Streit um Fluglärm in Ebergassing. Die Bürgerinitiative klagt, dass ihre Beschwerde ignoriert wurde. Zu spät eingereicht, kontert das Dialogforum.

Von Otto Havelka. Erstellt am 01. Dezember 2019 (05:46)
Symbolbild
zVg Flughafen Wien

Kurt Bermann ist entrüstet: 200 Unterschriften hat er mit seiner Bürgerinitiative gegen den zunehmenden Fluglärm im Ort und insbesondere über der Siedlung „Herrschaftliche Breite“ gesammelt und beim Verein Dialogforum als Beschwerde deponiert.

Doch im jüngsten Evaluierungsbericht des Dialogforums, in dem neben Gemeinden, Flughafen und Austro Control auch Bürgerinitiativen vertreten sind, scheint die Unterschriftenliste nicht auf. „Es ist eine Schande und eine Unverschämtheit, wie hier sowohl vom Flughafen als auch vom Dialogforum vorgegangen wird“, ist Bürgerlisten-Initiator Kurt Germann entrüstet.

„Stimmt nicht“, kontert der Geschäftsführer des Dialogforums, Wolfgang Hesina. Die Unterschriftenliste sei schlicht und einfach zu spät vorgelegt worden, um im Evaluierungsbericht 2018 aufgenommen zu werden. Im nächsten Bericht werde sie selbstverständlich berücksichtigt, verspricht Hesina.

Fraglich ist allerdings, ob die Bürgerinitiative damit etwas bewirkt. Aufgrund des zunehmenden Flugverkehrs sei der durchschnittliche Lärmpegel in der Nacht zwar von 33 auf rund 44 db angestiegen. Er liegt damit aber noch immer unter den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, die für Flugverkehr in der Nacht bei 45 db liegt.
Dazu Bergmann: „Das sind Durchschnittswerte.“ Die akute Lärmbelastung liege bei jedem Flieger deutlich darüber. Er plädiert für ein Nachtflugverbot, wie es etwa in Zürich und Frankfurt praktiziert wird.

Tatsächlich ist das Dilemma vielschichtig. Zuletzt wurden die Flugrouten abgeändert, um etwa massiv betroffene Orte wie Velm zu entlasten. Das ging zu Lasten von Ebergassing oder auch Gramatneusiedl. Der Ärger in den betroffenen Gemeinden sei für Hesina nachvollziehbar, aber „wenn nicht hier, wo dann?“, fragt er.
Und auch ein Nachtflugverbot habe seine Tücken: Dann gebe es eben um 6 Uhr Früh drei bis vier Mal so viele Starts von Fliegern.