Drösing ist das „Gallische Dorf“. Die 2.-Bundesliga-Herren aus dem Bezirk Gänserndorf bieten der oberösterreichischen Übermacht die Stirn und stehen kurz vor dem Aufstieg.

Von Peter Sonnenberg. Erstellt am 23. Juni 2021 (02:39)
Top in Form. Die Drösinger 2.-Bundesliga-Herren Yannick Höß, Johannes Gahm, Peter Waditschatka (hinten von links), Paul Waditschatka, Fabian und Konstantin Stohl (vorne von l.) mit Trainer Andreas Hyusza (l.) und seinem „Co“ Martin Stohl (r.).
privat, privat

Ganz Faustball-Österreich wird von Oberösterreich dominiert. Ganz Österreich? Nein, ein kleines Dorf im Weinviertel leistet hartnäckigen Widerstand und ist auf bestem Weg, die Phalanx der OÖ-Vereine zu brechen. Die Rede ist vom ÖTB TV Drösing.

Mit acht Siegen aus acht Spielen führen die Drösinger souverän die 2. Bundesliga der Herren an. Weil neben dem eigenen 4:0-Erfolg gegen Polizei/Jedlsee am Samstag auch der größte Konkurrent Waldburg überraschend verlor, steht man unmittelbar vor dem Aufstieg in Österreichs oberste Spielklasse. Und dort spielen – mit Ausnahme des Gastvereins SSV Bozen – nur oberösterreichische Vereine. Übrigens sind auch die einzigen noch verbliebenen 2.-Bundesliga-Konkurrenten der Weinviertler, erraten, aus dem Nachbarbundesland.

Heuer wird die Feld-Meisterschaft in einem Durchgang von 13 Runden gespielt, die Top zwei steigen in die 1. Bundesliga auf. Der Vorsprung auf einen Nicht-Aufstiegsplatz beträgt jetzt bereits sechs Punkte, dennoch mahnt Trainer Andreas Huysza zur Vorsicht: „Das hat noch nichts zu sagen, aber es schaut natürlich sehr gut aus. Obwohl mir das alles eigentlich viel zu schnell geht (lacht).“

Jüngstes Team der Bundesliga

Stiegen die Drösinger doch erst 2019 in die 2. Bundesliga auf und absolvieren 2021 ihre erste vollständige Saison, da davor Corona-bedingt ohne Auf- und Absteiger gespielt wurde. „Das war ein großer Vorteil für uns, so konnten sich die Burschen gut weiterentwickeln und haben Selbstvertrauen sammeln können.“

Drösing ist das mit Abstand jüngste Team der Bundesliga: Konstantin Stohl ist 16 Jahre alt, Peter Waditschatka 17, Fabian Stohl, Yannick Höß und Paul Waditschatka jeweils 18, einzig Johannes Gahm ist über 20 und mit 25 der „Senior“ im Team. Wie kann eine auf dem Papier so unerfahrene Truppe die Liga derart aufmischen? Wir haben Antworten gefunden:

Die Eingespieltheit

Die Mannschaft spielt seit der Unter-12 durchgehend zusammen und erntet jetzt die Früchte der jahrelangen Aufbauarbeit. Zunächst betreute Martin Stohl die Burschen, ab ihrem Umstieg in den Erwachsenenfaustball übernahm Huysza. Kein Wunder, dass blindes Verständnis herrscht – und das nicht nur, weil zwei Brüderpaare (Stohl und Waditschatka) in der Mannschaft sind.

Die Einstellung

Alle Burschen sind trotz ihres jugendlichen Alters extrem fokussiert, zielstrebig und ehrgeizig, wollen unbedingt in die Bundesliga – und ordnen diesem Ziel alles unter. „Für mich ist da schon sehr viel Reife vorhanden, wir haben auch früh, nämlich schon im März, mit dem Training losgelegt, weil sich alle bestmöglich vorbereiten wollten“, weiß Huysza.

Die Vergangenheit

Der ÖTB Drösing war in den letzten Jahrzehnten immer wieder in der 1. oder 2. Bundesliga und hat eine Tradition als hochklassiger Standort. „Wir bringen alle zehn Jahre eine goldene Generation hervor, jetzt ist es wieder soweit“, meint Huysza. Bestes Beispiel: dass Fabian Stohl und Höß in den österreichischen Nationalteamkader für die Unter-18-WM im Juli in Grieskirchen nominiert wurden.

Der Stil

In Faustballkreisen kursiert der Begriff „Drösinger Stil“. Was ist damit gemeint? Eine saubere Technik, die alle Kinder und Jugendlichen von klein auf lernen und jahrelange Übung braucht. „Das ist unsere Philosophie, auch wenn wir wissen, dass das viel Geduld braucht“, stellt Huysza klar. Ihm ist auch wichtig, dass der Verein alle Klassen im Nachwuchs besetzt und die Trainer alle dementsprechenden Ausbildungen haben. „Nur wenn die Basis passt, kann es in Richtung Spitze gehen.“