Magadits: „Ich sah Dinge, die gar nicht da waren“. Christian Magadits (48) aus Enzersfeld schaffte es beim Badwater Ultramarathon, dem härtesten Lauf der Welt, ins Ziel.

Von Peter Sonnenberg. Erstellt am 24. Juli 2019 (02:44)
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Daumen nach oben! Schweißüberströmt, aber überglücklich war ChristianMagadits nach dem Badwater Ultramarathon.

32 Stunden, 31 Minuten und 44 Sekunden – so lange brauchte der Enzersfelder Christian Magadits, um den berühmt-berüchtigten Badwater Ultra marathon, den wohl härtesten Lauf der Welt, zu finishen. Nach seiner Rückkehr ins Weinviertel nahm sich der 48-Jährige Zeit, um mit der NÖN diese unglaubliche Willensleistung Revue passieren zu lassen.

NÖN: Die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es ihnen im Moment?

Christian Magadits: Eigentlich gut, die Gelenke machen gar keine Probleme, nur die Füße schmerzen. Das liegt aber daran, dass mir bei der Hitze die Sohlen meiner Laufschuhe weggeschmolzen sind und ich mir da ein paar Verbrennungen geholt habe.

Da sind wir schon beim Stichwort Hitze, der Badwater findet in der heißesten Region der USA, dem Death Valley, statt. Wie ging es Ihnen damit?

Als ich ein paar Tage vor dem Rennen angekommen bin, habe ich mich schon gefragt, was ich da mache. Teil weise 50 Grad sind schon heftig, auch wenn ich die Hitze mag. Allerdings unsere Hitze (lacht).

Das wurde beim Start, der mitten in der Nacht stattfand, auch nicht besser?

Wir sind um zwei in der Früh losgelaufen, und da hatte es noch immer über 45 Grad plus heißem Wind. Das ging noch mehrere Stunden so, also gleich ein toller Einstieg. Dennoch gingen die ersten 50, 60 Kilometer ganz gut.

Mein Team hat mich fast jeden Kilometer gekühlt, obwohl das Eis nach nur einer Minute schon wieder verdampft ist.

Dabei hatten Sie kurzzeitig einen prominenten Mitläufer?

Genau, und zwar den ehemaligen Streckenrekordhalter Pete Kostelnick aus den USA. Als ich mit ihm mitlaufen konnte, wusste ich, dass es so schlecht nicht sein kann.

Trotz der Strapazen konnten Sie ein wenig die Umgebung bewundern?

Vor einem Abstieg hatte ich einen grandiosen Ausblick auf ein Testgebiet der US Army, das war beeindruckend – noch mehr, als uns ein paar Kampfjets ihr Können gezeigt haben.

Nicht nur Sie, sondern auch Ihr Betreuerteam musste Schwerstarbeit verrichten, oder?

Dafür ein ganz großes Dankeschön an Helmut Treitler, Igor Szartori und Günter Zwanziger – eine tolle Truppe, ohne die ich es nie geschafft hätte. Ein Beispiel: Sie haben mich fast jeden Kilometer gekühlt, obwohl das Eis nach nur einer Minute schon wieder verdampft ist. Aber sie haben ihren Job so gut gemacht, dass ich nicht registriert habe, dass es am Nachmittag wieder 49 Grad hatte.

„Auf einmal hatte ich das Gefühl, mein Kopf fängt zu kochen an

Nach über 150 Kilometern hat sich die Hitze dann aber doch bemerkbar gemacht?

Oh ja, auf einmal hatte ich das Gefühl, mein Kopf fängt zu kochen an. Ab diesem Zeitpunkt musste ich das Lau-fen einstellen und konnte nur mehr gehen. Zudem fühlten sich meine Lippen wie Lösch papier an.

Aber aufgeben war nie eine Option für Sie?

Aufgeben gibt’s nicht. So bin ich die letzten knapp 50 km gegangen, nur kommt dir das dann wie eine Ewigkeit vor. Außerdem bekam ich noch Halluzinationen, sah Dinge, die gar nicht da waren.

Und der letzte Anstieg hatte es dann auch noch in sich?

Und wie, das ist viel schlimmer als die Großglockner Hoch alpenstraße, aber letzt endlich habe ich es ins Ziel geschafft.

Wie war das Gefühl?

Emotional, absolute Freude und absoluter Triumph. Ich kann es bis jetzt kaum fassen. Am Ende war ich trotz meines Einbruchs zweitbester Europäer und Gesamt-18. von knapp 80 Teilnehmern. Für das erste Mal nicht so schlecht, würde ich sagen (lacht).