Olympia ist für Beatrice Kudlacek kein Thema mehr. Für Beatrice Kudlacek (20) von der Fechtgilde Stockerau sind die Olympischen Sommerspiele in Tokio Geschichte. Sie konzentriert sich derzeit mehr auf ihr Studium.

Von Peter Sonnenberg. Erstellt am 12. Februar 2020 (02:26)
Tokio ist Geschichte: Beatrice Kudlacek.
Peter Sonnenberg

Seit Jahren zählt die Stocker auerin Beatrice Kudlacek zu den hoffnungsvollsten Talenten des Landes. Und ein großes Ziel der Fechterin waren die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio. Doch bereits Ende des Vorjahres zeichnete sich ab, dass die Athletin der Fechtgilde Stockerau nicht nach Japan reisen würde.

Medizinstudium rückt in den Fokus

„Olympia ist abgehakt“, stellte Kudlacek klar. Warum das? „Es hat einige Umstellungen im Leistungszentrum gegeben, mein Trainer der letzten fünf Jahre ist weg. Durch diese Un sicherheit Ende letzter Saison, ob ich überhaupt beim Bundesheer als Leistungssportlerin verlängert werde, habe ich mich dazu entschlossen, die Aufnahmeprüfung für das Medizinstudium zu machen“, erklärt Kudlacek.

So studiert die Weinviertlerin seit dem Herbst Medizin, was sehr zeitaufwendig ist, weshalb der Sport nicht mehr an erster Stelle steht. Dennoch qualifizierte sich Kudlacek in der Zwischenzeit für die Unter-23 Europameisterschaft und wird auch noch versuchen sich für die EM der allgemeinen Klasse zu qualifizieren. Ihr Vater Oliver Kudlacek weiß aber auch: „Das Thema Qualifikation für den österreichischen Platz in der Zonenausscheidung für Tokio ist dieses mal abgeschlossen, vielleicht in vier Jahren.“

Die weitere Fechtkarriere steht aber außer Zweifel, Kudlacek kann noch drei Jahre in der U23 kämpfen und wird, wenn es die Zeit und das Training erlauben, auch weiterhin auf Weltcup turniere fahren. Das sie weiterhin zu den besten Fechterinnen des Landes zählt, bewies Kudlacek bei den österreichischen akademischen Meisterschaften am Universitätssportzentrum Schmelz, die traditionell zum Jahresauftakt statt fanden.

Ein packendes Duell der Generationen

Heuer war die Fechtgilde Stockerau lediglich durch ihr Aushängeschild vertreten. Wie bei quasi jedem österreichischen Ranglistenturnier war auch hier das Podest klar das Ziel des Turniers. Und auch wenn nicht alles ganz nach Plan lief – und das ein oder andere Vorrundengefechte – knapper als erwartet wurde, schaffte Kudlacek in ihren Vorrunden zehn von zehn möglichen Siegen und stieg so als Nummer zwei in die Direktausscheidung ein. Auch dort lief es bis zum Semifinale ohne Probleme.

Dort wartete dann die wohl erfahrenste aktive österreichische Fechterin, Barbara Koppenwallner-Böhm. Die neunfache österreichische Einzelstaatsmeisterin gewann ihren ersten Titel bereits im Jahr 1990, also neun Jahre vor der Geburt von Kudlacek. Dass Koppenwallner- Böhm noch immer zu den stärksten heimischen Fechterinnen zählt, bewies sie erneut, erst in der Verlängerung kämpfte die Stockerauerin ihre Gegnerin nieder.

Im Finale wartete mit der Mödlingerin Freya Cenker dann eine Trainingspartnerin aus dem Bundessportzentrum Südstadt. Die Beiden fechten seit ca. sieben Jahren mehrmals in der Woche im Training gegen einander und dementsprechend knapp wurde auch dieses Finale, das dann aber mit 15:13 für die Mödlingerin endete. „Ein zweiter Platz ist zufriedenstellend, bedeutete er gleichzeitig Rang zwei in der österreichischen Rangliste“, resümierte Kudlacek.