Rainer Predl: "Stand nicht mehr in Relation". Am späten Mittwochabend musste Extremsportler Rainer Predl seinen Weltrekordversuch nach viereinhalb von 14 Tagen abbrechen. Wenige Stunden nach der Rückkehr aus dem Spital sprach er mit der NÖN über den Grund der Aufgabe, den Begriff "scheitern" und über die nächsten Tage.

Von David Aichinger. Erstellt am 14. Februar 2019 (13:50)
Manuel Mattes

1.793 Laufband-Kilometer in 14 Tagen – genau das wollte der Lasseer Rainer Predl von 9. bis 23. Februar im Gänserndorfer Fitnessstudio MegaFit schaffen. Die NÖN begleitete den Weltrekordversuch mit einer täglichen Serie auf nön.at. Am Mittwochabend ging die außergewöhnliche Aktion des ebenso außergewöhnlichen Athleten aber vorzeitig zu Ende.

NÖN: Zunächst natürlich die wichtigste Frage: Wie geht’s dem Bein, wie geht’s der Gesundheit?

Rainer Predl: Dem rechten Bein geht es extrem gut, dem linken Bein geht’s nicht gut (lacht). Das linke Bein hat ab dem zweiten Tag angefangen sich zu entzünden. Am Anfang war es die Sohle, dann ist es langsam raufgewandert, weshalb wir uns dann entschlossen haben, das Ganze im Blick zu behalten. Wir haben es dann eben auch so gemacht, dass wir mit einem Edding punktuell gerahmt haben, ob sich die Entzündung ausbreitet oder nicht. Am Anfang hat es ein bisschen stagniert, weil ich eben viel gegangen bin und gekühlt hab. Nach einer gewissen Zeit ist es aber stärker geworden. Als wir dann gesehen haben, dass so ein Strich rot geworden ist, sprich dass so eine Blutbahn entlang quasi rot raufgegangen ist, war eben die Vermutung mit einer Infektion. Wir haben gesagt wir fahren ins Spital, schauen einmal was die Ärzte sagen, vielleicht bewahrheitet es sich ja nicht. Die Wahrscheinlichkeit war aber zu 80 Prozent da, weil das nicht normal ist, und schlussendlich war’s dann auch so. Ich bin dann dort medikamentös behandelt worden, um das Ganze zu lindern, damit die Bakterien nicht den Körper und die Organe angreifen. Und für mich war so oder so klar, egal ob ich jetzt rein aus Schmerzen Medikamente nehme, oder eben gerade durch so etwas extremes, es wird nicht mehr gestartet, da wird sofort abgebrochen. Mit diesem bakteriellen Anfall gab es tausend Gründe sofort zu beenden. Da haben wir nicht lange gefackelt.

Also die Entscheidung ist Ihnen anhand der Umstände nicht schwer gefallen?!

Predl: Genau. Also mir persönlich als Sportler ist sie gar nicht schwer gefallen. Sicherlich, es steckt extrem viel Arbeit dahinter so einen Weltrekord zu organisieren. Natürlich auch die ganzen Sponsoren, Medien, Pfotenhilfe, die uns da unterstützen und die Aufwände betreiben, das ist ja auch nicht selbstverständlich. Aber schlussendlich bringt es niemandem etwas wenn dann Schlimmes passiert. Sport soll Spaß machen, es soll ja für die gute Sache sein. Und ich glaub da kann uns jeder verstehen, Zuschauer, Fans, dass das nicht mehr in Relation steht.

Wie geht es der Seele? Haben Sie irgendwie das Gefühl gescheitert zu sein?

Predl: Gescheitert in dem Sinn nicht, nein (lacht). Ich sage: die zwei Wochen hätten funktioniert, wenn es anders gelaufen wäre. Darum ist die Frage, ob wir es noch einmal machen. Ich möchte es jetzt nicht bestätigen (lacht). Also ich lasse mal alles offen. Es wird auf alle Fälle weiterhin den Läufer Rainer Predl geben, ich lass mich dadurch jetzt nicht abschrecken – auch wenn wir jetzt momentan einen sehr langen, wie soll man sagen, Trockenweg haben mit Scheitern, aber das gehört halt im Sport dazu. Es gibt viele Höhen und viele Tiefen. Ich hab jetzt momentan natürlich viele Tiefen, diese gilt es zu überwinden. Die Seele ist leicht angeknackst, aber mein Gott, ich werd den Spaß weiterhin nicht verlieren. Das passt schon so.

Wie wird es jetzt weitergehen die nächsten Tage und Wochen?

Predl: Also ich werde einmal viel Essen. Ich hab ja – ich wollte gestern eine Pizza essen. Ich hab gesagt ich mach jetzt Pause, ich fress eine Pizza, bis dann die Linda (Predl’s Betreuerin und Freundin, Anm.) zu mir gekommen ist und gesagt hat wir fahren ins Spital. Sie hat dann sogar geweint, also ihr ist es wirklich nahe gegangen, weil sie die Entscheidung getroffen hat. Ich hab halt gedacht: sch***** meine Pizza (schmunzelt). Da siehst du, die Relation war komplett anders, ich hab es ganz anders aufgenommen als es meine Betreuer aufgenommen haben. Für die war das eigentlich viel mehr ein Verlust als für mich. Die Tage schauen jedenfalls so aus, dass ich mich erholen werde. Ich werd' wenig Anstrengung machen, mich sicherlich mit meiner Freundin zurückziehen, die Tage genießen, Weißwurst essen (lacht) und solche Sachen. Und wir bleiben jetzt noch im Fitnessstudio, weil wir morgen (Freitag, 16 Uhr, Anm.) noch die große Buchpräsentation haben. Und auch persönlich möchte ich dann den Zuschauern das Ganze genauer erklären. Wie die 400 Kilometer waren, es war ja nicht alles negativ. Es waren viele positive Sachen, es waren viele schöne Sachen. Auch in dieser kurzen Zeit komprimiert war das schon geil.

Man muss sagen, es ist ja trotzdem eine irre Distanz, die Sie da absolviert haben.

Predl: Genauso ist es. Alleine das, und auch die ganzen Begleitläufer, die Bobby-Car-Rennen, also es war in diesen paar Tagen echt viel los.