Vereinssterben: Petronell kratzt die Kurve. Immer mehr Klubs verabschieden sich aus dem Ligabetrieb. Die NÖN beleuchtet die Situation im Bezirk.

Von Christopher Schneeweiß, Raimund Novak und Alexander Wastl. Erstellt am 24. Juli 2019 (03:49)
Christopher Schneeweiß
Keine Spur von Amtsmüdigkeit. Goalgetter Stefan Böhm (45) geht für den ASV Petronell auf Torejagd. Vergangenes Jahr musste der Verein seinen Spielbetrieb einstellen. Jetzt meldete der wiedererstarkte ASV zwei Mannschaften an und möchte neu durchstarten.

Dem NÖ-Fußballverband gehen die Vereine aus. Seit Jahren geht die Zahl der Fußballklubs im Ligabetrieb zurück (siehe Grafik rechts) – auch den Brucker Klubs geht‘s nicht immer rosig.

Der SC Ebergassing blickt nach wie vor in eine ungewisse Zukunft. Bis vor kurzem hielten sich die Gerüchte, dass der Klub, der heuer sein 100-jähriges Bestandsjubiläum feiert, kurz vor dem Ende steht. Ein Schuldenberg, der nur schwer abzuarbeiten ist, eine Spielerflucht und der Rücktritt des gesamten Vorstandes erhärteten diesen Verdacht. Nachdem die Kassa bei der Generalversammlung nicht entlastet wurde und kein neuer Vorstand gebildet werden konnte, ist bis heute noch keine endgültige Entwarnung gegeben worden.

„Wir gehören nicht zu den Toten, sondern zu den Auferstandenen!“ Hannes Piesel, Sektionsleiter des ASV Petronell, freut sich über seinen wiedererstarkten Fußballverein

Erst 2018 „erwischte“ es den ASV Petronell . Der Verein blieb zwar bestehen, musste aber den Spielbetrieb aus finanziellen Gründen einstellen. Heuer gelang dem Verein das Comeback und es wird eine neue Truppe in die 2. Klasse Ost geschickt. „Eigentlich bin ich der falsche Ansprechpartner für dieses Thema. Wir gehören nicht zu den Toten, sondern zu den Auferstandenen“, kann Petronell-Sektionsleiter Hannes Piesel nach einem Jahr Fußball-Abstinenz wieder lachen. Warum Vereine in die Schieflage kommen und gar zusperren müssen? „Geld- und Funktionärsmangel. Mehr braucht man dazu nicht sagen“, so Piesel. Umso erstaunlicher ist es nun, dass Petronell wieder zwei Mannschaften stellen kann. „Wir haben 25 Leute am Training. Es geht wieder aufwärts.“ Wie man wieder in die Spur kommen kann? „Ganz einfach: Man braucht viele Funktionäre im Verein. Und man muss mit dem Budget haushalten können“, spricht Piesel Klartext.

Der ASC Götzendorf musste 2013 seine Landesliga-Mannschaft aus den Bewerb zurückziehen. Die finanzielle Schieflage machte diesen Mega-Schritt notwendig. Der Verein war am Boden zerstört, ging aber später mit den ASC Oranjezz Götzendorf in einem neuen Projekt auf. Von einer reinen Hobbytruppe mauserte sich diese Mannschaft schnell zu einem Fixpunkt in der 2. Klasse Ost, packte schließlich den Aufstieg und spielt mittlerweile in der 1. Klasse Ost.

Heftiger geht es im Nachbarbezirk Baden zur Sache. Der SV Mitterndorf zog seine Kampfmannschaft nach der letzten Saison zurück, wird bis auf Weiteres nicht in der 2. Klasse Ost-Mitte antreten. Vor vier Jahren gab es mit den Altenmarkter Herren in der 2. Klasse Triestingtal ein weiteres „Opfer“.

Der Blick über die Bezirksgrenze hinaus nach Mödling zeigt ein ähnlich tristes Bild: Der ASV Hinterbrühl verabschiedete sich Mitte der abgelaufenen Saison aus dem 2.-Klasse-Ost-Mitte-Bewerb, im Jahr 2015 entschied sich der damalige SC Mödling (nunmehr VfB) für einen Rückzug der Kampfmannschaft – nach einjähriger Pause kehrte man aber immerhin wieder zurück.