Theresienfeld

Erstellt am 22. Januar 2019, 03:39

Teil 19: Das Leben auf der Insel Chiloé . Michaela und Alejandro Valle berichten über ihre Südamerika-Reise laufend im Internet auf NÖN.at. Hier finden sich auch aktuelle Videos, die die beiden unterwegs drehen.

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Ein längerer Aufenthalt auf Chiloé bringt viele Einblicke in das Leben der Menschen auf der Insel. Man verbringt viel Zeit miteinander und lernt sich sehr gut kennen. „Hier habe ich Dinge erlebt und gesehen, die ich bis dato nur aus den Erzählungen meiner Oma von früher kannte.

Auf der Insel leben die Menschen vom Fischfang, der Zucht von Muschel, besonders Austern und Miesmuscheln, der Aufzucht von Schafen, Kühen und Schweinen. Beinah jedes Haus hat zumindest einige Hühner im Garten für das tägliche Frühstücksei. Und so gestaltet sich auch das Leben hier auf der Insel: langsamer, entschleunigt, man lebt von den Produkten die auf der Insel produziert werden und importiert sehr wenig vom Festland. Man hat das Gefühl, die Zeit verläuft hier langsamer“, erzählt Michaela.

Auf der gesamten Insel sind Bauernhäuser, in deren Gärten oder auf den Weiden Schafe grasen, anzutreffen. Schafe und Kühe, Schweine und Hühner - in allen Variationen, Rassen und Farben sind hier zu finden. Michaela erzählt, dass man es auch schmeckt, dass die Tiere hier auf der Weide stehen, viel Auslauf, saftiges Gras und frische Luft bekommen. Das Fleisch ist viel schmackhafter, die Eier intensiver in Geschmack und das Dotter leuchtend gelb.

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Landwirtschaftliche Maschinen wie Traktoren trifft man hier nur sehr selten an. Die Bauern erledigen die Feldarbeit hauptsächlich mit einem Ochsen-Gespann, denn die Haltung ist günstiger, weniger wartungsintensiv und Zeit hat man hier auf der Insel genug.

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Auf einem ihrer Ausflüge begegnen die beiden einem Bauern, der gerade dabei ist, seine beiden Ochsen auf das Feld zu treiben. Er erzählt, dass dies sogar Stiere seien, also noch sehr temperamentvoll, aber sehr gut erzogen. Bei der kleinsten Bewegung des Bauern und seiner Rute reagieren die beiden und wechseln die Richtung.

Diese Arbeitsweise kennt man nur mehr aus alten Büchern und doch ist das hier auf Chiloé noch immer der übliche Alltag.

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Einige Wochen auf dieser Insel und man schaltet automatisch einen Gang zurück. Man erinnert sich an seine Wurzeln und lebt wie selbstredend im Einklang mit der Natur. Auch Michaela und Alejandro haben sich von der Lebensweise der Chiloten (so bezeichnen sich die Bewohner der Insel Chiloé) bezaubern lassen und gehen immer weniger im Supermarkt einkaufen.

Michaela bäckt ihr eigenes Brot, Alejandro holt die frischen Eier vom Hühnerstall im Garten von Tante Meme, sie süßen den Tee mit Honig der vom Nachbarn produziert wird und was nötig ist, wird beim kleinen Greißler um die Ecke anstatt im Supermarkt gekauft. Greißler oder Minimärkte gibt es in Chile noch in jedem Dorf, sogar in den Städten.

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Gekocht und geheizt wird hier auf der Insel hauptsächlich mit einer "cocina chilota". Zwar hat jeder Haushalt auch einen Gasherd angeschlossen, der aufgrund der hohen Gaspreise jedoch nur selten in Verwendung ist. Die cocina chilota wird ausschließlich mit Holz geheizt und versorgt die Küche und auch die Nebenräume angenehm mit Wärme. So kommt es auch, dass die meist groß angelegte Küche der zentrale Aufenthaltsraum der Bewohner ist.

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Auf den Tisch kommen hier sehr traditionelle Gerichte: von der kräftigen Hühner-Gemüse-Suppe, über Brathuhn und Milcaos, Empanadas aus dem Ofen oder frittiert und viel gegrilltes Rinderfleisch. Als Beilage gibt es hauptsächlich Erdäpfel in jeglicher Form, Farbe und Variation - die Chiloten sind bekannt für ihre knollige Feldfrucht. Chiloé gilt auch als Ursprungsland der Kartoffel.

Alle Teile der Serie findet ihr hier!