Ein ganz besonderer Sieg. Wings For Life World Run / Der gebürtige Waidhofner Thomas Pechhacker gewann die Premiere des Charityruns in Schweden. Der Grund für den Start: sein gelähmter Freund Wolfgang Illek.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 12. Mai 2014 (12:56)
NOEN, Red Bull Schweden
Das Ende des Bewerbs. Das Catcher Car überholte Thomas Pechhacker nach 3:37:30 Stunden und 50,5 zurückgelegten Kilometern. Foto: Red Bull Schweden
Laufen für diejenigen, die es selbst nicht können. So lautete das Motto des erstmals ausgetragenen Wings For Life World Runs, bei dem in 34 Rennen weltweit fast 50.000 Menschen für den guten Zweck die Laufschuhe schnürten.

Darunter auch der Waidhofner Thomas Pechhacker, der in seiner neuen Heimat Schweden an den Start ging. Und der Mostviertler hatte einen ganz besonderen Beweggrund, die Premiere in Angriff zu nehmen: Wolfgang Illek.

Alle Startgelder gingen in die Forschung

Der Waidhofner Mountainbiker stürzte vor zehn Jahren schwer und sitzt seither im Rollstuhl. Jetzt arbeitet Illek bei der gemeinnützigen Stiftung Wings For Life in Salzburg und ist sehr interessiert daran, die Rückenmarksforschung noch schneller voranzutreiben.

„Wolfgang ist so ein toller, glücklicher Mensch und es wäre so genial ihn zu sehen, wenn er einen Löffel normal in der Hand hält oder ihn stehen und ihn gehen zu sehen“, erklärte Pechhacker die Motivation für seine Teilnahme. Schließlich gehen alle Startgelder und Spenden - in Summe drei Millionen Euro - direkt in die Forschung.

Der Bewerb selbst war für Pechhacker eine große Herausforderung, denn mehr als 30 Kilometer am Stück war er im Training oder Wettkampf noch nie gelaufen. Sein Ziel für den World Run war daher klar umrissen: einen Marathon unter drei Stunden laufen. „Dann werde ich sehen, wie es sich anfühlt“, betonte er.

Bilder des Freundes zusätzlicher Ansporn

Vor dem Start in Kalmar bekam Thomas Pechhacker dann noch einen ganz besonderen Motivationsschub. Auf einer Leinwand wurden die Rollstuhl-Bewerbe aus verschiedenen Ländern eingespielt. „Ich habe beim Bewerb in Österreich meinen Freund Wolfgang im Rollstuhl hart kämpfen sehen, aber mit einem Grinsen. Da habe ich feuchte Augen bekommen“, schilderte Pechhacker die bewegenden Momente.

Nach den ersten fünf Kilometern in 21:24 Minuten erhöhte eine fünf-Mann-Gruppe das Tempo. Pechhacker lief mit zwei weiteren Athleten dahinter mit einem immer größer werdenden Abstand zur Spitzengruppe. Ohne Stress genoss der Wahl-Schwede die vielen Menschen entlang der Strecke und die wunderschöne Landschaft auf der Insel Öland.

Auch schwedische Sportprominenz wie Langlauf-Olympiasieger Marcus Hellner oder Läufer Mustafa Mohamed ließ Pechhacker auf den folgenden Kilometern hinter sich. Von Kilometer 25 an lag der Waidhofner alleine auf Platz vier, zehn Kilometer später schon auf Rang drei und weitere fünf Kilometer später auf Platz zwei. „Dann fing es an hart zu werden, aber ich habe den Marathon in 2:59 geschafft. Mein Ziel war erreicht und so habe ich die Geschwindigkeit verringert und nur gehofft, dass mich das Catcher Car bald einholt“, fasste Pechhacker den Rennverlauf zusammen.

Am Ende müde, aber fröhlich und glücklich

Die gedrosselte Geschwindigkeit gehörte aber schnell wieder der Vergangenheit an, denn bei Kilometer 44 sah Pechhacker den Führenden etwa 500 Meter vor ihm gehen. Das gab weitere Motivation und bei Kilometer 48 lag Pechhacker bereits an der Spitze. „Ich habe gewusst, ich habe maximal 15 Minuten bis mich das Auto überholt. Das funktioniert.“

Mit einem Kilometerschnitt von 4:30 Minuten vergrößerte Pechhacker den Vorsprung auf seinen Verfolger. Nach 3:37:30 Stunden und 50,5 Kilometern war das Rennen dann zu Ende. „Ich war muskulär sehr müde, aber sehr fröhlich und glücklich“, strahlte der Sieger über den unerwarteten Erfolg.

Auf der Rückfahrt nach Kalmar war Pechhacker dann mit seinen Gedanken wieder ganz bei Wolfgang Illek. „Ich wurde gefragt, warum ich teilgenommen habe. Es war ein tolles Gefühl in Schwedisch die Geschichte von Wolfgang zu erzählen und dass alles einen Hintergrund hat“, so Pechhacker, der sich von der Idee des World Runs schwer begeistert gab: „Es war toll, Teil eines unbeschreiblich tollen Wettkampfes zu sein.“