Ex-Funktionär klagte „Sokol“-Präsident. Aleksandar Jovanovic zog wegen „übler Nachrede“ gegen Peter Kutschera vor Gericht – Freispruch.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 05. April 2018 (02:30)
„Sokol“-Chef Peter Kutschera steht zu seinen Aussagen.Eichstädt
Peter Eichstädt, Peter

Der ehemalige SVS-Volleyballverein „Sokol“ ist sportlich gut unterwegs. Im kleinen Finale der Damen-Liga schlägt „Volleyball Niederösterreich Sokol“, wie der Schwechater Verein nun heißt, am kommenden Wochenende auf. Die U19-Mädchen konnten sich sogar den Staatsmeistertitel sichern.

Aleksandar Jovanovic zog wegen einer E-Mail gegen Kutschera vor Gericht.
privat

Doch abseits des Volleyballplatzes gibt und gab es für „Sokol“ einige Baustellen. Allen voran der Skandal im Vorjahr rund um einen Trainer des Vereins, der minderjährige Mädchen sexuell missbraucht hat. Vor knapp eineinhalb Wochen musste sich Vereinspräsident Peter Kutschera dann vor Gericht selbst verantworten. Er wurde vom ehemaligen Nachwuchskoordinator und Trainer, Aleksandar Jovanovic, wegen übler Nachrede verklagt.

Zur Vorgeschichte: Jovanovic legte mit Juli des Vorjahres alle Funktionen bei „Sokol“ zurück. „Es gab unterschiedliche Vorstellungen über meinen Tätigkeitsbereich“, berichtet der Simmeringer im NÖN-Gespräch. Doch die Trennung verlief anschließend nicht so friktionsfrei wie anfangs vermutet. Denn Kutschera verschickte kurz nach Jovanovic‘ Abgang eine vorwurfsvolle E-Mail an alle Funktionäre im Verein. „Ich soll eine Trainerin psychisch attackiert, erniedrigt und beschimpft haben“, berichtet der ehemalige Funktionär über den Inhalt. Das sei falsch, er habe sich lediglich von der Tribüne aus das Spiel angeschaut.

Ex-Nachwuchschef will in Berufung gehen

Aufgrund der E-Mail entschloss er sich, zu klagen. „Ich bin Lehrer und so einen Vorwurf kann ich nicht im Raum stehen lassen“, betont Jovanovic. Allerdings musste der Simmeringer am Bezirksgericht Schwechat eine Niederlage einstecken. Kutschera wurde freigesprochen, der Ex-Funktionär will aber in Berufung gehen.

„Sokol“-Präsident Peter Kutschera erläutert auf Anfrage der NÖN, das die Causa rund um den Missbrauchsskandal zu einer erhöhten Aufmerksamkeit seinerseits geführt habe. „Nachdem ich von der Anklage erfahren habe, fragte ich einen Polizisten, wie man solche Leute frühzeitig erkennen könne. Er meinte, ich muss sie genau beobachten und eine rote Linie ziehen“, erzählt er.

Als er beobachtete, dass sein ehemaliger sportlicher Leiter eine junge Trainerin „respektlos und herabwürdigend“ behandelt habe, sei er eingeschritten. „Er hat auch deren U15-Spieler-innen oft zum Weinen gebracht. Ich hab es als meine Verantwortung gesehen zu handeln“, so Kutschera. Er stehe weiterhin inhaltlich voll hinter seinen Aussagen, in der zur Gerichtscausa mutierten E-Mail.

Einen Vergleich mit Jovanovic hat er übrigens ausgeschlagen, um seine volle Unschuld beweisen zu können. „Damit ich nicht ständig weiterhin wegen übler Nachrede verklagt werden kann“, hält Kutschera fest.