Schremser Beers: Der Pionier ist zwanzig. Wie Freunde in 1990ern den US-Sport aus dem SAT-TV holten. Die Geschichte der Schremser Beers.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 31. Juli 2019 (08:32)
NÖN
Bei der Jubiläumsfeier trafen am Samstag ehemalige Beers und Aktive beim „Allstar-Game“ aufeinander.

Was wäre wohl passiert, wenn die Verantwortlichen des Freitzeitklubs Eugenia bei der Vereinsauflösung 1998 nicht bei jener Handvoll Mittzwanzigern angerufen hätte, die Anfang der 1990er-Jahre auf dem FZK-Fußballplatz das Baseball-Spielen probiert hatte und seither ihre Ausrüstung in der Vereinshütte lagerte?

Aus dem TV auf den Platz. Es hätte die Schremser Beers vermutlich nie gegeben. „Da haben wir uns wieder zurückerinnert, die Idee geboren, doch einen Verein zu gründen“, erzählt Wolfgang Styll, einer jener Freunde, die Anfang der 1990er im Maturaalter Baseball aus dem Satelliten-Fernsehen in die Realität befördern wollten. Neben Styll waren damals unter anderem Michael Preißl und Daniel Spazierer, die Regel-Spezialisten, mit an Bord. Und es wurden immer mehr. „Wir haben unter uns Schülern Gmünd gegen Schrems gespielt, waren immer um die 20 Leute“, erinnert sich Styll an die ersten Versuche auf dem Sportplatz in Eugenia, der Jahre später zum Beers Field umgebaut werden sollte. Nach der Matura trennten sich aber erst die Wege. Baseball schlief ein.

Der Anfang. Es brauchte jenen eingangs geschilderten Anruf, um das Thema wieder in die Köpfe zu rufen. „So wie es sich nach der Matura zufällig zerschlagen hat, hat damals dann wieder alles gepasst“, erzählt Styll. Ein Wort ergab das andere. 1999 machten sich die Freunde endgültig zu Pionieren: mit der Gründung der Schremser Beers, des ersten Baseball-Klubs im Waldviertel.

Die Begeisterung war groß, bei Spielern und auch beim Publikum. 2000 stieg man in die Meisterschaft ein, 2001 wurden die Beers erstmals Meister. „Damals waren über 300 Zuschauer beim Final Four am Beers Field“, so Styll. 2005 schaffte man unter dem ersten US-Coach den Sprung in die 2. Bundesliga. Nachwuchsteams wurden geschaffen, teils ein zweites Erwachsenen-Team.

Kurzes Aus, starkes Comeback. 2013 das Tief. Wegen Spielermangels musste der Spielbetrieb in der dritten Liga eingestellt werden. 2014 folgte, gestärkt durch die Zwettler Originals (ab 2010), für die man ebenso wie für die Woodquarter Red Devils (ab 2000) einst Wegbereiter war, die Rückkehr. 2015 war man wieder Meister, spielt seither im Spitzenfeld der Regionalliga Ost, die heute zweithöchste Spielklasse.

Heuer, im 20. Bestandsjahr, ist man wieder auf Finalkurs. Die erste Feier gab‘s aber schon vor Saisonende. Das 20-Jahr-Jubiläum wurde am Samstag auf dem Beers Field gefeiert. Los ging‘s mit einem internen Nachwuchsspiel der von Hannes Filler und Ryan Saunders gecoachten Little Beers, die mittlerweile 17 Kids zählen. Am Nachmittag standen einander zwei Teams, gemischt aus aktuellen Spielern und Ehemaligen. Gab‘s bei den Kids ein Remis, so setzten sich bei den Großen die „Malz Maroons“ gegen die „Hopfen Greys“ durch. Das Homerun-Derby, bei dem Michael Preißl und Hannes Filler triumphierten beendete den sportlichen Part und läutete gleichzeitig den gemütlichen Teil der Feier ein.