Martin Würz: „Da läuft einiges schief“. Ski-Ass Martin Würz (25) zieht Bilanz über seine Saison, die Ungleichheit bei der Klasseneinteilung, die dilettantische WM-Organisation und wie seine Karriere weitergeht.

Von Peter Sonnenberg. Erstellt am 10. April 2019 (02:01)
Alex Felten
Staatsmeister-Ehrung in Wiener Neustadt. Martin Würz mit Sport-Landesrätin PetraBohuslav.

Letzte Woche fand die Saison von Para-Ski-Ass Martin Würz aus Maissau ein würdiges Ende: Im Rahmen der Staatsmeister-Ehrung des Sportland Nieder österreichs in Wiener Neustadt wurde er für seinen Slalomtitel ausgezeichnet. Dabei nahm er sich Zeit für ein Interview, in dem der 25-Jährige auch äußerst kritische Wort fand:

Die Saison 2018/19 ist zu Ende, welche Bilanz ziehen Sie?

Martin Würz: Grundsätzlich eine positive. Ich habe wieder im Weltcup gewonnen, dazu den Staatsmeistertitel geholt und bei der Weltmeisterschaft bin ich mit meiner Leistung ebenfalls zufrieden gewesen (Anm.: Rang sechs im Slalom). Auch wenn es mit der erhofften Medaille wieder nicht geklappt hat. Nur das hatte nicht unbedingt etwas mit meinen skifahrerischen Fähigkeiten zu tun.

Wie meinen Sie das bzw. ist da Kritik herauszuhören?

Würz: Ja, weil da läuft im Internationalen Verband einiges schief, besonders, was unsere Klasseneinteilung (Anm.: aufgrund der Behinderung und des Schweregrads wird man zugeteilt) angeht. Da gibt es riesige Zeitunterschiede durch, meiner Meinung nach, falsche Klassenzuteilungen der Athleten. Das ist enorm frustrierend.

Das wird wahrscheinlich nicht nur Sie betreffen, gibt es da keine Möglichkeit zur Änderung?

Würz: Es regen sich genug auf, aber wir müssten geschlossen auftreten. Nur gibt es ja Nationen, die davon profitieren. Und die Solidarität hört auf, wo der sportliche Erfolg beginnt.

Aber auch die Organisation des IPC (Anm.: Internationaler Verband) regt Sie auf?

Würz: Die WM in Kranjska Gora war ein Wahnsinn, da ist jedes Vereinsrennen besser organisiert. Wenn man weiß, wie viel ich bzw. wir als Top-Athleten in den Sport investieren, dann machst du dir automatisch Gedanken.

Wie geht es dann mit Ihrer Ski-Karriere weiter?

Würz: Sie geht weiter, wenn ich auch in Zukunft zu 100 Prozent dahinter stehe. Da im nächsten Jahr das große Highlight fehlt, wäre es dann ein Drei-Jahres-Zyklus mit dem Höhepunkt der Para lympics 2022 in Peking.

Bis dahin steht wieder Ihr Fitness-Center in Maissau im Mittelpunkt?

Würz: Genau, jetzt kann ich mich wieder intensiv darum kümmern, während der Saison schupfen ja meine Mutter und Freundin den Laden. Aber es läuft nach der Eröffnung im Vorjahr ganz gut.