Himberger Tierlabor als Chance gegen Coronavirus. In der Himberger Einrichtung der Medizinischen Universität Wien rüstet man sich für Forschungsaufträge.

Von Otto Havelka. Erstellt am 08. April 2020 (05:34)
In diesen individuell belüfteten Einheiten befinden sich pro Käfig drei bis fünf Mäuse.
MedUni Wien

Fast täglich gibt es mehr oder weniger euphorische Meldungen, es könne schon bald Medikamente zur Bekämpfung des Coronavirus geben. Doch bevor diese den Patienten verabreicht werden dürfen, müssen sie laut Gesetz in einem Tierversuch erprobt werden.

Bruno Podesser, Leiter des Zentrums für Biomedizinische Forschung.
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Mit der „Abteilung Labortierkunde & Genetik“ betreibt das Zentrum für Biomedizinische Forschung der Medizinischen Universität Wien in Himberg eine zentrale Zuchtanstalt für rund 10.000 Versuchstiere – vorwiegend Mäuse, aber auch Ratten, Meerschweinchen oder Kaninchen. Diese werden entsprechend dem jeweiligen Forschungsauftrag zum Teil auch mit genetischen Veränderungen gezüchtet. „Man kann für jede nur erdenkliche Krankheit genetisch veränderte Mäuse züchten“, erklärt Zentrumsleiter Bruno Podesser.

In hermetisch abgeriegelten Käfigen, die nach strengen Regeln des Tierschutzes gestaltet sind, werden die Versuchstiere den jeweiligen Forschungsprojekten zugeordnet. Bislang ist man im Himberger Labor nur mittelbar im Rahmen von Forschungsprojekten für Viruserkrankungen mit dem Thema Covid-19, der durch das Coronavirus verursachten Lungenerkrankung, befasst. „Es sind aber einige Forschungsprojekte die unmittelbar auf Covid-19 abzielen in Vorbereitung“, verrät Podesser. Diese müssten aber noch vom Wissenschaftsministerium genehmigt werden. Die Antragsteller seien Forscher der Medizinischen Universität Wien, oft in Kooperation mit anderen Forschungsgruppen aus Europa.

Letztlich sei es auch im Sinne des Tierschutzes vorteilhaft, „dass wir in Österreich Grundlagenforschung auf höchstem Niveau und mit hohen Standards auf Basis des strengen Österreichischen Tierschutzgesetztes anbieten“, betont Podesser. Das insgesamt 30 Mitarbeiter umfassende Zentrum für Biomedizin sei dabei ein Rad im wissenschaftlichen Uhrwerk und trage im Verein mit der Medizinischen Universität Wien dazu bei, „dass wir nicht nur auf Forschung im Ausland angewiesen sind, sondern diese auch selbst durchführen können“, so der Leiter.