Kulturgut: Heftiger Streit um Nestroy-Förderung. FPÖ und Johann Ertl lehnen Subvention nach Vorjahres-„Eklat“ kategorisch ab. Rest dafür.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 22. Februar 2019 (05:01)
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Goldfuchs‘ Sekretär Johann, gespielt von Florian Haslinger, nahm bei den Nestroy-Spielen 2018 in dem von Regisseur Peter Gruber eingebauten Couplet (satirisch-kritische Zusatzstrophe, Anm.) die türkis-blaue Bundesregierung aufs Korn. Das gefiel der Stadt-FPÖ schon damals nicht.

Ein Couplet gehört zu Johann Nestroy – da sind sich alle Parteien im Gemeinderat einig. Das satirisch-kritische Lied nahm schon zu Lebzeiten des österreichischen Theatergenies politische Themen gekonnt aufs Korn.

Allerdings sind sich vor allem die FPÖ und die rot-grüne Stadtregierung über deren Ausmaße uneins. Im Vorjahr sorgte das kritische Couplet von Regisseur Peter Gruber über die türkis-blaue Bundesregierung für einen Eklat. FP-Klubobmann Wolfgang Zistler und seine Parteifreunde verließen aus Protest zur Halbzeit die Generalprobe der Nestroy-Spiele. Daraufhin kündigte er an, dass die FPÖ der Theaterproduktion keine Förderung mehr zugestehen werde.

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Will die Nestroy-Spiele künftig nicht mehr fördern: FP-Klubchef Wolfgang Zistler.

Und die Blauen hielten Wort: Im Rahmen der Gemeinderatssitzung am Donnerstag lehnten FPÖ und Ex-Parteifreund Johann Ertl die alljährliche Subvention über 49.000 Euro ab. „Solange die Nestroy-Spiele für politische Hetze missbraucht werden, werden wir nicht mehr zustimmen“, unterstrich Zistler. Sein Fraktionskollege David John sah in der Ausformulierung des Vorjahres-Couplets sogar eine „Wählerbeleidigung“.

Wenig Verständnis für die freiheitliche Sichtweise zeigten die anderen Parteien. Grünen-Gemeinderat Valentin Barta war sogar überzeugt, dass sich Nestroy selbst bei der Argumentation der FPÖ „im Grab umdrehen“ würde.

Neben SPÖ und Grünen stimmten auch ÖVP und Neos dem Förderbetrag zu. „Ich bin froh, damit diese Institution weiter zu unterstützen“, unterstrich Kulturstadträtin Ljiljana Markovic (Grüne). Für sie sind die Nestroy-Spiele zudem ein „fixer und beliebter Bestandteil des Schwechater Kulturlebens“.