Thomas Nausner zwölf Stunden live im TV. Thomas Nausner (57) vom Union Lauftreff Deutsch-Wagram versuchte sich im Juni beim Comrades Marathon in Südafrika. Das eine Finish beim Kultlauf ist ihm aber auch genug.

Von David Aichinger. Erstellt am 17. Juli 2019 (01:58)
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Blau wie international. Thomas Nausner mischte sich in Südafrika unter die vielen Einheimischen, die eine weiße Startnummer haben.

Außergewöhnliche Laufgeschichten sind in der Weinviertler Szene keine Seltenheit: Zu groß ist das Feld an Ausdauerbegeisterten, zu verrückt sind ihre Ideen, wo und wann man überall teilnehmen könnte.

Beim Hohenauer Sommerlauf vor eineinhalb Wochen lauschten viele den Worten von Thomas Nausner (57), denn das Mitglied des Union Lauftreff Deutsch-Wagram nahm im Juni einen ganz besonderen Bewerb in Angriff: den Comrades Marathon in Südafrika. Dessen Eckdaten klingen schon monumental: 98 Jahre Tradition, rund 90 Kilometer, zwölf Stunden, 19.000 Starter. Dem nicht genug, werden die vollen zwölf Stunden des Kultlaufs im süd afrikanischen Fernsehen übertragen. Und um sich zu qualifizieren, muss man im Jahr davor einen Marathon gelaufen sein – unter fünf Stunden.

"Es ist ein einziges Volksfest"

Lohn für all diese Strapazen war die kultige Szenerie, die Nausner am Weg von Küstenort Durban nach Pietermaritzburg im Landesinneren erlebte: „Es ist ein einziges Volksfest. Du rennst durch viele Vororte, überall wird gegrillt, es gibt Bier, die Leute sind auf der Straße.“

Wirklich genießen konnte der Wiener das freilich aber auch nicht, denn der Lauf ging an die Substanz. „Es geht die ganze Zeit bergauf und bergab. Gerade ist es fast nie“, erzählt Nausner. Grundlegend ging es heuer steil bergauf: Der Start lag auf sechs Metern Höhe, das Ziel auf 600. Im kommenden Jahr wird wieder in die entgegengesetzte Richtung gelaufen. Ob er sich bewusst die gefühlt schwierigere Variante ausgesucht hat? Nausner lacht und antwortet so: „Ich wollte letztes Jahr schon mitmachen, aber da war ich zu spät mit der Anmeldung.“ Nach den Erfahrungen des heurigen Rennens störte ihn das allerdings wenig: „Mir ist die Bergauf-Variante sogar besser gelegen. Es hat sich herausgestellt, dass die Bergabstücke viel schlimmer waren als das Bergauflaufen. Das war das größte Problem, dass die Muskeln da locker bleiben.“

So locker, dass Nausner in 11:29 Stunden finishte – vor der gefürchteten Zwölf-Stunden-Marke, an der das Rennen für alle zu Ende ist, ob im Ziel oder nicht. Der 57-Jährige nahm also eine Finisher-Medaille mit nach Hause, es wird aber die einzige bleiben. In Zukunft will er wieder kürzere Strecken laufen – wie beim Weinviertler Laufcup.