattin ist innerhalb der Unternehmensgruppe als Prokuristin tätig.
Richard Watzke

Wie hat sich der Einstieg in den elterlichen Betrieb für Sie gestaltet? Und wie bekommt man so viele Auftragsarbeiten an namhaften historischen Gebäuden?
Ich gründete 1989 meinen eigenen Betrieb, brachte drei Jahre später den elterlichen ein und übersiedelte von Wien an den heutigen Standort Traiskirchen in Niederösterreich. Mittlerweile umfasst die Unternehmensgruppe vier Firmen. Einerseits gibt es Ausschreibungskriterien, die wir als Spezialisten gut erfüllen können, andererseits vertraut uns die Erzdiözese durch die jahrzehntelange Kooperation sehr. Auch alle anderen Aufträge des öffentlichen Sektors bekommen wir über Ausschreibungen, diese ergeben sich durch unsere Erfahrung. Wir haben gute Voraussetzungen und Referenzen, bei Größe und Volumen mitbieten zu können.

Was war Ihr schwierigstes, was Ihr Lieblings-Projekt? Und wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit dem doch recht anspruchsvollen Bundesdenkmalamt?
Zu letzterem haben wir ein gutes Verhältnis. Wir wissen durch die jahrzehntelange Zusammenarbeit wechselseitig sehr genau, was der andere will und braucht. Eine Riesenherausforderung war der Kaskaden-Brunnen in Schloss Hof. Da gab es nichts. Er wurde um 1730 errichtet und Mitte des 19. Jahrhunderts wegen baulichem Verfall demontiert. Es gab nur alte Pläne und schwarz-weiß Fotos. Ein paar historische Teile wurden im Garten vergraben gefunden, die bauten wir ein. Ansonsten haben wir die Brunnenanlage komplett neu nach historischen Vorlagen aus Naturstein geschaffen. Die aufwendige Rekonstruierung und Wiedererrichtung fand 2016 und 2017 statt. Sehr ans Herz gewachsen ist mir die Votivkirche. Der letzte Bauabschnitt wird mit dem Nordturm 2022 abgeschlossen, dann waren wir fast 20 Jahre auf dieser Baustelle tätig.

Wir wissen durch die jahrzehntelange Zusammenarbeit wechselseitig sehr genau, was der andere will und braucht

Sie sind seit einigen Jahren auch an den Firmen des Tullnerbacher Konditors Herwig Gasser in Baden und Wien Auhof sowie am Wirtschaftspark Wolfsgraben beteiligt. Was hat Sie dazu motiviert?
Für mich ist es spannend, neben der eigenen Branche auch andere Abläufe kennenzulernen. Zudem liebe ich Mehlspeisen und bin immer wieder von Herwigs Kreationen begeistert. Manchmal darf ich neue Produkte auch vorkosten. Mittlerweile hat sich auch eine Freundschaft unserer Familien entwickelt. Beim Wirtschaftspark war mir wichtig, dass dieses Gebäude in meinem Heimatort weiter entsprechend benutzt wird und sich Betriebe in Wolfsgraben ansiedeln können.

Ihre Gattin Petra ist als Prokuristin in Ihrer Firma tätig, Ihr Sohn Daniel arbeitet als gelernter Steinmetz und studierter Bildhauer im Unternehmen mit. Was bedeutet Ihnen diese familiäre Zusammenarbeit?
Ich könnte nicht Wirtschaftskammer-Präsident sein, wenn meine Frau mich nicht in der Firma unterstützen und mir privat den Rücken freihalten würde. Mein Sohn lebt in Wien, er hat dort ebenfalls ein Atelier, ist aber auch öfter in Traiskirchen. Er interessiert sich für moderne, digitalisierte Maschinen und Werkzeuge, diesen Bereich nimmt er mir gerne ab. Vor über einem Jahr hat er uns auch erstmals zu Großeltern einer Enkelin gemacht.

Ich könnte nicht Wirtschaftskammer-Präsident sein, wenn meine Frau mich nicht in der Firma unterstützen und mir privat den Rücken freihalten würde

Ihre Sozialisierung in Richtung Wirtschaftskammer und Interessenvertretung geht bereits auf Ihre Lehrzeit zurück. Inwiefern?
Ich lernte in den frühen 80er-Jahren im Steinmetzmeisterbetrieb Oreste Bastreri bei Rudolf Sallinger, der damals Präsident der Bundeswirtschaftskammer war. Er war mehrmals wöchentlich selbst vor Ort, wir hatten Zeit zum Austausch und Plaudern. Und meine Mutter führte unseren Familienbetrieb nach dem frühen Tod meines Vaters als Witwenbetrieb weiter, sie saß in der Steinmetz-Innung und nahm mich mit. So wuchs ich schon sehr jung in die Organisation hinein und lernte sie von zwei Seiten kennen.

Und genau dieses duale System von Funktionären aus dem Unternehmertum und Mitarbeitern innerhalb der Kammer schätzen Sie besonders?
Die Unternehmer bringen aus ihrer betrieblichen Praxis die Inputs, die Mitarbeiter entwickeln dazu den fachlich-rechtlichen Rahmen. Auch meine Zeit in der Kommunalpolitik war sehr schön und lehrreich. Aber in der Interessenvertretung fühle ich mich noch mehr zu Hause.