Trainer filmte Spielerinnen heimlich beim Umziehen. Damentrainer aus dem Mostviertel hat Spielerinnen heimlich beim Umziehen gefilmt. Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein. Das sorgt für Unverständnis bei den Opfern.

Von Christian Eplinger und Raimund Bauer. Erstellt am 05. März 2019 (19:39)
shutterstock.com/Adam Radosavljevic

Es war im Herbst des Vorjahres. Zwei 19-jährige Fußballerinnen einer Mostviertler Damenmannschaft absolvierten ein Sondertraining.

Ihr 27-jähriger Co-Trainer hielt Nachschau und legte bei der Gelegenheit seine Jacke in die Umkleidekabine der Damen – inklusive seines Handys mit aktiviertem Kameramodus.

Die beiden Spielerinnen entdeckten dies nach dem Duschen und sogar noch mehr. „Am Handy war ein Video von uns beim Umziehen und als wir nackt in die Dusche gegangen beziehungsweise aus dieser gekommen sind“, schildern die beiden gegenüber der NÖN.

„Wir haben auch privat viel gemeinsam unternommen. Dieses Vertrauensverhältnis hat der Co-Trainer ausgenützt – dafür kommt er ungestraft davon?“Die beiden 19-jährigen Opfer zweifeln am Rechtssystem.

Einen Tag nach diesem Ereignis und nach einem Gespräch mit ihren Eltern erstatteten sie Anzeige. Die Staatsanwaltschaft St. Pölten ermittelte zunächst wegen pornografischer Darstellung Minderjähriger und wegen Datenverarbeitung in Gewinn- oder Schädigungsabsicht.

Nach Urgenz der Anwältin der Mädchen kamen Ermittlungen wegen Körperverletzung hinzu. „Nach dem österreichischen Strafrecht sind psychische Beeinträchtigungen grundsätzlich mit physischen gleichzusetzen“, erklärt Anwältin Valentina Murr von der Kanzlei Wiese-Murr aus Pöchlarn.

Alle drei Ermittlungverfahren eingestellt

Alle drei Ermittlungsverfahren wurden jedoch von der Staatsanwaltschaft jetzt eingestellt.

„Für die Einstellung der ersten beiden Punkte habe ich noch Verständnis. Reine heimliche Filmaufnahmen ohne pornografischen Content sind anders als etwa in Deutschland bei uns nicht strafbar. Gegen die Einstellung des Verfahrens wegen Körperverletzung habe ich allerdings einen Fortführungsantrag eingebracht“, erklärt Rechtsanwältin Murr.

Eine Spielerin befindet sich seit dem Vorfall in psychotherapeutischer Behandlung, die Zweite beginnt eine solche gerade.

„Wir leiden seit dem Vorfall unter massiven Schlaf- und Angststörungen. Das Geschehene beschäftigt und belastet uns."

„Wir leiden seit dem Vorfall unter massiven Schlaf- und Angststörungen. Das Geschehene beschäftigt und belastet uns. In einer öffentlichen Kabine empfinden wir extremes Unbehagen. Unser Co-Trainer, der auch eine große Vertrauensperson für uns war und mit dem wir als Mannschaft privat viel unternommen haben, hat dieses Vertrauensverhältnis missbraucht“, schildern die beiden.

Gestellte Aufnahme: Bauer
Das Handy versteckte der Trainer in der Jacke beziehungsweise der Sporttasche.

Eine Spielerin hat mittlerweile jeglichen Mannschaftssport aufgegeben. Mit dem Fußballsport hat sie total aufgehört und wird ihn auch nie mehr ausüben. Das ist für sie gewiss, obwohl „ich, seit ich ein kleines Kind war, immer gerne Fußball gespielt habe. Dieser Vorfall hat mir jeden Spaß am Sport genommen.“

Das zweite Opfer spielt mittlerweile zwar wieder Fußball in der Damenmannschaft, da sie sich ihr Hobby von dem Täter nicht nehmen lassen will, doch die Freude ist schaumgebremst. Unfassbar sei für sie aber noch immer, dass das Delikt laut österreichischem Recht nicht strafbar ist, sondern erst bei einer Veröffentlichung des Filmmaterials ein Vergehen vorliegen würde. „Gerecht ist das nicht“, befinden die beiden 19-Jährigen.

Co-Trainer gestand

Der Co-Trainer hat übrigens diese und weitere vier bis fünf ähnliche Filmaufnahmen in den vergangenen drei Jahren gestanden. Warum er das gemacht habe, könne er sich aber selbst nicht erklären, gab er bei der Einvernahme durch die Polizei an.

Beim Verein bedauert man diesen Vorfall und hat auch sofort nach Bekanntwerden im Herbst reagiert. „Wir haben den betroffenen Trainer sofort suspendiert und aller Ämter und Funktionen enthoben. Gleichzeitig gab es Gespräche mit den beiden Spielerinnen, den Eltern und der gesamten Mannschaft. Wir haben als Verein auch nie gedacht, dass so etwas vorkommen könnte. Aber man kann nicht in jeden hineinschauen“, sagt der betroffene Vereinsobmann im NÖN-Gespräch.

Vereinsintern sei der Fall damit abgeschlossen. „Das ist nun Sache des Rechtssystems.“ Genau an dem zweifeln derzeit die beiden 19-jährigen Opfer.