Billigflieger-Konkurrenz: AUA streicht über 700 Jobs. Der österreichischen Fluglinie drohen heuer und nächstes Jahr Verluste. Harter Sparkurs und Maßnahmenpaket soll 90 Millionen Euro jährlich einsparen und die Airline gegen die Konkurrenz wappnen.

Von Susanne Müller. Update am 07. November 2019 (14:23)
APA/Helmut Fohringer
Das Logo der Austrian Airlines (AUA) am Donnerstag, 07. November 2019, am Flugfafen Wien in Schwechat.

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AUA-Chef Alexis von Hoensbroech am Donnerstag, 7. November 2019, anl. der PK der Austrian Airlines AG (AUA) "Ergebnis 3. Quartal - Status quo Strategieprogramm und Wettbewerbssituation am Standort Wien" am Flughafen Wien-Schwechat. Foto: APA/Helmut Fohringer

"Die Billigflieger-Schwemme hat ein schädliches Ausmaß erreicht", erklärt Austrian Airlines CEO Alexis von Hoensbroech am Donnerstag nachdem bereits über Einsparungsmaßnahmen bei der Airline spekuliert worden war. Nach sechs Jahren in den schwarzen Zahlen und einem Rekordergebnis 2017 droht der österreichischen Fluglinie Austrian Airlines (AUA) heuer ein Verlust.

Schuld daran sei die Überflutung des Markts durch Billigflieger-Angebote. Der Markt befinde sich seit drei Jahren im Umbruch. Nach der Niki-Pleite sei der Restverkauf an Lauda Motion, die im Vorjahr vorerst als österreichische Lösung gefeiert worden war, zu einer "Mogelpackung" geworden, die "wie ein Trojanisches Pferd" die Billig-Airline Ryan Air nach Wien brachte. Heuer sind Lauda Motion, Wizz Air und Level mit insgesamt 24 Flugzeugen am Airport vertreten. "2019 sind 2,2 Millionen zusätzliche Sitze in Billigfliegern dazugekommen. Was das für uns bedeutet, liegt auf der Hand", rechnet Hoensbroech vor, dass sich dadurch deutliche Einbußen auf der Ergebnisseite zeigen würden.

Für 2020 ist eine neuerliche Verdoppelung der Billigflieger-Sitze prognostiziert. Erst vor sechs Wochen kam von Michael O'Leary zudem die Kampfansage, dass er mit Lauda Motion die AUA überholen wolle. "Wir müssen uns neu aufstellen, um im brutalen Wettbewerb gegen die Billigflieger zu bestehen", so Hoensbroech. Das Maßnahmen-Paket, das die Airline am Donnerstag vorstellte, sieht die Streichung von 700 bis 800 Planstellen vor.

Das ist bei einer Belegschaft von derzeit 7.038 Mitarbeitern jeder zehnte Job, der bis Ende 2021 wegfallen soll. Erreicht werden sollen die Einsparungen innerhalb von zwei Jahren vorwiegend über die natürliche Mitarbeiter-Fluktuation, die pro Jahr 200 bis 250 Personen ausmache. Darüber hinaus würden in den nächsten Jahren 170 von der Lufthansa ausgeborgte Nachwuchsflugzeugführer zurückgehen. Nichts desto trotz werde man damit den Jobabbau nicht zur Gänze decken können. Genaue Zahlen zu geplanten Kündigungen könne man derzeit aber noch keine nennen. 

In Summe sollen mit einem 300 Punkte umfassenden Maßnahmen-Paket Einsparungen von 90 Millionen Euro erreicht werden.  So sollen etwa Sachkosten reduziert werden, gewisse Abläufe, wie das Projektmanagement, intern zentralisiert werden. Durch Automatisierungen, etwa beim Gepäcks Check-In und durch Digitalisierungsmaßnahmen soll ebenfalls eingespart werden. 

Marktseitig will man sich jedenfalls "keinen Millimeter" zurückdrängen lassen, betonte CCO Andreas Otto. Die Airline will ihre 18 Turbo-Props (Propellermaschinen) sukzessive durch zehn Airbus 320-Maschinen ersetzen. Die ersten zwei zusätzlichen A320 sollen noch heuer kommen, vier weitere nächstes Jahr. Und im Streckennetz kommen mit Barcelona, Birmingham, Nürnberg, Rom und Zadar fünf neue Destinationen hinzu. Bei der Langstrecke wird Miami ab dem Sommer 2020 nicht mehr angeflogen. Ein Ersatz soll demnächst bekannt gegeben werden.