Race Across Australia: Kängurus säumten Meixners Weg . Nach neuneinhalb Tagen beendete Alexandra Meixner das Race Across Australia vor der Oper in Sydney. Ihre eindrucksvollen Erlebnisse auf 3.966km schildert sie der NÖN.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 17. April 2019 (00:45)
privat
Jubel vor dem Sydney Opera House. Xandi Meixner und ihre Crew unmittelbar nach der Zielankunft.

Ob Alexandra Meixner sich je an das Gefühl, einen neuen Weltrekord aufgestellt zu haben, gewöhnen wird? Nach dem mittlerweile sechsten in fünf Jahren könnte man diesbezüglich schon mit etwas Routine rechnen. Die seit Donnerstag (vorerst noch inoffiziell) schnellste Frau, die jemals im Fahrradsattel Australien durchquert hat (NÖN.at berichtete), verneint aber. „Es ist immer wieder etwas Besonderes. Die Herausforderungen sind ja auch immer andere. Es jedes Mal wieder etwas ganz Neues, ganz Schönes.“

Ganz neu war diesmal Australien. Der Kontinent faszinierte Xandi & Co. mit seiner außergewöhnlichen Natur, dem weitläufigen Outback und nicht zuletzt Kängurus – vielen Kängurus. Die Beuteltiere waren ein ständiger Begleiter. Ob lebendig als Hindernisse im Straßenverkehr oder zu Hunderten tot am Straßenrand als makabre und olfaktorische Begleiter. „Mit dem Wohnwagen haben wir eines erwischt, zweimal musste ich sogar mit dem Rad stehenbleiben, um eine Kollision zu vermeiden. Dann sitzt es vor dir, schaut dich an, hüpft aber nicht weiter. Grad so, als würde es drauf warten, dass du es streichelst“, schmunzelt Meixner, die den direkten Kontakt dann aber doch lieber vermied. „Die waren wirklich überall, in irrsinnig großen Zahlen. Ich habe noch nie so viele Tiere von einer Tierart gesehen.“

„In der Nacht ist es wirklich stockfinster. Nicht wie bei uns. Der Sternenhimmel wird dreidimensional. Als könntest du die Sterne angreifen.“Xandi Meixner nahm nicht nur sportliche Eindrücke aus dem Outback mit

Im Outback mit seinen scheinbar unendlichen Weiten verschoben sich die Verhältnisse („Auf den langen Geraden siehst du so weit… Du siehst die Lichter des auf dich wartenden Wohnmobils, kommst aber einfach nicht näher. Das ist schon zermürbend.“) und lernte Meixner die Natur auf ganz besondere Weise kennen. „Es gibt dort kaum Lichtverschmutzung. In der Nacht ist es wirklich stockfinster. Da werden die Sterne fast dreidimensional. Du glaubst, du kannst sie angreifen. Ich habe noch nie die Milchstraße so deutlich gesehen. Das war faszinierend!“

Viel Wind, tolle Crew und die Zieleinfahrt

Neu war diesmal auch der Wind. Der blies Meixner nämlich zum Großteil entgegen oder böig von der Seite – schlimmer als die Roadtrains, die sich alle kooperativ zeigten, brav Abstand hielten. „Wir hatten auf 70 Prozent der Strecke blöden Wind“, schildert sie. „Darum war das Rennen viel anstrengender, als ich gedacht hätte.“ Durch die höhere Belastung machten die Knie Mätzchen. „Natürlich auch die Muskeln, und die Zehenballen wurden etwas taub. Aber das war marginal. Vor allem hatte meine Crew alles toll im Griff“, gibt‘s großes Lob für das achtköpfige Betreuerteam. „Es war unsagbar genial! Sie wussten immer, was zu tun war. Die Stimmung war top.“

Auch als nach dem Känguru-Crash das geräumige Wohnmobil, in dem das ganze Gepäck verstaut war, gemeinsam gegessen wurde, und Xandis Behandlungen durchgeführt wurden, geschlagen wurde, ausfiel und kurzerhand ein 7-Sitzer-Bus angemietet werden musste. „Da haben sie wirklich Gigantisches geleistet. Der Platz war viel geringer. Sie haben auf den Sitzen geschlafen“, schildert Meixner.

Dann war da auf einmal Sydney. Millionenmetropole statt endlose Weiten. Auf den letzten 70 Kilometern ging‘s durch den Abendverkehr auf der Stadtautobahn – Xandi eskortiert von den beiden Begleitfahrzeugen. „Das war schon aufregend. Sehr viel Verkehr. Aber alle sehr rücksichtsvoll. Und es hat ja schon auch was, wie ein VIP durch die Stadt geleitet zu werden“, schmunzelt sie. Das Ziel war, ganz VIP-like, direkt vor dem weltberühmten Sydney Opera House, wo sie von Mitarbeitern der Österreichischen Botschaft mit einem Blumenstrauß empfangen wurde.

Und dann war es auf einmal vorbei, das Race Across Australia. Neun Tage, zwölf Stunden und 33 Minuten brauchte Xandi Meixner für die 3.966 Kilometer von Perth an der Westküste Australiens an die Ostküste nach Sydney. Am Ende dauerte es einen Tag länger, als geplant, was auf die erschwerten Windbedingungen zurückzuführen ist. Für den Weltrekord reicht es dennoch locker.

Nach dem RAAM wieder Fokus auf Triathlon

Im Spätsommer steht noch das große Jahresziel Race Across America auf dem Programm. „Darauf ist die Vorfreude riesengroß“, sagt Meixner. „Danach werde ich aber eher wieder auf Ultra-Triathlon umsatteln. Der Organisationsaufwand bei den Radrennen ist doch enorm. Das möchte ich Walter nicht immer antun.“

Allein schon wegen des Weltrekordversuchs seien mehr als 100 zusätzliche Stunden Organisationsaufwand dazugekommen. „Und da geht‘s nur mal rein um den Papierkram, nicht die Ausbildung von Teammitgliedern zu Offiziellen, die alles während des Rennens dokumentieren mussten. Jetzt muss noch alles eingereicht werden.“ Erst wenn die WUCA (World Ultra Cycling Association) ihren Sanctus gibt, gilt der Weltrekord. „Und dann werde ich es wahrscheinlich auch erst realisieren“, sagt Meixner.

So ein Weltrekord – doch immer wieder etwas Neues.