Raasdorf

Erstellt am 07. Dezember 2018, 07:19

von Michaela Fleck

Birnen, Beeren und Zigarren. Den „besten Likör des Landes“, sagt der Gault Millau, macht ein Obstbauer aus dem Weinviertel. Der macht aber auch noch eine Menge anderer feiner Brände – von sehr stark bis sehr fruchtig.

Kein U-Boot mit Bullauge, sondern ein Brennkessel bei der Arbeit: Seit 2007 brennt man am Obstbauernhof von Wilhelm Pohler Edelbrände, seit 2013 im kupfernen Schaukessel mit drei Destillierböden und Pelletsbefeuerung. Dem können Besucher nicht nur beim Destillieren zuschauen, sondern sich in Brennerei-Workshops auch selbst anVorlauf, Herzstück und Nachlaufversuchen.  |  Pohler

„Die Birne allein war mir zu fad. Die mussten wir verfeinern.“ Also kam der Holler hinzu. Und fertig war der „Likör des Jahres 2019“.

„Reife Birne“, „zarte Holunderblütennoten“ und „perfekte Balance“ schrieb der jüngste Gault Millau darüber. Und das Obstkulinarium im Weinviertler Raasdorf hatte schon wieder eine Auszeichnung mehr.

„Wir sind ja eigentlich Obstbauern“, erzählt Brennmeister Wilhelm Pohler. „Früher waren wir Ackerbauern, mit Kartoffeln und Zwiebeln.“ Da blieben nur die großen über, also musste man sich spezialisieren: auf das „andere Obst“, nicht die Erdbeeren und nicht den Spargel, die bzw. den die anderen hatten.

Von Marille bis Mirabelle und von Orange bis Spargel

Die Pohlers bauten lieber Marillen an, Mirabellen und Pfirsiche, Zwetschken und Himbeeren, Kirschen und Brombeeren. Haben heute gut zehn Hektar Obstfelder. Einen Hofladen. Und: an die 50 Sorten Edelbrände.

Pflegt die Obstbäume undSträucher, die Homepage unddie Brennerei im Weinviertler Raasdorf: Brennmeister Wilhelm Pohler.  |  Pohler

„Alles, was Zucker enthält“, hat Wilhelm Pohler schon gebrannt, die Klassiker von Marille bis Williamsbirne und von Kirsche bis Zwetschke, aber auch Mandarine und Orange, Karotte, Spargel, Topinambur. Auch zwei Gins. Von all dem brennt man in Raasdorf 1.000 Liter im Jahr, an Likören fast mehr. Die dürfen nicht zu süß sein, sondern auch Säure haben. Und die Brände sollten „hinten nach“ nicht zu scharf sein.

„Da braucht man Fingerspitzengefühl“, meint Wilhelm Pohler, „das ist Kunst – und Glück!“ Was sein Favorit sei? Das hänge davon ab, wie man gerade aufgelegt sei. Die Leute würden jedenfalls gerne zuschauen („das war uns wichtig“) in der Schau-Brennerei. Und gerne verkosten – auch seine Zweiermischungen, bei denen er neben der ausgezeichneten Birne mit Holunder auch Weichsel mit Chili oder Apfel mit Grapefruit im Programm hat.

„Zwetschke“, sagt der Bauer und Brenner, „ist ja auch ganz was Feines.“ Nur sei die ein bisschen in Verruf geraten, auch weil es früher „zu viel schlechte Qualität“ gegeben hätte. Zigarrenbrände gibt es in Raasdorf auch, nur hätten die mit Zigarren gar nichts zu tun, dafür aber mit der Stärke. „Das Einzige“, lacht der Chef des Familienbetriebs, „das Einzige, was uns fehlt, ist die Elsbeere…“