Wegen Lärm: Bürgerplattform fordert Nachtflug-Verbot. Bürgerplattform will rund um den Flughafen Schwechat Ruhe von 22 bis 6 Uhr. Im Dialogforum setzt man auf Beschränkung.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 21. Oktober 2020 (05:12)
Symbolbild
Kevin Kada

„Nachtfluglärm ist erwiesenermaßen die Ursache für viele Herz-Kreislauferkrankungen, Schlaganfälle oder Bluthochdruck“, hält Susanne Laschober fest. Sie fordert daher die Umsetzung eines Nachtflugverbots zwischen 22 und 6 Uhr. Das macht Laschober nicht nur als Sprecherin der Bürgerinitiative Rauchenwarth, sondern auch im Namen der Bürgerplattform „SOS Region Ost“ um Flughafenkritikerin Jutta Leth.

Im Vorjahr gab es in diesen acht Stunden 24.366 Starts und Landungen in Schwechat. Das sorgt bei Laschober und ihren Mitkämpfern für großes Unverständnis. „Jeder Flug in der Nacht ist einer zu viel. Nachtflugverbote in Zürich und Frankfurt funktionieren ja auch. Warum nicht bei uns“, fragt sich Laschober. Darüber hinaus würden die nächtlichen Flugbewegungen ausschließlich über die direkten Anrainergemeinden und nicht über Wien abgewickelt. „Es darf zu keiner Zwei-Klassen-Gesellschaft kommen“, betont die Rauchenwartherin.

Das Thema „Nachtflugverbot“ ist für Wolfgang Hesina kein neues. „Das haben wir in den vergangenen 15 Jahren bereits mehrmals diskutiert“, hält der Geschäftsführer des Dialogforum Flughafen Wien fest. Doch bisher hätten die Mitglieder im erweiterten Vorstand, in dem das Einstimmigkeitsprinzip herrscht, stets „zähneknirschend“ die derzeit geltende Nachtflugregelung bevorzugt. Diese besagt, dass zwischen 23.30 und 5.30 Uhr nur 4.700 Starts und Landungen pro Jahr erlaubt sind.

Nachtflugverbot ist „Diskussions-Alltag“

Zudem sind eineinhalb Stunden vor und nach dieser Kernzeit nur 48 Flugbewegungen pro Tag erlaubt. „In Frankfurt gibt es keine Beschränkung“, weiß Hesina. Gerade im Sommer, wenn man oft bis 23 Uhr auf der Terrasse oder im Garten sitzen könne, würde die Mehrbelastung enorm sein. Der Mediator ergänzt zudem, dass es am größten deutschen Airport trotz Nachtflugverbots rund 36.000 Starts und Landungen zwischen 22 und 6 Uhr gegeben habe. „Hier waren es nur 24.366.“

Vom Tisch sei ein Nachtflugverbot im Dialogforum deshalb aber noch lange nicht. So stellte die Arbeitsgemeinschaft gegen Fluglärm (ARGE) nach den steigenden Flugbewegungszahlen 2018 den Antrag, alle Vereinbarung betreffend Fluglärm noch einmal durchzugehen. Das werde im Dialogforum, wenn sich die Luftfahrt nach der Corona-Pandemie normalisiert, auch geschehen, betont Hesina. Denn: „Die Diskussion über ein Nachtflugverbot ist bei uns Alltag“.

Das wird die Aktivisten von „SOS Region Ost“ aber kaum besänftigen. Denn sie halten das Dialogforum für ein vom Flughafen gesteuertes Gremium.

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