W4-Rallye: Hermann Neubauer fixiert Staatsmeistertitel. Ein zweiter Platz reichte Neubauer für den Gesamtsieg. Bei der W4-Rallye triumphierte hingegen Simon Wagner.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 16. November 2019 (20:08)
Staatsmeister: Hermann Neubauer.
Harald Illmer

Alles war angerichtet für ein spannungsgeladenes Finale zur österreichischen Rallye-Staatsmeisterschaft. Und fast alles wurde auch eingehalten, zumindest bis zum zu frühen Ende von Julian Wagners Skoda Fabia R5. Denn als dieser nach perfekter Leistung am ersten Tag diese am zweiten Tag gleich in der Früh getriebetechnisch einstellte, hatte Titelkandidat Nummer 2 Hermann Neubauer plötzlich nur noch sich selbst zum Gegner.

Und das war schwierig genug. „Ich habe gar nicht gewusst wie ich damit umgehen soll, dass ich praktisch nur noch ins Ziel kommen muss“; gestand der Salzburger im Ford Fiesta R5. „Es standen immerhin noch fünf Prüfungen auf dem Programm. Von da an habe ich aber nur noch auf Geräusche im Auto gehört. Ich muss gestehen, voll auf Attacke zu fahren ist leichter als so eine Situation. Da kannst du eigentlich nur verlieren. Am Schluss bin ich sogar schon ohne Startautomatik gefahren, nur damit ich ja nicht riskiere, dass etwas kaputt geht.“ Umso größer war dann natürlich die Freude über den zweiten Platz, der im Nachhinein locker zum Staatsmeistertitel Nummer zwei (nach 2016) reichte.

Hermann Neubauer: „Das war ein hartes Stück Arbeit über das ganze Jahr, die gleich mit dem Ausfall bei der Jännerrallye noch zusätzlich erschwert worden ist. Julian war ein unglaublich starker Gegner, und ich glaube, dass er und ich die ganze Saison hindurch den Fans eine sehr gute Show geboten haben. Zum zweiten Mal die Staatsmeisterschaft zu gewinnen, ist der Lohn für viele Mühen, die meine Copiloten Bernhard und Christina Ettel sowie das tolle Team von Zellhofer Motorsport das ganze Jahr über auf uns genommen haben. Ihnen allen möchte ich hiermit einen großen Dank aussprechen.“

Pechvogel Julian Wagner

Julian Wagner blieb nach der Führung nach dem ersten Tag heute leider nur die Rolle des Pechvogels. „Ich habe schon auf der ersten Sonderprüfung des zweiten Tages gemerkt, dass die Gänge vier und fünf Probleme machten. Im Ziel ist dann der fünfte Gang steckengeblieben, und das auch noch auf einem Bergaufstück. Als ich dann wegfahren wollte, ist auch noch die Kupplung durchgebrannt.“ So groß die Enttäuschung war, so schnell war aber auch die Energie wieder im jungen Oberösterreicher drin. „Es sollte halt heuer nicht sein. Aber ich hoffe, dass ich nächstes Jahr wieder die Chance bekomme, mich mit Hermann, dem ich herzlich zum Meistertitel gratuliere, zu messen.“

Bruder sprang in die Bresche

Der Sieg im Waldviertel blieb dann doch im Hause. Julians Bruder Simon Wagner sicherte sich mit sieben SP-Siegen am zweiten Tag den ersten Platz in der Gesamtwertung der Rallye W4. Dieser war nur kurz in Gefahr, als sich der ERC-Pilot drei Prüfungen vor Schluss einen Reifenschaden an seinem Skoda Fabia R5 zuzog. Doch Simon Wagner schleppte sich ins danach anstehende Service und machte dann neu bereift alles klar. Zwei Herzen schlugen dann aber doch in seiner Brust: „Zum einen freut mich dieser Sieg natürlich, weil das eine echt coole Rallye war, die alles andere als einfach zu gewinnen ist. Zum anderen ist der Ausfall von meinem Bruder und die damit vergebene Meisterschaft schon ein kleiner Stimmungskiller.“

Die ganz große Freude wollte auch bei Raimund Baumschlager nicht aufkommen. Als BRR-Teamchef trauerte er mit seinem Schützling Julian Wagner mit. „Das ist sehr bitter für den Buben. Aber er kann trotzdem irrsinnig stolz auf sich sein. Die erste Saison in einem R5-Boliden und da gleich so knapp an der Meisterschaft dran zu sein, das beweist, was für ein großes Talent in ihm steckt.“ Als Fahrer, dessen Comeback nach eineinhalb Jahren auch großes mediales Interesse hervorrief, beendete Baumschlager die Rallye W4 auf dem dritten Platz. Dass es nicht für sogar mehr reichte, lag an einer abgerissenen Halbachse am Skoda Fabia R5, die den heimischen Rekord-Champion fast eineinhalb Minuten kostete. Der Schaden konnte dann zwar im Service innerhalb von fünf Minuten (!) repariert werden, um die verlorene Zeit aber aufzuholen zu können, waren die letzten beiden Prüfungen dann etwas zu kurz.